15:43 15 Oktober 2018
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    NSA-Hauptquartier, Fort Meade, MD.

    Anklageerhebung gegen Entwender von umfangreichstem NSA-Datenmassiv

    © AP Photo / Patrick Semansky
    Politik
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    Das US-Justizministerium hat Klage gegen Harold Thomas Martin erhoben, der unter anderem geheime Informationen der National Security Agency (NSA) gestohlen haben soll. Das meldet die Agentur Reuters.

    Nach der Festnahme Martins meinten die Medien, dass er wegen Spionage angeklagt wird. Allerdings fanden die Ermittler keine Beweise dafür, dass er die gesammelten Daten an Dritte weitergegeben hat.

    Harold Thomas Martin arbeitete in der einflussreichen US-Consultingfirma Booz Allen Hamilton, die mit der NSA kooperierte. Dort arbeitete auch der bekannteste ehemalige Mitarbeiter der NSA, Edward Snowden, der nach der Offenlegung der NSA-Geheimnisse Asyl in Russland bekam.

    Martin wurde bereits im August des vergangenen Jahres festgenommen, doch bis Oktober wurden diese Informationen vor den Medien geheimgehalten. Der 52 Jahre alte Martin hatte in einem Zeitraum von mehreren Jahren als Mitarbeiter der NSA rund 500 Millionen Seiten Dokumente gestohlen, darunter geheime Angaben über Militäroperationen der USA und eine Liste von Agenten, die im Ausland getarnt arbeiteten. 

    Zudem berichteten die Medien, dass in seinem Archiv ein Code entdeckt wurde, der speziell für das Hacken der Computersysteme der außenpolitischen Opponenten der USA, und zwar der Regierungen Russlands, Chinas, Nordkoreas und Irans, entwickelt wurde. Die Gesamtmenge seines Archivs mit geheimen Regierungsdokumenten wird auf 50 Terabyte geschätzt. 

    Martins Anwälte beharrten nach seiner Festnahme darauf, dass er an einer psychischen Krankheit leidet, die zur unkontrollierten Anhäufung von Informationen führt, die er nicht braucht. Allerdings konnte auf Grundlage dieser Behauptungen keine Freilassung gegen Kaution erreicht werden.

    In der Erklärung des Justizministeriums heißt es, dass Martin „vermutlich Landesverrat beging, indem er geheime Dokumente und andere Materialien gestohlen und gespeichert hat, die die nationale Sicherheit betreffen“.

    Laut Reuters wurden gegen Martin Klagen in 20 Fällen des Diebstahls von geheimen Informationen erhoben, bei jedem drohen bis zu zehn Jahre Haft.

    Das Justizministerium hob hervor, dass solche Bedrohungen „eine ernsthafte Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen“. Mit dem Diebstahl von Informationen, die die Namen von US-Agenten enthalten, bedroht Martin nicht nur das Leben und die Sicherheit dieser Menschen, sowie auch jener, mit denen sie arbeiten. Die Veröffentlichung der Namen von Mitarbeitern der US-Aufklärung kann die von ihnen genutzten Quellen und Arbeitsmethoden praktisch unnütz machen, so die Anklagebehörde. Ein bedeutender Teil der von Martin entwendeten Dokumente sei „streng geheim“.

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    Tags:
    NSA, Harold Thomas Martin, USA