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23:05 22 Oktober 2019
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    Türkische Streitkräfte

    Experte nennt Risiken bei Befreiung von Rakka

    © AFP 2019 / Bulent Kilic
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    Der Sicherheitsexperte Metin Gürcan hat in einem Interview mit Sputnik die eventuelle Entwicklung des türkischen Militäreinsatzes in Syrien nach der Befreiung von Al Bab, darunter auch die anstehende Rückeroberung von Rakka, bewertet.

    Laut Gürcan werden sich die Ereignisse im Norden Syriens Anfang März „wesentlich beschleunigen". Dies sei darauf zurückzuführen, dass US-Präsident Trump sein Verteidigungsministerium angewiesen habe, bis zum 28. Februar einen „Plan A" sowie einen „Plan B" für weitere Aktivitäten in Syrien vorzulegen. In den ersten zwei März-Wochen sei also mit einer „Aktivierung" von Seiten der US-Führung in dieser Frage zu rechnen.

    Was den anstehenden Militäreinsatz zur Rückeroberung von Rakka anbetreffe, bestehe dort ein dringender Bedarf an Panzertruppen, mechanisierten Fahrzeugen, Munition und Granatwerfern, betonte Gyrcan: „Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) haben diese nicht. Sie haben einfache Panzerfahrzeuge."

    Gerade deshalb seien Vergleiche der anstehenden Befreiung von Rakka mit den Ereignissen in Kobane unangebracht, so Gürcan. In Kobane hätten die Volksverteidigungseinheiten Verteidigungspositionen, und die Front von Kobane sei nicht groß gewesen. Die Bevölkerung von Rakka sei aber zehnmal größer als die von Kobane, wobei die Stadt Rakka als solche zwanzig- bis fünfundzwanzigmal größer sei.

    „Jetzt greifen die Volksverteidigungseinheiten an der vordersten Frontlinie an. Unter diesen Bedingungen kann der ‚Islamische Staat‘ die wenigen leichten gepanzerten Fahrzeuge, die an die Volksverteidigungseinheiten übergeben worden waren, in drei Tagen vernichten und die Angriffslinie brechen", sagte Gürkan.

    Der Sicherheitsexperte nimmt an, dass die Militäroperation in Rakka sich verzögern kann:

    „Bei den Gesprächen mit den USA drängt die Türkei darauf, die Volksverteidigungseinheiten von der Militäroperation auszuschließen und die arabischen Kräfte der Freien Syrischen Armee zur Verfügung zu bekommen". Ankara wolle sich bei der Umsetzung dieser Operation auf die Kräfte der Freien Syrischen Armee stützen, die USA aber wollten bislang nicht darauf eingehen, da sie ernsthafte Besorgnisse in Bezug auf die Kampffähigkeit und Zuverlässigkeit der FSA hätten.

    Außerdem gebe es einen Mangel an Infanterie, so Gürcan. Dieser könnte entweder durch die Entsendung von türkischen Sondereinsatzbataillonen nach Rakka, die ein bis dreieinhalb Jahre in Anspruch nehmen könnte, oder durch die Verlegung von Peschmerga-Einheiten vom Norden Iraks unter Nutzung von Verkehrssystemen beseitigt werden.

    Die Türkei wolle in Syrien einen Maximum-Effekt bei minimalen Verlusten erreichen, und diese Strategie erfordere das Gleichgewicht zwischen den beiden größeren Akteuren in Syrien, Russland und den USA, die einander auf dem Boden entgegenstünden: „Von Bedeutung ist, mit welchen Akteuren im Norden Syriens und wie Ankara weiter zusammenwirken wird, wie es seine Beziehungen mit den syrischen Kurden, mit der Partei der demokratischen Union aufbauen wird und wie sich der ‚Schutzschild Euphrat‘ entwickeln wird."

    Gürcan verwies auch auf zwei verschiedene Zugangsmöglichkeiten, die die Türkei und die USA bei der Einleitung der Befreiung von Rakka vorschlagen. Der türkische Vorschlag sehe eine Offensive von Tall Abyad aus vor: östlich vom Euphrat über Kobane nach Rakka. Dabei soll eine 30 Kilometer lange logistische Route verlegt werden und Kobane werde de facto unter Kontrolle der Türkei gebracht werden, was die USA nicht wollten. Allerdings erfordere eine vernünftige Vorgehensweise eben diesen Weg, obwohl die USA eine Route von Al Bab aus in Aussicht stellten. Diese Route sei auch in Hinsicht des Geländes schwierig.

    „Die Türkei versucht hier bei minimalen Kosten einen maximalen Gewinn zu bekommen, ich möchte aber betonen, dass diese Strategie bedeutende Risiken in sich birgt", warnte der Experte.

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    Tags:
    Befreiung, Schutzschild Euphrat, Kurdenpartei PYD, Freie Syrische Armee (FSA), Peschmerga, syrisch-kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG), Russland, USA, Rakka, Syrien, Türkei