23:15 22 Oktober 2018
SNA Radio
    Mike Pompeo

    Vom Erdogan-Kritiker zum Vermittler: Trump schickt CIA-Chef in die Türkei

    © Flickr/ Gage Skidmore
    Politik
    Zum Kurzlink
    31032

    Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Mike Pompeo, ist im Rahmen seines ersten Auslandsbesuchs in die Türkei gereist. Bei dem Treffen sollen vor allem zwei heikle Themen im Mittelpunkt stehen: Die US-Unterstützung für die Kurden im Syrien-Konflikt sowie die Auslieferung des Predigers Fetullah Gülen, schreibt "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Gerade diese zwei Punkte hatten unter Ex-Präsident Barack Obama in den türkisch-amerikanischen Beziehungen für Spannungen gesorgt. Ankara hatte sich über die Weigerung der Obama-Administration empört, den in Pennsylvania lebenden Prediger Gülen auszuliefern, den die türkische Regierung als Drahtzieher des gescheiterten Putsches von 2016 betrachtet.

    Ankara forderte von der US-Regierung außerdem, ihre Unterstützung für die kurdischen Einheiten in Syrien auszusetzen, die in der Türkei als Terroristen eingestuft werden. Obama hatte die Kurden jedoch als effektiven Partner im Kampf gegen den IS betrachtet und mit Waffen und Militärausbildern versorgt.

    Der Besuch von Pompeo war zuvor bei einem Telefongespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan vereinbart worden. Nach Angaben der türkischen Agentur Anadolu verlief das Gespräch in einer „äußerst positiven“ Atmosphäre.

    Bemerkenswert ist dabei, dass Trump ausgerechnet Pompeo nach Ankara schickt, der die Türkei im vergangenen Sommer in einem Twitter-Post als „totalitäre islamistische Diktatur“ bezeichnet hatte. Nach der Ernennung zum CIA-Chef löschte Pompeo jedoch seinen privaten Twitter-Account.

    Welchen Kurs die Trump-Administration in diesen Fragen einschlagen wird, ist bislang nicht klar. Trotzdem könnte man sagen, dass sich Ankara engere Beziehungen zu der neuen US-Regierung erhofft. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass Erdogan bislang keine Kritik an dem von Trump beschlossenem Terrorschutz-Dekret geäußert hat. Dabei hatte Erdogan im Sommer 2016 seinem jetzigen US-Kollegen Islamophobie vorgeworfen und sogar angeordnet, dass der Name des Milliardärs von einem Wolkenkratzer in Istanbul entfernt wird. Erdogan soll Trump vor kurzem sogar in Schutz genommen und die ausländischen Medien für ihren Umgang mit Trump kritisiert haben.

    Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zeigt sich optimistisch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den USA. „Was den Kampf gegen den Daesh (Terrormiliz „Islamischer Staat“ – Anm. d. Red.) angeht, werden wir, das heißt die Türkei und Saudi-Arabien, mit den USA kooperieren“, sagte Cavusoglu. „Wir sind der Meinung, dass der Kampf von nun an effektiver wird und dass wir Syrien und den Irak von dem Daesh befreien.“

    Dass jetzt ein neuer Präsident die USA regiert, ist nicht der wichtigste Faktor für die Änderungen in den türkisch-amerikanischen Beziehungen, meint die Türkei-Expertin Natalia Ultschenko. Die wichtigsten Änderungen zeichneten sich der Expertin zufolge schon vor langem ab, als die Türkei nach ihrer eigenen Identität in der internationalen Politik zu suchen begann, in der sie als „unabhängiges Subjekt“ auftreten würde. Washington könne die Beziehungen zur Türkei verbessern, wenn es diese neue „Subjektheit“ der Türkei im Auge behalte.

     

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Türkischer Politikexperte: „Trump kann Dialog mit syrischen Behörden anbahnen“
    "Denkweise ändern": Trump kommentiert Berlin-Tragödie und Ankara-Attentat
    Türkei wird Präsidialrepublik - Erdogan bekommt ab 2019 neue Vollmachten
    "Ich bedauere..." - Erdogan zeigt sich enttäuscht über USA
    Tags:
    Beziehungen, CIA, Mike Pompeo, Fethullah Gülen, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Syrien, USA