15:35 10 April 2020
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    Der niederländische Premier Mark Rutte hat die Wahl in den Niederlanden mit Vorsprung gewonnen. Sputnik zeigt, wie die führenden deutschen Medien die Wahlergebnisse interpretieren.

    "Die Welt" hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die Zeitung die Niederlande als erste Nation bezeichnen, die seit dem Brexit und dem Trump-Triumph den unaufhaltsam erscheinenden Durchmarsch des Rechtspopulismus in der westlichen Welt gestoppt haben. Einer der Menschen, der Rutte bei dem Sieg geholfen habe, sei Erdogan.

    „Wie ein Geschenk des Himmels kam der heftige Streit mit der Türkei hinzu, in dem Rutte entschlossen und staatsmännisch agierte. So gewann er offenbar die Stimmen vieler besorgter Bürger“, so die Zeitung.

    Spiegel Online bezeichnet das Wahlergebnis als „Sieg der Vernunft“ und stimmt mit den Kollegen der „Welt“ überein. Je unflätiger „der Despot aus Ankara“ die Niederlande beschimpft habe, desto mehr hätten sich die Niederländer hinter ihrem Premier versammelt. Außerdem boome die Wirtschaft im Land nach langer Krise wieder. Die kleinen Niederlande mit 17 Millionen Einwohnern exportieren demnach mehr Güter in die Welt als Großbritannien oder Italien. Was Deutschland bei dem Wahlsieg angeht, so kann sich Spiegel Online zufolge Angela Merkel freuen. Rutte sei nämlich in vielen Fragen einer ihrer wichtigsten Verbündeten in der EU.

    Zeit Online hat mit dem Artikel „Europa lebt!“ wohl einen Euphorie-Anfall gekriegt. Wieso die Zeitung mit Ruttes Niederlage an den Tod eines Subkontinentes, der sich über ein Fünftel der eurasischen Landmasse erstreckt, geglaubt hat, wird wohl später geklärt. Durch Europa soll demnach die Schreckensgeschichte gegeistert haben, dass die EU am Ende sei. Die Wahl beweise aber, dass die Demokratie lebe und selten lebendiger gewesen sei. Wenn die Welt auseinanderfalle und, in Gruppen gespalten, Rassismus und Hass verbreitet werden, tue man etwas dagegen. Dann erhebe man nämlich seine demokratische Stimme bei der Wahl, so Zeit Online.

    Alle warten nun, wie sich die Lage weiter entwickeln wird. „Die Welt“ zitiert Ruttes Worte, der den niederländischen Urnengang als „Viertelfinale“ gegen den Populismus bezeichnet hat. Nämlich vor den „Halbfinals“ in Frankreich im April und Mai und dem Finale im Herbst – und zwar mit der Bundestagswahl in Deutschland, heißt es. Spiegel Online meint, Marine Le Pen habe immer noch reale Chancen, französische Präsidentin zu werden, aber das Ergebnis von Den Haag sei schon ein Rückschlag für sie. Schon die Wahl in Österreich hat dem Medium zufolge gezeigt, dass es keinen europäischen Dominoeffekt gebe.

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    Tags:
    Populismus, Wahl, Demokratie, EU, Mark Rutte, Recep Tayyip Erdogan, Marine Le Pen, Angela Merkel, Den Haag, Ankara, Niederlande, Türkei, Großbritannien, Frankreich