23:41 17 November 2019
SNA Radio
    Wladimir Putin spricht auf der 43. Münchner Sicherheitskonferenz, 10. Februar 2007

    Putins Rede in München: Zehn Jahre danach

    © Sputnik / Dmitri Astachow
    Politik
    Zum Kurzlink
    211976
    Abonnieren

    Heute vor zehn Jahren hat Wladimir Putin auf der Sicherheitskonferenz in München vor schweren Folgen der von den USA angestrebten monopolaren Weltherrschaft und der ungezügelten Militäranwendung gewarnt. Laut Experten, die Sputnik befragt hat, haben die damaligen Warnungen des russischen Präsidenten auch heute ihre Brisanz nicht verloren.

    Militärexperte Koray Gürbüz (Ankara): Putins Worte waren prophetisch. Heute, nach zehn Jahren, beobachten wir, wie die europäischen Staaten sich allmählich in eine Militärbasis der USA verwandeln, wie der Nahe Osten von militärischen und sozialen Konflikten zerrissen wird.

    Arnaud Dotézac, Ex-Chefredakteur des Schweizer Magazins „Market“: Die Unipolarität besteht darin, dass die USA den Weltpolizisten spielen (…) und aus der Nato eine Weltpolizei gemacht haben. (…) Putins damalige Worte, dass die USA ihr Recht externalisiert haben, treffen auch heute noch zu.

    Hasan Oktay, Chef des türkischen Instituts für strategische Kaukasus-Studien (KAFKASSAM): Konflikte im Nahen Osten und im Kaukasus, Spannungen in der Ukraine und auf dem Schwarzen Meer, die Syrien-Krise und der weltweite Terrorismus – all die Probleme der Gegenwart hätten vermieden werden können, wenn die Welt vor zehn Jahren auf Putin gehört hätte.

    Sputnik fasst die Schwerpunkte der Münchner Rede Wladimir Putins zusammen:

    Der Kalte Krieg als globale Konfrontation der Supermächte hat akute wirtschaftliche und soziale Fragen in den Hintergrund geschoben. „Und wie jeder Krieg hinterließ uns auch der Kalte Krieg – bildlich ausgedrückt – Blindgänger. Ich meine damit ideologische Stereotypen, Doppelstandards und sonstige Schablonen des Blockdenkens.“

    Nach dem Kalten Krieg wurde eine monopolare Welt vorgeschlagen. Eine Welt, wo es nur ein Machtzentrum, nur ein Entscheidungs-Zentrum gibt. Die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Die monopolare Welt hat nichts gemein mit der Demokratie und ist unheilbringend. Sie ist nicht nur unannehmbar, sondern überhaupt unmöglich, denn sie bietet keine moralischen Grundlagen für die moderne Zivilisation.

    Die wachsende Wirtschaftsleistung der Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien und China) wird zunehmend die Multipolarität stärken.

    Russland werden immer wieder Lektionen in Sachen Demokratie erteilt. Doch „diejenigen, die uns belehren, wollen aus irgendeinem Grunde selbst nicht lernen. Im Gegenteil werden grundlegende Prinzipien des Völkerrechts immer mehr vernachlässigt. Die USA haben ihre nationalen Grenzen in allen Bereichen überschritten: sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik als auch in der humanitären Sphäre, und drängen anderen Staaten eigene Normen auf.

    Die Welt ist an einem Grenzpunkt angelangt, an dem sie ernsthaft über die gesamte Architektur der globalen Sicherheit nachdenken sollte. Hier muss man von der Suche nach einer vernünftigen Balance zwischen den Interessen aller Subjekte der internationalen Beziehungen ausgehen.

    „Heute beobachten wir eine Situation, wo Länder, in denen die Anwendung der Todesstrafe selbst gegen Mörder und andere gefährliche Verbrecher verboten ist, leicht an militärischen Aktionen teilnehmen, die sich kaum als legitim bezeichnen lassen. Dabei sterben in diesen Konflikten Menschen – Hunderte und Tausende friedliche Menschen.“

    Nur die UN-Charta darf der einzige Mechanismus zur Entscheidung über die Anwendung von Gewalt als letzte Maßnahme sein. Die Organisation der Vereinten Nationen darf nicht durch die Nato oder die EU ersetzt werden. Nur wenn die Uno wirklich die Weltgemeinschaft vereint, kann die Nichtbeachtung des Völkerrechts gestoppt werden. Im anderen Fall werden sich schwere Fehler häufen.

    Die Nato bringt ihre Truppen immer dichter an die russischen Staatsgrenzen heran. Dieser Prozess hat weder mit Modernisierung der Nato noch mit der Sicherheit in Europa etwas gemein. Im Gegenteil: Das ist ein provokanter Faktor, der das gegenseitige Vertrauen schwinden lässt. An die Versprechungen westlicher Staatslenker, die Nato werde sich nie gen Osten erweitern, erinnert man sich heute gar nicht mehr.

    Die OSZE wurde einst gegründet, um sich mit allen Aspekten der Sicherheit zu befassen. Jetzt wird aber versucht, die OSZE in ein vulgäres Instrument zu verwandeln, um außenpolitische Interessen einzelner Staaten oder einer Staatengruppe gegenüber anderen Staaten durchzusetzen. Zu diesem Zweck werden so genannte Nicht-Regierungs-Organisationen genutzt, die formell unabhängig sind, jedoch zielgerichtet finanziert – sprich kontrolliert – werden.

    Als Land mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte hat Russland fast immer das Privileg gehabt, eine unabhängige Außenpolitik betreiben zu können. Es will diese Tradition auch heute nicht aufgeben.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Wo die US-Bomben hinfallen – Weltkarte der Luftangriffe
    Kreml: Münchner Sicherheitskonferenz - ohne Putin
    Fünf Jahre arabischer Frühling: So fing in Libyen alles an
    Sicherheitsratschef: Westen strebt Regimewechsel in Russland an
    Tags:
    Münchner Sicherheitskonferenz 2007, Wladimir Putin, München, Deutschland