16:43 31 März 2020
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    Die Reserven an superschwerem Wasserstoff Tritium gehen in den Vereinigten Staaten allmählich zur Neige. Das behaupten die Experten John Harvey und Franklin Miller vom Energie- und vom Verteidigungsministerium der USA in ihrem vom Magazin Defense News abgedruckten sensationellen Beitrag.

    Tritium ist ein in der Natur in Spuren vorkommendes Isotop des Wasserstoffs. Sein Atomkern besteht aus einem Proton und zwei Neutronen (3H). Tritium wird aufgrund seiner Masse auch als „überschwerer“ oder „superschwerer“ Wasserstoff bezeichnet. Seine industriemäßige Produktion ist extrem teuer.

    Tritium wird in thermonuklearen Anlagen verwendet, mit denen alle US-amerikanischen boden- und bordgestützten ballistischen Raketen ausgestattet sind. Das Isotop ist ein radioaktiver Betastrahler, es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 12,32 Jahren. Deshalb müssen die Atomsprengköpfe regelmäßig mit „frischem“ Tritium nachgefüllt werden. Ansonsten werden sie nicht mehr funktionsfähig.

    Die Autoren behaupten, dass es in den USA in nächster Zeit akut an Tritium mangelt und das Land seine Atomwaffen nicht in erforderlichem Zustand wird mehr halten können. Tritium in den USA wird derzeit ausschließlich in einem zivilen Leichtwasserreaktor vom Typ TVA im Bundesstaat Tennessee aufbereitet. Der Meiler wird mit abgereichertem Uran betrieben und versorgt unter anderem die gesamte Bevölkerung im Südosten des Landes mit Strom. Ein weiterer TVA-Reaktor wird möglicherweise erst im nächsten Jahrzehnt fertiggebaut.

    „Aber auch das wird das Problem nicht lösen helfen“, behauptet die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta". In ihrer Politik der Nichtweitergabe von Atomwaffen gehen die USA davon aus, dass die Produktion von waffenfähigem Spaltmaterial wie angereichertes Uran und Plutonium  von der zivilen Atomenergiewirtschaft unabhängig sein soll. Nach einem Kalkül der Ausgaben gelangten US-Experten 1998 aber zum Schluss, dass die Produktion von Tritium im TVA-Reaktor günstiger ist als in einem geplanten Objekt des Verteidigungsministeriums.

    2013 wurde klar, dass die USA bald so gut wie keine eigenen Kapazitäten zur Produktion von Kernbrennstoff für Reaktoren mehr haben werden: Damals wurde der einzige „vorsintflutliche“ Reaktor im Bundesstaat Kentucky gedrosselt. Im gleichen Jahr stellte die Regierung die Finanzierung einer Privatfirma ein, die eine Zentrifuge zur Urananreicherung im Bundesstaat Ohio bauen wollte.

    Berechnungen zufolge werden die eigenen Reserven an abgereichertem Uran etwa 2030 ausgeschöpft sein. Wenn sich die Lage nicht ändert, werden sich die Behörden gezwungen sehen, hochangereichertes Uran von den Fliegerkräfte und der Marine zu fordern, das eigentlich für nukleare Sprengladungen und für Reaktoren kernkraftgetriebener Schiffe bestimmt ist.

    Nach Angaben des US-Energieministeriums wurden seit 1955 im Land rund 225 Kilogramm Tritium hergestellt. Derzeit stehen den Militärs und den Forschern im Bereich der thermonuklearen Energie höchstens 75 Kilogramm zur Verfügung. Harvey und Miller sind der Ansicht, dass neue Aufbereitungsreaktoren nottun und abgereichertes Uran im Ausland gekauft werden müsste. Aber die Umsetzung solcher Pläne ist derzeit unter Berücksichtigung zahlreicher sozialer, ökonomischer und militärpolitischer Probleme kaum denkbar.

    US-Kampfjets F-22
    © REUTERS / Master Sgt. Kevin J. Gruenwald

    Den von den Autoren angeführten Einschätzungen des US-Energieministeriums zufolge werden Milliarden und Abermilliarden erforderlich sein, um die amerikanische atomare Rüstungssphäre zu retten. „Allem Anschein nach macht das einen beachtlichen Anteil an jenen 54 Milliarden Dollar aus, um die die Administration von Präsident Donald Trump das Militärbudget im laufenden Finanzjahr erhöhen will“, hieß es.

     

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    Tags:
    Mangel, Tritium, Atomwaffen, Franklin Miller, John Harvey, USA