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    Was Russlands Image bei Deals mit Trump „fatal untergraben“ könnte

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    Nichtwestliche Gesprächspartner des Kremls befürchten, dass jener die Beziehungen zu den USA vorrangig behandeln könnte. Deshalb sollte Moskau bei seinen eventuellen Deals mit Donald Trump sehr vorsichtig sein, warnt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru: „Unter den nichtwestlichen Partnern Russlands ist die Meinung vorhanden, dass Moskau in seiner Politik ausschließlich westzentrisch sei – trotz aller Schwankungen und Zuspitzungen. Diesem Standpunkt zufolge ist eine Annäherung mit dem Iran, China und Indien für Russland kein angestrebter Wert, sondern ein Instrument, eine Methode, um auf den Westen einzuwirken oder ihm Signale zu schicken; sobald es dem Kreml aber gelingt, die Aufmerksamkeit der europäischen und vor allem der amerikanischen Gesprächspartner ernsthaft zu gewinnen, werden diese sofort vorrangig, indem das Interesse am Nicht-Westen schwindet.“ 

    „Darüber, inwieweit diese Auffassung richtig und gerecht ist, lässt sich streiten. Eine erhöhte Sensibilität bei den Beziehungen zum Westen ist aber schwer abzustreiten – manchmal mutiert sie fast zu einer Besessenheit von ihm (bald resultiert daraus der Wunsch, sich dem Westen in die Arme zu werfen, bald hingegen ein Konfrontations-Eifer)“, so Lukjanow.

    Er postuliert: „Seit mindestens zwei Jahrzehnten ist die westzentrische Ausrichtung ein entscheidender Faktor der russischen Politik. Nach dem Zerfall der Sowjetunion steuerte Russland zunächst dem Westen vehement zu, indem es aufrichtig glaubte, dass alles Andere zweitrangig sei. Dann rang Russland lange um seine Anerkennung als gleichberechtigter und bedeutender Akteur durch die USA und Europa. Dies formte endgültig das Image eines Landes, für welches die Sonne im Westen aufgeht.“

    „Allerdings wurde diese Wahrnehmung in den letzten paar Jahren – besonders seit 2014 – etwas korrigiert. Moskau setzte sich ja äußerst resolut gegen den westlichen Kurs in Osteuropa und im Nahen Osten ein“, heißt es im Kommentar.

    „Mit Trumps Wahlsieg kam der alte Verdacht jedoch wieder auf. Man dachte – na ja, nun werden sich die Russen mit den Amerikanern auf unsere Kosten verständigen. Für Russland wäre es wohl wirklich schmeichelhaft, in jene Welt der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts zurückzukehren, als Moskau und Washington in der Lage gewesen waren, alle Angelegenheiten von Weltbedeutung praktisch unter sich zu klären. Es wird jedoch nicht gelingen, die Zeit rückwärts laufen zu lassen. Russland ist keine Sowjetunion. Selbst die USA scheinen sich ihrer schweren Überanstrengung bewusst geworden zu sein und fangen nun an, auf die Idee einer globalen Dominanz zu verzichten“, schreibt der Experte weiter.

    Ein strammer Versuch, einen ‚Großdeal‘ mit den Vereinigten Staaten zu schließen, könne Russlands Ruf in den Augen der Partner „fatal untergraben“: „Das bedeutet allerdings nicht, dass man darauf verzichten sollte, Berührungspunkte oder Interessen zu suchen, die sich vereinbaren ließen oder für Tauschgeschäfte geeignet wären. Diese Suche ist eine notwendige Bedingung, um aus jener Sackgasse im russisch-amerikanischen Verhältnis herauszufinden, die Russlands internationale Möglichkeiten generell dämpft.“

    „Auch die Regel, wonach man nicht alle Eier in einen Korb legen soll, bleibt natürlich gültig. China, Indien, der Iran und weitere nichtwestliche Gesprächspartner Russlands sind auch selbst bestrebt, ihre Beziehungen möglichst zu diversifizieren, darunter auch durch die Festigung ihrer Kontakte mit den USA“, so der Kommentar.

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    Fjodor Lukjanow, Donald Trump, USA, Russland