08:07 28 März 2017
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    EU hat sich in „Viertes Reich“ verwandelt italienischer Volkswirt

    © AFP 2017/ Robert Michael
    Politik
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    Die EU ist in einer schweren Krise – wirtschaftlich, politisch und moralisch. Der Globalisierung wurden nicht nur geografische, sondern auch ethische Grenzen geopfert. Infolge dessen ist eine Epoche der Ungewissheit über Europa hereingebrochen. Darüber sprach Sputnik mit dem italienischen Volkswirt Alberto Bagnai.

    Ganz Europa ist in der Krise. Auch Italien zahlt dafür seinen Preis. Angefangen hat dies in den Sechziger-/Siebzigerjahren, mit der wirtschaftlichen Flaute, die sich unverzüglich demografisch auswirkte: Die Wirtschaft eines Landes kann nicht wachsen, wenn die Bevölkerung nicht wächst. Wie kann ein Land prosperieren, wenn dort immer weniger Kinder geboren werden?

    Der Todesstoß ist Italien in den Neunzigern versetzt worden, mit der Einführung des Euro und den daraus folgenden Produktionsverlagerungen und der Deindustrialisierung des Landes. Die Weltfinanzkrise von 2008 hat Italien den Rest gegeben, als die Vereinigten Staaten private Schulden nationalisiert und die eigenen Staatsschulden verdoppelten.

    Doch inzwischen drängen Fragen der politischen und wirtschaftlichen Souveränität immer mehr auf die Agenda. Das stellt auch der Journalist Marcello Veneziani fest. Europa brauche eine politische Führung, die nicht nur Wahlen gewinnen, sondern auch regieren könne, fordert er. Und bei alledem seien Grenzen für eine Gesellschaft unverzichtbar: „Ohne Grenzen kann die Gesellschaft ausufern“, betont Veneziani.

    Doch warum wird heute in Europa und Italien jeder, der über nationale Interessen, Identitäten und Kontrollen an den Grenzen eigener Staaten spricht, als Populist abgestempelt? Dazu sagte der italienische Volkswirt Alberto Bagnai: „Das liegt daran, dass wir in einer Epoche leben, in der nur transnationale Konzerne über Souveränität verfügen“, so Bagnai. „Dass die Medien auf die Idee, der wahre Souverän sei ja das Volk, ignorant reagieren, spielt offenbar jemandem in die Hände.“

    Aber kann man wirklich von einer Volkssouveränität sprechen, wenn auf italienischem Boden 90 Atombomben der Nato und der USA stationiert sind? Und was erwartet Italien in dieser Hinsicht? „Von Souveränität kann keine Rede sein“, sagt Bagnai. „In den nächsten zwei Jahrzehnten wird Rom kaum wieder zur Hauptstadt eines Imperiums werden.“

    Aber: Derzeit stünden die Beziehungen zwischen dem Big Boss jenseits des Atlantik und seinem lokalen Stellvertreter Deutschland auf dem Prüfstand. „Und wir müssen die Situation nutzen, um bessere Bedingungen für unser Land auszuhandeln“, rät der Volkswirt. Italien sei ein abhängiges Land und könne sich entweder weiter auf die EU zubewegen, die inzwischen im Grunde schon zum Vierten Reich verkommen sei. Oder Rom könne unabhängiger werden, indem es mir Washington und Moskau verhandele.

    „Die Annäherung zwischen Russland und den USA ist ja nicht unbedingt negativ zu werten“, sagt der Volkswirt. Sie sei jedenfalls besser, als sich gegenseitig mit Atombomben zu bewerfen, konstatiert er.

    Zum Thema:

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    Tags:
    NATO, EU, USA, Russland, Italien
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    Alle Kommentare

    • sanpodon
      Das "Vierte Reich" - eine (für mich) neue Vokabel europäischer Politik - gut getroffen!

