18:45 25 September 2018
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    Gian Micalessin

    Experte: Europa will wegen der Ukraine nicht „sterben“

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    Kein Frieden im Donbass (2017) (212)
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    Der Konflikt in der Ukraine eskaliert gerade jetzt, weil Präsident Petro Poroschenko die vor vier Jahren aufgekeimte Hoffnung auf ein erhöhtes Interesse des Westens zu seinem Land verloren hat. Das sagte der italienische Militärkorrespondent Gian Micalessin in einem Sputnik-Interview.

    „Vor vier Jahren hatten die USA mit (Präsident Barack) Obama an der Spitze beharrlich und mit Elan für die Interessen der Ukraine gekämpft. Nach dem Abgang der Obama-Administration schwanden auch Voraussetzungen für ernsthafte Wandlungen in der Ukraine“, fuhr der Reporter fort, der seit Jahren aus Krisengebieten in verschiedenen Teilen der Welt berichtet.

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    © AP Photo / Patrick Pleul / DPA
    Kiew bekomme die Unzufriedenheit eigener Bürger zu spüren und sei sich darüber im Klaren, dass seine Zeit allmählich ablaufe. Dennoch versuche die Ukraine, das Vertrauen westlicher Geldgeber wieder zu gewinnen. „Indes hat der Westen im Vorfeld der für April geplanten Wahlen in Frankreich andere Sorgen. Niemand im Westen ist jetzt also gewillt, wegen der Ukraine zu ‚sterben‘. Das haben sowohl Poroschenko als auch andere Ukrainer bereits begriffen“, sagte Micalessin.

    „Die Hauptursache für die fehlende Reaktion der EU auf die gegenwärtige Lage im Donbass besteht nach meiner Ansicht darin, dass Europa nicht in der Lage ist, als eine einheitliche Struktur zu handeln. Der EU mangelt es an der Fähigkeit, komplizierte politische Entscheidungen zu treffen, die eine beliebige ‚Großmacht‘ eigentlich hätte treffen können.“ Ein Musterbeispiel dafür sei die Reaktion der EU auf die Wirtschafts- und die Migrationskrise, die Brüssel unmittelbar getroffen habe.

    Poroschenkos Schicksal hängt nach Ansicht des Reporters davon ab, welche Politik die Administration des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Russland von Präsident Wladimir Putin sowie gegenüber der Ukraine und allen Konflikten auf deren Territorium betreiben werde. Höchstwahrscheinlich werde Poroschenko auch weiterhin in Unwissenheit bleiben, ob Länder, die ihm früher geholfen hatten, ihn Sitzen ließen, oder er auf die westliche Unterstützung doch noch hoffen könnte. „Ich denke nicht, dass die Trump-Administration bereit wäre, Poroschenko gleichermaßen wie unter Obama zu unterstützen“, betonte Micalessin.

     

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    Position, Konflikt, Gian Micalessin, Europa, Donbass, Ukraine