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17:16 15 Oktober 2019
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    US-Amerikaner protestieren gegen russische Luftangriffe in Syrien

    Was Trump zur Distanzierung von den Russen in Syrien veranlasst

    © REUTERS / Lucy Nicholson
    Politik
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    Der neue US-Plan in Syrien unterscheidet sich vom ursprünglichen Plan zur Bekämpfung der Terrorgruppe IS, den Donald Trump im Wahlkampf angekündigt hatte. Eine Militärkooperation mit Russland bleibt aus – ebenso wie ein Schulterschluss aller Anti-IS-Kräfte. Diese These vertritt der russische Politik-Experte Schamsudin Mamajew.

    In einem Gastbeitrag für die „Nesawissimaja Gaseta“ weist Mamajew darauf hin, dass die Demokratischen Kräfte Syriens (DKS), denen kurdische und arabische Milizen angehören, die Umgebung der IS-Hochburg Rakka unter Kontrolle nehmen konnten.

    „Die Offensive auf Rakka führen die DKS eigentlich seit November 2016, doch bisher erfolgte sie gemächlich und mit Pausen. Alles änderte sich im laufenden Monat. Der kräftige Vorstoß und die Umkreisung von Rakka wurden vor allem dadurch ermöglicht, dass Einheiten der internationalen Koalition bei den DKS-Einsätzen aktiv mitwirkten, wobei die Luftunterstützung drastisch zunahm. Mit anderen Worten: Den Vorstoß ermöglichte das Inkrafttreten des neuen amerikanischen Plans für eine militärische Anti-IS-Kampagne, der am 27. Februar vom Pentagon dem US-Präsidenten vorgelegt worden war“, so Mamajew.

    „Nach seinem Amtsantritt verlor Donald Trump keine Zeit: Die ersten Lieferungen amerikanischer gepanzerter Kampffahrzeuge an die DKS begannen bereits im Januar. Anfang März trafen jeweils rund 200 US-Marineinfanteristen und Army Rangers vor Ort ein“, stellt Mamajew fest.

    Mehr dazu >>> Pentagon legt Trump Vorschläge zu Anti-IS-Kampf vor – Medien

    Dass nicht die syrischen Regierungstruppen, sondern ausgerechnet die DKS sich darauf vorbereiten, Rakka zu erstürmen, verkompliziert laut Mamajew die Situation: „Als illegitime bewaffnete Formation haben die DKS keine schweren Waffen. Ihnen mangelt es auch an vielen weiteren Dingen, die bei der Erstürmung notwendig wären. Folglich sollen die US-Amerikaner ihnen diese Waffen liefern (die Lieferungen haben bereits begonnen). Das stößt natürlich auf Unzufriedenheit in Damaskus sowie auf Empörung in Ankara. Denn die türkische Führung hält die den DKS angehörenden kurdischen YPG-Milizen nicht bloß für illegal bewaffnete, sondern für terroristische Formationen.“

    „Diese Situation hätte vereinfacht werden können, wenn das Pentagon nicht vom ursprünglichen Plan für den Syrien-Krieg abgewichen wäre. Jenen Plan hatte Trump noch während des Wahlkampfs dargelegt. Damals formulierte Trump deutlich seine wichtigste Priorität, die darin bestand, die IS-Gruppe ‚bis zur Vernichtung zu zerbomben‘. Er skizzierte auch die Mittel, die dafür erforderlich wären. Demnach sollten die USA eine Allianz mit Russland bilden, auf die Idee eines Sturzes des syrischen Präsidenten Baschar Assad verzichten und womöglich auch ihre Unterstützung für die moderate syrische Opposition stoppen“, schreibt Mamajew.

    Er kommentiert, Trumps damalige Einstellung hätte eine militärische Kooperation mit Russland vorausgesetzt. Doch Mitte Februar hätte US-Verteidigungsminister James Mattis seinen russischen Amtskollegen Sergej Schoigu informiert, dass die USA und die Nato nur zu einem politischen Zusammenwirken mit Russland bereit seien.

    Russland appelliert an USA: Gemeinsam gegen IS-Hochburg Rakka vorgehen

    Mamajew vermutet, Trumps „Umdenken“ hänge mit dem notgedrungenen Rücktritt seines Sicherheitsberaters Michael Flynn im Februar zusammen. Dieser sei von der Presse „gehetzt“ worden: „Ihm wurde vorgeworfen, dem russischen Botschafter in Washington gewisse Versprechen gegeben zu haben, um eine Ausweisung von US-Diplomaten aus Moskau zu verhindern. Dabei soll Flynn keine Befugnisse für diese Versprechen gehabt haben.“

    „Um welche Versprechen oder Details es ging, werden wir nun kaum erfahren, denn Trump bezeichnete jene Informationen als geheim. Er war aber wütend über die ‚verlogenen‘ Vorwürfe der Journalisten gegen Flynn und gab klar zu verstehen, dass es eben die Journalisten gewesen seien, die den geplanten ‚Großdeal‘ mit Russland vereitelt hätten“, schreibt der Experte im Hinblick auf Trumps Pressekonferenz vom 16. Februar.

    Der antirussisch gestimmte Pentagon-Chef Mattis habe den Flynn-Skandal als günstige Gelegenheit ausgenutzt, um den aus seiner Sicht „allzu versöhnlichen“ Plan des Präsidenten gegenüber Russland zu vereiteln, mutmaßt Mamajew weiter.

    Bei dem geplanten Sturm auf Rakka seien nun weder Russland noch die syrische Armee mit dabei. Auch die Türkei werde weggedrängt. Statt einer Konzentration aller Anti-IS-Kräfte sei also ein Zerwürfnis zu beobachten, heißt es in dem Kommentar.

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    Tags:
    Anti-IS-Koalition, Islamischer Staat, Donald Trump, Wladimir Putin, Rakka, Syrien, USA, Russland