06:05 18 Oktober 2018
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    Migranten in Deutschland

    ZDF (er-)findet „Kreml-Agenten” unter Asylbewerbern

    © AFP 2018 / Christof Stache
    Politik
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    Die ZDF-Doku „Putins Kalter Krieg“ behauptet, dass „russische Agenten“ als Asylbewerber getarnt nach Deutschland geschickt würden. Beweise sind dabei nicht gezeigt worden.

    Filmautor Egmont Koch beruft sich dabei angeblich auf einen ehemaligen russischen Geheimdienstler namens Igor, der in Europa auf der Flucht sein soll. Sein Gesicht ist im Film verdeckt, die Stimme verstellt. Auf Dokumenten und Fotos, die die Identität des ZDF-Informanten bestätigen sollen, ist das Gesicht verpixelt. Igor sichert dem deutschen Journalisten zu, dass er in Russland in Ungnade gefallen sei und darum beschloss, aufgrund seines „quälenden Gewissens“ über seine geheimen Aktionen Auskunft zu geben.

    Ihm zufolge schleust Moskau als Asylbewerber aus Tschetschenien getarnte „Spione“ nach Europa. Sie sollen angeblich potentielle Terroristen verfolgen und gleichzeitig die politische Situation beeinflussen – beispielsweise Protestaktionen organisieren.

    Beweise zeigt der Film jedoch keine. Der in Deutschland lebende tschetschenische Sportler Timur Dugasajew sagt, dass er seine Landsleute für den Fall überwacht, dass sie sich radikalisieren und seiner Heimat schaden könnten. Bei Bedarf könnte er Angaben direkt an die Führung Tschetscheniens übermitteln. Auf Andeutung Kochs, er würde mit Sicherheitsdiensten kooperieren, reagierte er mit Erstaunen.

    Aber das ZDF geht noch einen Schritt weiter: Moskau habe im vergangenen Jahr absichtlich den Flüchtlingsstrom über die russisch-finnische Grenze organisiert. Zudem nutze Russland die Migrationskrise als Waffe im „psychologischen Krieg“ gegen den Westen. Die russischen Medien vermittelten nun absichtlich ein Bild der Ohnmacht und Schwäche der europäischen Behörden. Der Kalte Krieg komme wieder auf, heißt es.

    Putin: Renommierte europäische Medien manipulieren öffentliche Meinung

    Die Haltlosigkeit dieser Behauptungen blieb in Deutschland nicht unbemerkt. Wie die „Welt“ berichtete, konnte bislang nicht bewiesen werden, dass Russland durch Einwander Europa destabilisieren will. Zudem sei auch die Motivation des FSB-Überläufers unklar. Warum geht er jetzt an die Öffentlichkeit? Igor sagt, er habe seine Arbeit ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mit mehr mit seinem Gewissen vereinbaren können. Aus dem Munde eines Top-FSB-Offiziers klinge dies aber eher nach einer floskelhaften Begründung, so die „Welt“.

    In den Sozialen Netzwerken wurde der ZDF-Film ebenfalls kritisiert:

    „Wenn ich an all das denke, was im Lande geschieht, bin ich über die russischen Spione am wenigsten besorgt“, schreibt ein anderer Nutzer. 

    „Sie wurden angelogen, ebenso wie im Fall mit der Ukraine. Die Russen werden sie auslachen“, erinnerte ein Nutzer an den Skandal um einen ZDF-Bericht aus dem Jahr 2015. Damals hat der TV-Sender in einem Film einen Freiwilligen aus Kaliningrad gezeigt, der angeblich auf der Seite der Aufständischen in Donezk gekämpft hatte. Es stellte sich aber heraus, dass dieses Mann nie im Donezbecken gekämpft hatte und gegen Geld als angeblicher „Zeuge“ den Unterstellungen des Senders Glaubwürdigkeit verleihen sollte.

    Der deutsche TV-Sender wurde nicht zum ersten Mal Gegenstand von Kritik. Im Februar 2015 zeigte das ZDF ein Foto aus der Zeit des Georgien-Konflikts, das angeblich die Präsenz von russischer Militärtechnik in der Ukraine beweisen sollte.

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