      Die Vokabel ist deswegen besonders passend, als sie die weit verbreitete, totale Umkehrung der Begriffe in ihr Gegenteil auf die Spitze treibt: Das Partnerwort zu "Wert" ist "Reich" - und wie klingt schon "arm" als Substantiv ...
    • avatar
      otto3
      Das meint wahrscheinlich Kaiser Nero
    • avatar
      Kongdeepattarasak
      Geisteskranke überall.
      Alleine schon die EU mit dem 3.Reich zu vergleichen,zeugt von geschichtlicher Fehlbildung.
      Die gesamte deutsche und europäische Nachkriegsgeschichte ist auf Unwahrheiten gebaut und somit zum scheitern verurteilt.
      Aber Versuch Mal einem Fisch das Laufen beizubringen.
    • boroser1502
      Die EU hat viele Verlierer - das sind viele kleinere Mitgliedsländer.

      Viele kleine EU- Staaten haben nicht viel mitzubestimmen.

      Die Richtung gibt der Faktor an, der bekanntlich in der
      EU über das meiste Geld verfügt.

      Politik wird über das Geld bestimmt - und die anderen kleinen
      EU- Mitgliedsländer sind Statisten und haben nicht viel zu
      melden.

      So war die EU nicht gedacht und nicht versprochen.

      Die Großkonzerne sind die großen Gewinner -
      der Arbeiter und die vielen verarmten Bürger
      sind die großen Verlierer.


      EU - ein großes Versprechen wurde zu einem großen Versprecher.
    • avatar
      nva fallschirmjäger
      Die sogenannte EU ist genauso megapleite wie die USA.Staatsverschuldung zwischen 86 % Deutschland und 120-186 % die anderen.Die Defizietgrenze der Maastricher Verträge lag bei 60 !!!% .Noch Fragen?Bald kommt der Finanzgau und damit der europäische Bürgerkrieg über alle Ländergrenzen hinweg.Werde Putin schon mal nach einer Kalaschnikow mit genügend Munition zur verteidigung meiner Familie fragen.
    • avatar
      otto3
      Merkel ist erst kein Nazi mehr, wenn sie die deutsche Schatzkiste rausrückt !
    • avatar
      Björn
      EU hat sich in „Viertes Reich“ verwandelt – italienischer Volkswirt : aber selbstverständlich können wir sagen Viertes Reich sagen. Dieses Reich muss zusammenbrechen. Deutschland / die BRD ist ja wieder einmal die Zentrale ....
    • boroser1502
      EU war gegründet mit anderen Zielen:

      Erst war es die EWG - es ging im kleinen Rahmen, mit wenigen
      Mitgliedsstaaten um wirtschaftliche Zusammenarbeit.

      Im Laufe der Jahre/ Jahrzehnte kamen immer mehr Staaten hinzu.

      Die Ziele waren Frieden, wirtschaftliche Stabilität und Wachstum,
      Kooperation, gleichberechtigte Partnerschaft, Völkerfreundschaft.

      Heute bestimmt in der EU eigentlich nur noch der reichste Faktor,
      der, der übers meiste Geld verfügt. Das ist Politik mit dem Geldbeutel.

      Die anderen kleinen EU- Mitgliedsländer haben nicht viel mitzu-
      bestimmen.

      Die EU- Bürger beklagen mangelnde Transparenz, neue Anhängig-
      keiten der EU, hauptsächlich Interessensvertretung der Großkonzerne
      in der EU, neue Armut vieler EU- Bürger, neue Perspektivlosigkeit vieler
      EU- Bürger, neue Konfrontationspolitik der EU zum Nachteil Russlands,
      willkürliche und unrechtmässige EU- Sanktionen gegen Russland und gegen
      die Menschen in Russland. Und so weiter...

      Gleichzeitig erfahren die Bürger der EU, dass sie massenhaft ausspioniert
      und überwacht wurden. Die Menschen in der EU wurden dadurch zu
      "gläsernen Menschen", was die Menschenwürde verletzt.

      Ist das die EU, welche uns versprochen wurde?

      Ich glaube: Ne, das wars nicht! Das wolln wir nicht!
      So bitte nicht, sehr geehrte Damen und Herren!
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