15:06 04 April 2020
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    Das neue Buch von Melanie Amann „Angst für Deutschland“ ist das bis dato umfangreichste Werk über die Alternative für Deutschland. Bei der Buchpräsentation war auch Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) zugegen. Einig war man sich, dass die AfD vor allem mit Ängsten Stimmen holt.

    „Sie führen den Leser in einer Mischung aus Insiderwissen über die AfD und klugen Gedanken über die politischen Fragestellungen, die dem Allen zugrunde liegen, auch ein Stück durch die Geschichte der Bundesregierung und der Bundesrepublik Deutschland“, so lobt Altmaier die Autorin und ihr Buch. Tatsächlich begleitet die Journalistin Dr. Amann die AfD seit vier Jahren für den „Spiegel“. Und sie gesteht auf der ersten Seite des Buchs:

    „Man kann sagen, dass ich in bald vier Jahren als AfD-Berichterstatterin mehrmals versagt habe. Immer wieder habe ich Entwicklungen der Partei falsch eingeschätzt, immer wieder musste ich meine Erwartungen korrigieren.“

    Dieses Buch soll also nun diese Fehleinschätzungen korrigieren und verlässlichere Prognosen für die Bundestagswahl abgeben. Ein Einzug der AfD in den Bundestag im September scheint sicher. Eine Koalition mit der AfD schließt Altmaier aber strikt aus.

    „Angst für Deutschland“
    © Foto : Melanie Amann
    „Angst für Deutschland“

    „AfD-Helferin Merkel“

    Die Bundeskanzlerin Angela Merkel erscheint in dem Buch im Abschnitt unter unfreiwilligen Helfern. Amann behauptet da:

    „Wie niemand sonst hat aber Angela Merkel der AfD geholfen – obwohl sie den Namen der Partei erst Ende 2016 überhaupt öffentlich in den Mund nimmt.“

    Hier versucht sich Altmaier, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, bei der Buchpräsentation um Schadensbegrenzung:

    "Viele sagen, wir hatten doch recht mit unseren Ängsten gegen den Euro. Da sieht man doch, was in Griechenland, Spanien und Portugal schief gelaufen ist. Dann argumentieren wir als verantwortliche Politiker und sagen, ja, wir sehen die Probleme, aber wir glauben, dass diese Probleme beherrschbar sind und deshalb arbeiten wir dafür und deshalb haben wir den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) und all die anderen Rettungsinstrumente geschaffen und wir bestehen auf Reformen in diesen Ländern, damit es sich nicht wiederholt. Die Vertreter von Parteien wie der AfD sagen wiederum, das glauben wir euch überhaupt nicht, das wird ein Fass ohne Boden. Derjenige, der rational argumentiert, ist dann erst einmal im Hintertreffen. Und trotzdem glaube ich, das es zu dieser rationalen Argumentation keine Alternative gibt."

    Worauf die Autorin erwidert, dass es ja nicht an Versuchen gemangelt habe, Probleme zu lösen. Was gefehlt habe sei, die Leute auf der richtigen Ebene anzusprechen. Sie erläutert:

    "Woran es gemangelt hat, war die Leute auf einer Ebene anzusprechen, die mit Problemlösung erst einmal nichts zu tun hat. Natürlich ist es beruhigend zu wissen, wir machen jetzt erst einmal Integrationskurse und alles Mögliche. Rationale Argumente, die gab es zu Hauf, aber die AfD spricht sie auf einer anderen Ebene an und muss gar keine Lösungen anbieten, sondern muss einfach sagen: Frau Merkel, wir wollen das nicht schaffen."

    Amanns Buch bietet eine Menge Details aus dem Innenleben der AfD. Insofern ist es eine spannende Lektüre für jeden, der sich aus dem einen oder anderen Grund mit der Partei beschäftigt.

    „Petry bald nicht mehr Parteichefin“

    Gegen Ende der Buchpräsentation wagt Melanie Amann nun doch eine weitere Prognose. Frauke Petry wird trotz all ihrer Vorzüge auf absehbare Zeit nicht mehr Parteichefin der AfD bleiben. Die Autorin behauptet:

    "Ich könnte natürlich ein weiteres Mal falsch liegen, aber ich bin mir sicher, dass wir gerade schon das Endspiel von Frau Petry erleben. Das ist eigentlich verrückt, weil sie eine enorm telegene Person ist. Sie ist eigentlich eine geborene Parteichefin, wenn man so will. Sie ist vorzeigbar, sie ist hochintelligent, super ausgebildet und denkt strategisch. Das Problem ist aber, dass sie und Pretzell in gewisser Weise in der Partei für nichts stehen. Sie können den Leuten keine Versprechen machen. Sie können sie nicht mitnehmen. Während jemand wie Höcke oder Gauland, der hat eine Botschaft und spricht die auch offen aus — und der hat deswegen auch eine Anhängerschaft."  

    Bolle Selke

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    Tags:
    Angst für Deutschland, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Melanie Amann, Deutschland