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06:20 15 Oktober 2019
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    Marine Le Pen

    Gegner des russischen „Imperialismus“ als bequemer Widersacher für Le Pen

    © AFP 2019 / Jean-Philippe Ksiazek
    Politik
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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Der französische Sozialist Benoît Hamon geißelt die Politik des Kremls. Seine Ansichten zum Thema Migration machen ihn unterdessen vulnerabel für scharfe Kritik durch Marine Le Pen, falls die beiden es schaffen, in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl zu kommen. Die russische Zeitschrift „Expert“ analysiert die Aussichten.

    Die Zeitschrift schreibt in ihrer Onlineausgabe, der einstige Mitte-Rechts-Favorit François Fillon verliere an Popularität. Unterdessen sei ein Schulterschluss der Linken um Benoît Hamon zu beobachten, der für seine antirussischen Äußerungen bekannt sei.

    Der „Expert“ zitiert Hamon mit den Worten: „Es geht um einen aggressiven Imperialismus der Russen, der mit Härte beantwortet werden sollte und jedenfalls nicht mit Versöhnlichkeit.“

    „Die unerwartete antirussische Ausrichtung ist offenbar darauf zurückzuführen, dass sich Hamon auf die muslimischen Wähler stützen möchte, die die gemäßigten Islamisten in Syrien unterstützen und deshalb gegen Russland eingestellt sind“, vermutet die Zeitschrift.

    Sie konkretisiert: „Sozialist Hamon, der als Abgeordneter die überwiegend muslimische Stadt Trappes vertritt, erlaubte sich mehrere Eskapaden, die von ihrem Sinn her darauf zurückgehen, den muslimischen Wählern um jeden Preis beizustehen. Im Zuge des im Winter entbrannten Skandals um Saint-Denis' Kaffeehäuser (die Muslimen verweigerten Frauen den Eintritt) unterstützte Hamon das Recht auf eine geschlechtliche Segregation. Und bei einem Besuch in Brest sagte Hamon, unter den dortigen Einwohnern gebe es ‚zu viele Weiße‘. Nach Ansicht des Sozialisten sollten lokale Behörden die Migration fördern.“ 

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    „Der durch seine Skandal-Äußerungen bekannte Hamon wäre der beste Opponent, den die Chefin der Front National, Marine Le Pen, sich bei der Stichwahl wünschen könnte. Die Umfragen ergeben allerdings, dass der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron, dessen Programm auch von vielen Bossen der Sozialistischen Parteien inoffiziell unterstützt wird, mehr Chancen darauf hätte, in die entscheidende Runde zu kommen“, so der Kommentar.

    „Macron ist davon überzeugt, dass Moskau eine Wahlkampagne gegen ihn führt. Er sprach davon auch öffentlich. Sein eventueller Sieg verspricht also nichts Gutes für das russisch-französische Verhältnis“, schätzt der „Expert“.

    Obwohl der Wahlkampf noch läuft, wären einige Schlussfolgerungen nach Ansicht der Zeitschrift bereits möglich: „Erstens erlebte die öffentliche Meinung in Frankreich trotz der Terroranschläge in den Jahren 2015 und 2016 keinen Rechtsruck. Zweitens bräuchte Marine Le Pen, um bei der Stichwahl zu siegen, einen vulnerablen und allzu linken Widersacher. Für diese Rolle wäre nur der Befürworter einer uneingeschränkten Einwanderung, Benoît Hamon, geeignet.“

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    Tags:
    Marine Le Pen, Frankreich, Russland