16:26 17 Februar 2020
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    Die kürzlich gestartete Stationierung von US-Raketenabwehrsystemen THAAD in Südkorea bereitet dem chinesischen Militär Kopfschmerzen und verursacht neue Spannungen in der Region. Darauf weisen Experten hin, die von der russischen Zeitschrift „Profil“ befragt wurden.

    Alexander Woronzow, Leiter der Korea-Abteilung am Orientalistik-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW), sagte der Zeitschrift: „Die südkoreanische und die US-Regierung haben auf einen produktiven Dialog mit Pjöngjang verzichtet. Obwohl Präsidentin Park Geun-hye friedliebende Reden hielt, blieb all dies nur Worte.“

    „Die jüngsten Teststarts nordkoreanischer Raketen waren eine Reaktion auf die groß angelegten amerikanisch-südkoreanischen Militärübungen mit bis zu 300.000 beteiligten Soldaten. Übungen von diesem Ausmaß werden von Seoul und Washington alle sechs Monate abgehalten. Voriges Mal hatten sie im August stattgefunden. Dabei nehmen Spannungen traditionell zu“, so Woronzow.

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    Obwohl ein südkoreanischer Militärsprecher betonte, dass das THAAD-Programm lediglich gegen Nordkorea gerichtet sei und gegen keine Drittländer zum Einsatz komme, zeigt sich China besorgt. Wassilij Kaschin, Experte des Fernost-Instituts der RAW, erläuterte für die Zeitschrift: „Die amerikanischen THAAD-Systeme sind dafür geeignet, Mittel- und Kurzstreckenraketen abzufangen. In China machen eben Mittelstreckenraketen einen wesentlichen Teil des Raketen-Potenzials aus.“

    Die THAAD-Systeme sollen laut Kaschin in einer relativ geringen Entfernung von einem Raketenstandort im Nordosten Chinas stationiert werden: „Zwar haben die THAAD-Abfangraketen eine Reichweite von nur 200 Kilometern und sind damit nicht in der Lage, chinesische Raketen effizient abzuschießen. Doch die THAAD-Radare mit ihrer Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern könnten Daten an andere US-Militäranlagen weiterleiten – beispielsweise an Schiffsverbände. Damit wäre THAAD eine ernsthafte Bedrohung für die chinesischen Streitkräfte.“ 

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    Laut Woronzow setzt China nun Südkorea wirtschaftlich unter Druck: „Obwohl keine Sanktionen offiziell verkündet wurden, werden zahlreiche südkoreanische Geschäftsleute in China mit ernsthaften Schwierigkeiten konfrontiert. Die Zahl verschiedener Inspektionen und Prüfungen nahm drastisch zu, die Zahl der Touristen aus China ging zurück.“

    Kaschin stimmt zu: „Korea befindet sich zwischen zwei Kolossen. Das Land ist militärpolitisch von den USA und wirtschaftlich von China abhängig.“ Die Entscheidung, die THAAD-Systeme aufzunehmen, hat die Regierung in Seoul nach Ansicht von Kaschin unter Druck der USA getroffen: „Die Amerikaner setzten alles daran, den Beschluss durchzusetzen, und dies zeigte Wirkung. Nun ist es praktisch unrealistisch, die THAAD-Systeme aus Südkorea abzuziehen, denn das würde einen Skandal in den Beziehungen mit den USA verursachen, zu dem niemand in Südkorea bereit wäre.“

    Nun erwartet Kaschin zunehmende Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten: „China könnte mit einer zusätzlichen Stationierung eigener Systeme an der Grenze beginnen. Das wäre dann ein weiterer Spannungs-Faktor.“

    Russland wird nach Auffassung von Kaschin durch die THAAD-Aufstellung in Südkorea kaum unmittelbar militärisch gefährdet: „THAAD soll ja Mittelstreckenraketen abwehren, die wir gemäß dem INF-Vertrag nicht bauen. Unsere Langstreckenraketen sind tausend Kilometer entfernt stationiert, ihr nächster Standort befindet sich auf der Halbinsel Kamtschatka. Das strategische Potenzial dieses Standorts wird durch THAAD keineswegs beeinträchtigt.“

    Trotzdem hatte das russische Außenministerium kurz zuvor in einer Erklärung die THAAD-Aufstellung in Südkorea kritisiert und betont, diese könne die internationale und die regionale strategische Stabilität sehr negativ beeinflussen: „Im Asien-Pazifik-Raum, wo die Situation im Sicherheitsbereich ohnehin nicht einfach ist, entsteht nun ein neuer destruktiver Faktor, der fähig wäre, die Regelung des nuklearen Problems sowie weiterer Probleme der Koreanischen Halbinsel zusätzlich zu verkomplizieren und ein neues Wettrüsten, darunter auch in Sachen Raketen, zu provozieren.“

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    Tags:
    Luftabwehrsystem THAAD, Alexander Woronzow, USA, Russland, Südkorea