13:16 18 Oktober 2017
SNA Radio
    Die erste TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten am Montag

    Zwei Themen bestimmen französische Wahlkampf-Debatten

    © REUTERS/ POOL
    Politik
    Zum Kurzlink
    2683251

    Die erste TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten am Montag hat ist von sarkastischen Kommentaren, Unterstellungen und offenen Anschuldigungen bestimmt worden. Besonders hart wurde der Schlagabtausch bei den Themen Islam und Wirtschaft, wie die „Financial Times“ (FT) berichtet.

    Bei der Debatte ging es den Präsidentschaftskandidaten demnach offenbar vor allem darum, die zwei Favoriten zu destabilisieren: die Chefin des Front National, Marine Le Pen, und den ehemaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron.

    Erster Schlagabtausch

    Nach einem verhältnismäßig ruhigen Anfang ging die Debatte dem Blatt zufolge bald schon in die heiße Phase, als das Thema Migration angesprochen wurde.

    „Ich will legale und illegale Migration stoppen“, sagte Le Pen. „Wir haben den Migranten nichts zu bieten, es tut mir leid, das zu sagen.“ Man müsse den Migranten klarmachen, dass sie sich keine Hoffnungen auf Sozialleistungen in Frankreich machen sollten.

    Marine Le Pen
    © REUTERS/ Christian Hartmann
    Dann sei Le Pen auf ihren Rivalen Macron losgegangen: „Anders als Herr Macron setze ich mich nicht für Burkinis ein“, sagte sie sarkastisch. Vor wenigen Jahren habe man an französischen Stränden keine verhüllten Frauen angetroffen, betonte Le Pen. Nun sei das Land schon von Islamisierung bedroht.

    Macron warf der Politikerin seinerseits Provokationsversuch vor und warnte sie davor, das französische Volk zu spalten: „Sie tappen in die Falle der Terroristen“ wandte er sich an Le Pen.

    Zweites Wortgefecht

    Als die Kandidaten zum Thema Wirtschaft wechselten, fand sich Macron laut der Deutschen Welle (DW) plötzlich in einem Kreuzfeuer der Kritik wieder. Fillon hielt dem ehemaligen Wirtschaftsminister vor, seinerzeit die 35-stündige Arbeitswoche nicht abgeschafft zu haben.

    Frankreichs Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron
    © REUTERS/ Ruben Sprich
    Le Pen wetterte wiederum, die anderen Kandidaten würden sich für Interessen großer Konzerne statt denen der Franzosen stark machen. Diese Kritik galt wieder Macron, der vor seiner politischen Karriere Banker bei Rothschild gewesen war. Macron wies diese Anschuldigungen jedoch als Verleumdung zurück: „Meine Partei erhält keine Subventionen (…). Ich verspreche, dass ich nicht gekauft werde, ich bin frei“, versicherte Macron. 

    Die drei „abgehängten“ Kandidaten, Fillon, der Sozialist Benoît Hamon und der Kandidat der extremen Linken, Jean-Luc Mélenchon, konzentrierten sich laut FT ebenfalls hauptsächlich auf Polemik mit bzw. gegen die Chefin des Front National.

    Fillon bezeichnete beispielsweise Le Pens Plan, 40.000 zusätzliche Gefängnisplätze zu schaffen, als unrealistisch. „Ich schlage 16.000 Gefängnisplätze vor, das wäre schon mal nicht schlecht", so Fillon, der Frankreich vor allem mit einem Sparprogramm wieder auf die Beine helfen will.

    Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen findet am 23. April statt. Laut Umfragen liegt Macron mit 26,5 Prozent Zustimmung vor Le Pen, die die erste Runde voraussichtlich mit 26 Prozent gewinnen würde. Der konservative Kandidat Francois Fillon, gegen den zurzeit wegen der Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau im französischen Parlament ermittelt wird, soll laut Umfragen auf lediglich 19 Prozent der Stimmen kommen.

     

    Zum Thema:

    Französische Farmer wollen Le Pen bei Wahl unterstützen – trotz ihrer Frexit-Haltung
    Wahlen in Frankreich: Der Favoritin wird das Wasser abgegraben
    Le Pen sucht in Polen und Ungarn Verbündete gegen EU-Initiativen
    Le Pens Sieg wäre das Ende Europas – EU-Kommissar
    Tags:
    Präsidentschaftskandidat, TV-Debatte, Benoit Hamon, François Fillon, Emmanuel Macron, Marine Le Pen, Frankreich
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren