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13:12 22 August 2019
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    Raketentest in Nordkorea

    Knoten wird enger: USA drohen mit Vernichtung nordkoreanischen Raketen-Testgeländes

    © AP Photo / KRT
    Politik
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    Nordkoreas jüngste Raketentests haben hohe Wellen in der Öffentlichkeit geschlagen, schreibt die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Doch seien einseitige Vorwürfe an Pjöngjang nur die halbe Wahrheit, sagen einige Experten. Man müsse auch die US-Politik auf der südkoreanischen Halbinsel betrachten.

    Nordkorea hat am Montag vier Raketen ins Japanische Meer abgefeuert. Die Geschosse sind 300 bis 350 Kilometer vor der japanischen Küste niedergegangen. Vermutlich handelt es sich dabei um Flugkörper neuer Bauart. Doch sei wenig wahrscheinlich, dass Interkontinentalraketen getestet wurden, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Generalstabs.

    Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un habe im vergangenen Januar durchblicken lassen, dass neue Waffentests geplant seien, schreibt die Zeitung. US-Präsident Donald Trump habe noch vor seiner Amtseinführung erklärt, die Vereinigten Staaten würden nicht zulassen, dass Pjöngjang eine Langstreckenrakete baue, die das amerikanische Kernland erreichen könnte. „Das wird nicht passieren“, twitterte Trump damals.

    Nordkorea hat seine Waffentestreihe im vergangenen Jahr intensiviert. Insgesamt sind 25 Raketenstarts und zwei Atomtests vorgenommen worden. Pjöngjang könnte einen nuklearen Mini-Sprengkopf bauen, mit dem auch Interkontinentalraketen ausgerüstet werden könnten, erklärte das US-Militär laut der Zeitung. Doch solche Versuche habe es bislang nicht gegeben.

    Nordkorea indes bringt seine jüngsten vier Tests mit den großen Militärmanövern in Zusammenhang, die die Vereinigten Staaten und Südkorea derzeit gemeinsam abhalten. Pjöngjang müsse Gegenmaßnahmen treffen, mahnte der nordkoreanische Generalstab.

    Die Luft wird dünner

    „Über die Raketenstarts in Nordkorea sind wir natürlich sehr besorgt“, sagte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten. Diese Handlungen führten zu größeren Spannungen in der Region. „In dieser Situation ruft Moskau traditionell alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Natürlich wird Russland Meinungen mit Ländern austauschen, die daran interessiert sind“, betonte er.

    „Den Frieden auf der koreanischen Halbinsel fördern die Raketenstarts selbstverständlich nicht“, sagte gegenüber der Zeitung der Fernost-Experte der Russischen Akademie der Wissenschaften, Konstantin Asmolow. Doch müsse man auch das Militärmanöver Südkoreas und der USA berücksichtigen, „wo ein Präventivschlag gegen Nordkorea geübt wird“, so der Analytiker. „Russland verurteilt zwar die nordkoreanischen Tests, weil sie nachteilig für uns sind. Zugleich verstehen wir sehr gut, dass Nordkorea nicht der Hauptantreiber ist“, betont der Wissenschaftler. Es sei klar, wer am stärksten für Destabilisierung sorge.

    Auf die Frage, ob in dieser Lage weitere Sanktionen gegen Nordkorea helfen würden, sagte Fernost-Experte Asmolow: „Erstens halten sich nicht alle dran. Zweitens findet Nordkorea Wege, sie zu umgehen. Drittens besteht das Ziel der Sanktionen offensichtlich darin, die Lage im Inneren Nordkoreas zu verschlechtern und einen Regimewechsel herbeizuführen.“

    Vieles hänge in dieser Frage von China ab: „Angesichts der Spannungen im Verhältnis zwischen China und den USA wird Peking sicherlich nicht nach Washingtons Pfeife tanzen und ein totales Embargo verhängen“, erklärte er. „Natürlich trifft China Maßnahmen, aber strikt im Rahmen der Resolution des UN-Sicherheitsrats. Wie auch Russland“, sagte Asmolow.

    In der Tat: Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte zum gemeinsamen Manöver Südkoreas und der USA, dass alle Seiten Zurückhaltung demonstrieren müssen, um die Spannungen nicht weiter anzuheizen.

    Doch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten setzen auf Stärke statt auf Verhandlungen, schreibt die Zeitung. Seoul hat bereits angekündigt, schnell das US-Raketenabwehrsystem THAAD auf südkoreanischem Territorium zu stationieren. Chinas Proteste würden dabei ignoriert. Japan plant das THAAD-System oder das seegestützte Pendant Aegis bei den USA zu erwerben.

    Unterdessen hätten Trumps Sicherheitsberater dem US-Präsidenten zwei Optionen vorgelegt: Entweder ein direkter Raketen-Angriff auf die nordkoreanische Testplattform oder die erneute Stationierung von US-Atomwaffen in Südkorea. Die US-amerikanischen Atomsprengköpfe wurden 1991 aus Südkorea abgezogen, nachdem Pjöngjang und Seoul ein Abkommen zur nuklearen Abrüstung der koreanischen Halbinsel unterzeichnet hatten.

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    Tags:
    Sanktionen, Luftabwehrsystem THAAD, Konstantin Asmolow, Donald Trump, Südkorea, China, USA, Russland, Nordkorea