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08:54 19 September 2019
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

    „Entgleisung des Despoten vom Bosporus“: Deutsche Politiker wütend auf Erdogan

    © REUTERS / Umit Bektas
    Politik
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    Unglaublich, inakzeptabel, infam, unverschämt – so heftige Reaktionen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seiner jüngsten Entgleisung unter deutschen Politikern ausgelöst. Erdogan hatte Berlins Politik mit den Praktiken Nazi-Deutschlands verglichen.

    Unionsfraktionschef Volker Kauder wies die Äußerungen Erdogans „in aller Schärfe“ zurück. „Es ist ein unglaublicher und nicht akzeptabler Vorgang, dass der Präsident eines Nato-Mitglieds sich so über ein anderes Mitglied äußert – und vor allem einer, der mit dem Rechtsstaat erhebliche Probleme hat“, sagte Kauder in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“.

    Heftige Kritik gab es auch von der türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten der Linken, Sevim Dagdelen. Erdogans jüngsten Nazi-Vergleich bezeichnete sie als „ungeheure Verharmlosung des deutschen Faschismus“ und zugleich eine „Verhöhnung seiner Opfer“. Wenn hier etwas irgendwie an den frühen Faschismus erinnere, so seien es Erdogans Methode, Journalisten und Opposition auszuschalten, so Dagdelen in derselben Sendung.

    Der Grünen-Politiker Cem Özdemir führte Erdogans Ausfälle auf dessen Angst vor einer Niederlage bei der Volksabstimmung zur Verfassungsänderung am 16. April zurück, bei der der türkische Staatschef ein Präsidialsystem durchsetzen will.

    „Erdogan fürchtet sich offensichtlich vor dem Referendum. Die Schärfe der Angriffe, dieser Schaum vor dem Mund – das hat damit zu tun, dass sie Angst haben, dass sie das Referendum verlieren könnten“, sagt Özdemir in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Offenbar verfüge Erdogan über interne Zahlen, die nicht sehr gut aussähen für die regierende Partei AKP.

    Bundesjustizminister Heiko Maas nannte Erdogans Nazi-Vergleich in der ARD-Talkshow mit Anne Will seinerseits „abstrus, infam und abwegig“. Noch schärfer drückte sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gegenüber der „Passauer Neuen Presse" aus: „Das ist eine ungeheuerliche Entgleisung des Despoten vom Bosporus.“ Der Nazi-Vergleich sei ebenso unverschämt wie abwegig.

    CDU-Vize Julia Klöckner sagte gegenüber der „Bild"-Zeitung: „Herr Erdogan reagiert wie ein trotziges Kind, das seinen Kopf nicht durchsetzen kann." Der Nazi-Vergleich sei „ein neuer Höhepunkt der Maßlosigkeit. Er ist schlicht unverschämt.“

    Auch im Netz sorgte Erdogans Nazi-Vergleich für viel Aufsehen: Viele Nutzer machten mit sarkastischen Kommentaren ihrer Unmut die Luft.

    Am vergangenen Sonntag hatte Erdogan, verärgert über die abgesagten Wahlkampfauftritten türkischer Minister in zwei deutschen Städten, den deutschen Behörden Nazi-Methoden vorgeworden. „Eure Praktiken unterscheiden sich nicht von den früheren Nazi-Praktiken", sagte er während einer Rede in Istanbul. Er hätte gedacht, diese Zeit sei in Deutschland längst vorbei – „wir haben uns geirrt", fügte Erdogan hinzu. Deutschland habe nichts mit Demokratie zu tun.

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    Tags:
    Kritik, Vergleich, Nationalsozialismus (Nazismus), Andreas Scheuer, Volker Kauder, Heiko Maas, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Deutschland