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    Proteste in Istanbul (Archivbild)

    UN wirft Türkei massive Menschenrechtsverletzungen vor

    © AP Photo / Thanassis Stavrakis
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    Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNCHR) hat einen Bericht über Menschenrechtsverletzungen in der Türkei veröffentlicht, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet. Daraus geht hervor, dass im Südosten des Landes in anderthalb Jahren 2.000 Menschen getötet wurden. Ankara ermittelt zu diesen Verbrechen nicht.

    Wie die Agentur berichtet, wurden im Südosten der Türkei laut dem Bericht von Juli 2015 bis Dezember 2016 rund 2.000 Menschen getötet, ihre Häuser wurden zerstört.

    Allein Anfang letzten Jahres seien im türkischen Cizre 189 Menschen wochenlang in den Kellern ihrer Häuser eingesperrt gewesen, ohne Zugang zu Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Sie alle seien infolge von türkischem Artilleriebeschuss ums Leben gekommen, heißt es.

    Die Türkei nehme keine Ermittlungen diesbezüglich auf, erklärte der Hohe Kommissar, Seid al-Hussein, laut der Agentur. Offenbar sei „kein einziger Verdächtiger festgenommen, kein Mensch strafrechtlich verfolgt“ worden, sagte er.

    Im Juli letzten Jahres wurde berichtet, dass die türkische Führung eine Ausgangssperre in der Provinz Diyarbakır verhängt hatte. Die meisten Einwohner der Region sind Kurden. Begründet wurde die Maßnahme mit der Anti-Terror-Operation gegen die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans.

    Im Zuge dieser Operation sind seit Juli 2015 mehr als 300 Zivilisten gestorben, wie der russische OSZE-Botschafter Alexander Lukaschewitsch im April dieses Jahres unter Berufung auf die türkische Menschenrechtsorganisation „Human Rights Foundation of Turkey“ erklärte.

    Der bewaffnete Konflikt zwischen Ankara und den türkischen Kurden, die sich für eine Autonomie innerhalb der Türkei einsetzen, ist nach einem Terroranschlag im südtürkischen Suruç im Sommer 2015 eskaliert. Bei dem Anschlag starben 32 Menschen, größtenteils Kurden. Die Arbeiterpartei Kurdistans beschuldigte die Regierung in Ankara, Islamisten zu unterstützen, und nahm den Kampf gegen die türkischen Sicherheitskräfte wieder auf.

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    Tags:
    UNCHR, Kurdenpartei PYD, OSZE, Alexander Lukaschewitsch, Türkei