05:00 25 November 2017
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    Putin-Abe-Treffen in Japan, 15.Dezember 2016

    Tokio will sich wegen Insel-Benennung nicht mit Moskau streiten – Experte

    © REUTERS/ Toru Hanai
    Politik
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    Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein japanischer Amtskollege Fumio Kishida sollen am Rande des kommenden G20-Gipfels in Bonn die russisch-japanische Zusammenarbeit erörtern. Die jüngsten Proteste Tokios gegen die Benennung von Kurilen-Inseln dürften die positive Tendenz in den Beziehungen zwischen den Ländern kaum beeinträchtigen.

    Im Dezember 2016 hatten der russische Präsident Wladimir Putin und der japanische Premier Shinzo Abe eine gemeinsame Wirtschaftstätigkeit auf den Kurilen-Inseln vereinbart. Dies sollte ein wichtiger Schritt zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens werden. Nun soll bei dem Treffen in Bonn und auch bei folgenden Verhandlungen die juristische Grundlage der Kooperation festgelegt werden.

    Unter anderem sollen Lawrow und Kishida laut der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ die US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump besprechen. Bislang scheint Trump eine mildere Position als sein Vorgänger Barack Obama zu haben. Obama war bekanntlich dagegen, dass Abe Moskau mit Angeboten zur Zusammenarbeit umwirbt und hatte dem Premier sogar von einer Russland-Reise abgeraten.

    Im Laufe der jüngsten Treffen mit dem US-Präsidenten soll Abe allerdings Trumps Unterstützung für seine Russland-Politik gesichert haben. „Trump versteht die Politik Japans, die darauf ausgerichtet ist, durch einen Dialog mit Putin den Territorialstreit zu lösen“, sagte Abe im japanischen Fernsehen.

    Trotzdem scheint der Territorialstreit noch längst nicht beigelegt zu sein. Darauf weisen auch die jüngsten japanischen Proteste gegen die Benennung von fünf namenlosen Kurilen-Inseln hin.

    In einem Gespräch mit der Zeitung kommentierte der Leiter des Zentrums für japanische Forschungen des russischen Fernost-Instituts, Valeri Kistanow, Tokios Reaktion auf die geplante Namensgebung. Der japanische Protest bedeute allerdings nicht, dass die Meinungsverschiedenheiten zu diesem Thema unüberwindbar seien.

    „Nein, das ist eher Formsache. Japan hat immer sehr empfindlich auf alles reagiert, was Russland im Zusammenhang mit diesen vier Inseln getan hat“, so der Experte.

    Das beste Beispiel dafür sei die Reise des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew im Jahr 2010 auf die Kurilen-Inseln. Dies habe zu einem Abbruch der russisch-japanischen Beziehungen geführt.

    Solche Proteste sind aus Sicht von Kistanow jedoch eine übliche Praxis. Japan wolle damit wieder einmal zeigen, dass es alle vier Inseln für sich beanspruche. Dies werde die positive Tendenz in den russisch-japanischen Beziehungen jedoch kaum beeinflussen.

    „Zurzeit findet eine Annäherung statt, zum Großteil dank den Bemühungen Abes. Die gemeinsame Erschließung der Inseln – das ist der Punkt, um den sich alles drehen wird.“ Ein solch kleiner Zwischenfall werde diesen Prozess kaum aufhalten können.

    Am vergangenen Freitag hatte Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew eine Anordnung unterzeichnet, der zufolge fünf bisher namenlose Kurilen-Inseln Namen bekommen sollen. Daraufhin schickte Tokio eine Protestnote an Russland. Der Kreml wies seinerseits auf Russlands souveränes Recht hin, die Inseln zu benennen, da diese Teil seines Territoriums seien. Dennoch wolle Moskau die positive Dynamik in den Beziehungen zu Tokio weiter aufrechterhalten.

     

     

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    Tags:
    Beziehungen, Benennung, Inselstreit, Donald Trump, Shinzo Abe, Wladimir Putin, Kurilen, Moskau, Tokio, Russland, Japan