20:26 19 Oktober 2017
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    Frauen in der israelischen Armee

    Israels Vorstoß zu Nahost-„Nato“ gegen Iran: „Saudi-Arabien in heikle Lage gebracht“

    © REUTERS/ Amir Cohen
    Politik
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    Nachdem Israel dem saudischen Königreich und weiteren sunnitischen Golfstaaten eine Allianz gegen den Iran vorgeschlagen hat, klären russische Orientalisten über mögliche Konsequenzen für den Nahen Osten und für Russland auf.

    Der russische Iran-Experte Tofik Abbassow sagte der Onlinezeitung vz.ru: „Es gab Berichte über Gespräche hinter verschlossenen Türen zwischen den Geheimdiensten von Israel und Golfstaaten, doch die Politik im Nahen Osten ist generell ein Knäuel von Widersprüchen.“

    Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte kürzlich der „Welt“ gesagt: „Es ist Zeit, öffentlich ein formelles Bündnis zu bilden – eine Koalition aller gemäßigten Kräfte im Nahen Osten gegen den Terror.“

    Die gemäßigten sunnitischen Staaten hätten verstanden, dass „die größte Gefahr für sie nicht Israel ist, oder der Zionismus oder die Juden, sondern der Iran“, so Lieberman. Er betonte: „Wenn es eine echte Koalition gibt, dann haben Sie auch echte Verpflichtungen. Sehen Sie sich die Nato an. Sie beruht auf dem Prinzip, dass jedes Land bereit ist, alle anderen zu schützen, und von allen anderen beschützt wird.“ Zu möglichen Koalitionspartnern zählte er insbesondere Saudi-Arabien.

    Abbassow sah ebenfalls gewisse Argumente für eine solche Allianz: „Die Golfstaaten haben immer mehr Angst vor dem Iran. Die Iraner sind zwar weniger reich und nicht so effizient bewaffnet, verfügen aber über eine kampffähigere Armee sowie über mehr Manöverfähigkeit auf dem diplomatischen Feld.“

    Die Idee einer Allianz ist allerdings laut Abbassow noch nicht ausgegoren. Aus seiner Sicht wäre eine bilaterale Allianz zwischen Saudi-Arabien und Israel effizienter; sollte sie aus mehr Mitgliedern bestehen, wird sie die inneren Widersprüche von Nahost-Eliten kaum verkraften. 

    Der russische Orientalist Konstantin Dudarew kommentierte für vz.ru: „Durch diesen Vorschlag Israels wurde Saudi-Arabien in eine heikle Lage gebracht“. Obwohl Israel und Saudi-Arabien einen gemeinsamen Feind haben (den Iran also), liegen sie laut Dudarew auch miteinander nach wie vor in Fehde und „stehen in gewissem Sinne im Krieg“.

    „Eine Allianz zwischen Saudi-Arabien und Israel würde in der arabischen Welt auf ein äußerst negatives Echo stoßen. Es wäre besser gewesen, wenn der Vorschlag von den USA ausgegangen wäre. In letzter Zeit tauchen immer öfter Berichte auf, wonach Saudi-Arabien geheime Kontakte zu Israel in Sachen Iran unterhalten haben soll. Doch in dieser Situation wird Saudi-Arabien kaum eine offene Allianz mit Israel eingehen, um seine Führungsrolle in der arabischen und überhaupt in der muslimischen Welt nicht einzubüßen“, so Dudarew.

    Was würde eine Allianz zwischen Israel und Saudi-Arabien für Moskau bedeuten? Abbassow erläuterte: „Für Russland ist der Iran ein realer und aussichtsreicher Wirtschaftspartner. Aber auch eine Freundschaft mit dem jüdischen Staat ist für Moskau nicht weniger wichtig. Darüber hinaus versucht nun auch Saudi-Arabien, mit dem Kreml zu liebäugeln.“ Falls eine solche Allianz wirklich zustande kommt, sollte Russland nach Ansicht des Experten zu allen diplomatischen Instrumenten greifen, um einen bewaffneten Konflikt zwischen ihr und dem Iran zu verhindern.

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    Tags:
    NATO, Tofik Abbassow, Avigdor Lieberman, Russland, Saudi-Arabien, Israel, Iran
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