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    „Sehr gefährliche Zeiten“ – Rahr: Im Fall Trump setzen Eliten auf Deutschland

    © AFP 2019 / Rainer Jensen / dpa
    Politik
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    Das liberale Europa betrachtet Donald Trump als eine Bedrohung für die eigene Weltordnung, schreibt der Politologe Alexander Rahr, der Wissenschaftliche Leiter des Deutsch-Russischen Forums e.V., in einem am Mittwoch in der Tageszeitung „Iswestija“ veröffentlichten Beitrag. Der Experte erläutert auch einige Ursachen dieses Phänomens.

    „Die europäischen Eliten sind verwirrt. Der neue Anführer der westlichen Welt – US-Präsident Donald Trump – ist ihnen fremd“, so Rahr in dem Artikel unter dem Titel „Ideologische Spaltung: Wie Trump die westliche Welt zerrüttet“. 

    „Er hält sich nicht an die Grundsätze der liberalen Demokratie. Was tun? Die westlichen Eliten haben zwei Varianten: hoffen, dass die US-Machtkreise Trump selbst beseitigen, oder mit vereinten Kräften versuchen, den „Barbaren umzuerziehen“. In diesem Fall kann eine Spaltung zwischen den USA und der EU verhindert werden.“

    „In den vergangenen Jahren galt Russland als Prügelknabe für den Westen“, führt Rahr weiter aus. „Es gefiel dem Westen nicht, wie Moskau seinem historischen Entwicklungsweg folgte und forderte, seine nationalen Interessen und Einflussbereiche zu respektieren, die liberalen Lehren des Westens vernachlässigte und ein eigenes Modell des „traditionellen Europas“ vorschlug. Der Westen, der sich als Gewinner des Kalten Krieges betrachtet, kann sich keine europäische Architektur vorstellen, die nicht auf liberalen Werten aufgebaut ist. Er beerdigte erfolgreich das Jalta-Modell der europäischen Sicherheit und hob die Charta von Paris (1990) auf den Altar. Im vergangenen Jahr schlossen die USA und die EU beinahe einen Vertrag über die Bildung einer freien Wirtschaftszone ab, die das Fundament für ewige Prosperität der transatlantischen Allianz hätte bilden sollen.“

    „Dann tauchte jedoch Trump auf und verdarb alles. Der neue Anführer wagte, Institutionen infrage zu stellen, auf denen die Zukunft des Westens ruhte“, betont der Politologe. „Die Angst, dass Donald Trump hinter dem Rücken der Europäer etwas mit Wladimir Putin vereinbaren könnte, wird mit jedem Tag größer. Die westlichen Medien setzen alles daran, die Anführer der USA und Russlands aufeinander zu hetzen. Die westlichen Eliten werden sich gegen die Versuche stemmen, die für sie komfortable Welt zu ändern. Die Alternativen sind aus der Sicht des Westens katastrophal.“

    Wie Trump Europas Eliten spalten könnte – Expertendiskussion

    „Nun legen die westlichen Eliten ihre Hoffnungen ausschließlich auf Deutschland, das ihnen zufolge in der Lage ist, die Welt zu retten“, stellt der Autor fest. „Bei Bedarf können die Deutschen eine neue kampffähige europäische Armee aufbauen, die nicht schlechter als die amerikanische und zudem imstande sein wird, die Eurozone, die europäische Wirtschaft und Brüsseler Bürokratie zu retten. Einer der schillerndsten Vertreter dieser Brüsseler Bürokratie – Martin Schulz – soll jetzt von der verwirrten europäischen Elite ins Amt des Bundeskanzlers gehoben werden.“

    „Doch was geschieht drumherum? Die Briten treten aus der EU aus. Ihnen werden unverzüglich die Franzosen folgen, falls Marine Le Pen an die Macht kommt. Ungarn, Bulgarien und Griechenland werden sich auf Moskau umorientieren. Polen lehnt das Diktat der liberalen Werte des Westens ab, Österreich fordert die Abschaffung der antirussischen Sanktionen. Niemand will von Deutschland eine Million arabischer Flüchtlinge aufnehmen. Für die Türkei ist jetzt die EU weniger interessant als Russland. Berlin wird es nicht leicht fallen, die störrigen EU-Partner zur Disziplin anzuhalten.“

    „Der Fall der Berliner Mauer 1989 brachte eine neue revolutionäre Bewegung in Europa mit sich – die Bewegung der liberalen Werte, des gewaltsamen Exports der Demokratie und des „Regime changes“. Diese Epoche endete mit dem ukrainischen Maidan“, so Rahr abschließend.

    „Nun könnte es wieder zu Gegenrevolutionen kommen. Es sind interessante, zugleich aber auch sehr gefährliche Zeiten.“

    Zum Verfasser: Alexander Rahr ist der Wissenschaftliche Leiter des Deutsch-Russischen Forums e.V..

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    Tags:
    Alexander Rahr, Donald Trump, Deutschland