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23:23 20 Oktober 2019
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    Michael Flynn

    Wie Flynn dem US-Machtkampf geopfert wurde – Politologe über Trumps Taktik

    © REUTERS / Carlos Barria
    Politik
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    Der nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Michael Flynn, hat sein Amt nicht nur wegen seiner Kontakte nach Russland verlassen müssen, sondern auch, weil Donald Trump die Erwartungen des amerikanischen Establishments erfüllen will, wie Wassili Koltaschow vom Institut für Globalisierung und soziale Bewegungen meint.

    Trump muss nach Kompromissen suchen, wie der Experte im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin erläutert. „Der US-Präsident ist sich dessen bewusst, dass die wirtschaftliche und finanzielle Lage nicht so schlecht ist, dass ihm die wirkliche Verwaltung des Landes verweigert würde. Darum muss er sich eine hinlängliche Unterstützung im Kongress sichern. Solange ihm diese Unterstützung fehlt, ist er gezwungen zu taktieren. Flynns Rücktritt ist ein Zeichen dafür.“

    Trump wolle niemanden von denjenigen reizen, die er gerade zu beruhigen sucht, fährt Koltaschow fort: „Es versteht sich, dass Flynns Kontakte zum russischen Botschafter vielen missfallen haben. Trump hätte es aber ignorieren können und sagen, er sei ja kein Obama und gebe seine Leute nicht preis. In der aktuellen Situation aber hat er beschlossen, so zu tun, als würde er den außenpolitischen Kurs der Obama-Administration weiterfahren.“

    Trump könne sich bislang großzügige Gesten der Freundschaft gegenüber Moskau und den Aufbau einer realen Zusammenarbeit nicht leisten, so der Politologe. „Leisten kann er sich nur, ein Feilschen zum Schutz der amerikanischen Position in Eurasien zu imitieren“, sagt Koltaschow. „Es kommt darauf an, die Hunde im Kongress daran zu hindern, sich an seinem Fell festzubeißen unter einem Vorwand, der für ihn nachteilig wäre.“

    Der US-Präsident befinde sich in einer schwierigen Lage. Zwar habe er die Präsidentschaftswahl gewonnen, dies bedeute aber nicht, dass er im Machtkampf schon gesiegt hätte. „Er hat nur eine überragende Höhe erobert und muss dem Kongress erst noch manche Stellung abgewinnen. Das Wichtigste ist für ihn jetzt, auf keine Mine zu treten und nicht in die Luft zu fliegen“, erklärt der Experte.

    In diesem Zusammenhang sei das erste Gespräch des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem amerikanischen Amtskollegen Rex Tillerson in Bonn sehr wichtig gewesen, obwohl es kaum einen Wandel in den Beziehungen zwischen den Ländern bewirken werde.

    „Trump führt einen Dialog mit Moskau auf Grundlage des Handels. Er feilscht. Daher taucht die Krim auf, obwohl doch klar ist, dass Russland sie nicht zurückgeben wird“, so Koltaschow. „Trump aber gibt seinen Gegnern und denjenigen, von denen diese große antirussische Welle ausgelöst wurde, zu verstehen, dass er nicht etwa die amerikanischen Positionen aufgibt, sondern feilscht. Aber auch Russland zeigt sich als ernstzunehmende politische Kraft, zeigt, dass man es nicht behandeln darf, wie es Obama einst tat, sondern seine Interessen berücksichtigen und bedenken muss, dass es fähig ist, entschlossen, angemessen und, was die Hauptsache ist, selbständig zu agieren.“

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    Tags:
    Rex Tillerson, Donald Trump, Michael Flynn, Russland, USA