12:55 24 Juni 2019
SNA Radio
    Paris

    „Kreml-Hackern“ auf der Spur: Aufregung in Paris

    © AFP 2019 / Joel Saget
    Politik
    Zum Kurzlink
    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
    298112

    Das Lager des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron spricht von Cyber-Angriffen auf seine Server und wittert dahinter russische Hacker. Politiker in Paris kritisieren auch russische Medien, die angeblich den französischen Wahlkampf beeinflussen wollen. Die russische Zeitschrift „Expert“ analysiert die Situation.

    Wie die Zeitschrift in ihrer Onlineausgabe berichtet, hat das Team von Macron einen mutmaßlich russischen Hacker-Angriff auf die Webseite der Partei „En Marche!“ am 14. Februar beklagt. Russische Hacker sollen auch zuvor – zunächst im November, dann im Januar – die Server attackiert haben.

    Die „Expert“ schreibt: „Die französischen Behörden kündigten bereits an, die russische Informations-Bedrohung in vollem Ernst behandeln zu wollen. Nach Informationen der Zeitung ‚Le Figaro‘ soll das Thema der Kreml-Hacker bei den nächsten Tagungen des Rats für Verteidigung und nationale Sicherheit sowie im Élysée-Palast besprochen werden.“

    Die Zeitschrift berichtet weiter: „Die russische Spur in der Wahlkampagne von Macrons Konkurrent François Fillon sieht noch verschwommener aus. Eine Analyse von Blog-Beiträgen ermöglichte Fillons Gegnern die Vermutung, dass er leere Twitter-Accounts genutzt habe, um eine zahlenmäßige Stärke seiner Anhänger vorzutäuschen. Diese schlichte Technik soll der Präsidentschaftskandidat vom Kreml gelernt haben. Einer weiteren Vermutung zufolge soll Moskau die Fake-Accounts genutzt haben, ohne Fillon darüber informiert zu haben.“

    Emmanuel Macron
    © REUTERS / Eric Gaillard
    Emmanuel Macron

    „Die Vorwürfe, wonach Russland angeblich versuche, sich in die inneren Angelegenheiten des im Wahlkampf begriffenen Frankreichs einzumischen, beschränken sich nicht auf den Verdacht des Computer-Rowdytums“, stellt die russische Zeitschrift fest.

    Sie erläutert: „Viele im politischen Establishment von Paris empören sich über die französischsprachige Berichterstattung russischer Medien wie Russia Today und Sputnik. Diesen Medien wird vorgeworfen, nur jene Kandidaten zu unterstützen, die sich beifällig über Russland äußern, und zwar François Fillon und Marine Le Pen, Chefin der Front National. Dies wird als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Frankreichs gedeutet.“

    Die „Expert“ schreibt, dass diese Interpretation „nicht unbedingt völlig gerechtfertigt“ sei, denn die russischen Medien seien beim besten Willen nicht fähig, diesen Politikern dabei zu helfen, eine Unterstützung seitens der Mitte oder der Linken zu gewinnen.

    MdB Hunko: Rummel um „russische Cyber-Angriffe“ dient politischer Stimmungsmache

    Französische Medien seien dabei Macron mehr als anderen Kandidaten wohlgesinnt. Sie hätten die Chancen seines Hauptrivalen Fillon deutlich reduziert. Fillons Zustimmungswerte seien zurückgegangen, nachdem die Zeitung „Le Canard enchaîné“ einen Artikel über die fiktive Beschäftigung seiner Ehefrau veröffentlicht hatte, so der Kommentar.

    Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, hatte in der laufenden Woche im Hinblick auf die von Macrons Team erhobenen Vorwürfe der Cyber-Angriffe gesagt: „Es kann von keiner Verwicklung Moskaus in diese Attacken die Rede sein – egal, ob sie wirklich stattgefunden hatten oder nicht. Jegliche Vorwürfe der möglichen Verwicklung gegen Moskau sind absurd (…) Wir hatten und haben nicht vor, uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, erst recht in Wahlvorgänge.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)

    Zum Thema:

    Kreml zu Angst Berlins vor "russischen Cyberattacken": Gleiches kommt in Russland vor
    Russlands Außenamt reagiert auf Vorwürfe Berlins wegen Wahleinmischung
    Der Cyber-Russe ist unterwegs - Die Antwort kann nur die Atom-Bombe sein
    Frankreich bringt Russland und Westen wieder näher
    Tags:
    Hacker, Emmanuel Macron, Russland, Frankreich