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    AfD-Plakat in Saarbrücken zur Landtagswahl am 26. März 2017

    AfD als Überraschungsfaktor der Saarland-Wahl? – Experten: Prognosen täuschen

    © REUTERS / Ralph Orlowski
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    Die Prognosen vor der Wahl im Saarland über das eventuell schlechte Abschneiden der Alternative für Deutschland (AfD) können täuschen. Darauf weist die Zeitung „Die Welt“ in einem Beitrag über eine Studie zur AfD-Wählerschaft hin. Der mutmaßliche Grund: Teilnehmer politischer Umfragen berücksichtigen, welche Antwort „als sozial erwünscht“ gilt.

    Potenzielle AfD-Wähler könnten deshalb bei Umfragen Antworten geben, die über ihr Wahlverhalten täuschen. „Die Welt“ stützt sich auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, die am 22. März veröffentlicht wurde. Die Zeitung erinnert daran, dass die rechtskonservative AfD „bei fast allen Landtagswahlen der vergangenen zwei Jahre“ mit ihrem Endergebnis „zum Teil deutlich über jenen Werten, die bei vorherigen Umfragen ermittelt worden waren“, lag, und das bis zu einem Viertel. Selbst die ersten Prognosen kurz nach Wahlschluss hätten dabei falsch gelegen, zum Teil um ein Fünftel der dann höheren endgültigen Ergebnisse.

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    Die Autoren der IW-Studie, die Soziologen Knut Bergmann und Matthias Diermeier, beschreiben als mögliche die Ursache: Da die AfD „von der Gesellschaft zunehmend am äußerst rechten Rand verortet wurde, kann die vermutete soziale Erwünschtheit von Antworten bei Vor- und Nachwahlbefragungen eine Erklärung für die schlechten Vorhersagen und Prognosen bieten.“ Die Wähler dieser Partei würden daraufhin „einer angenommenen sozialen Erwünschtheit entsprechend“  bei Umfragen eine unwahre Auskunft über ihr Wahlverhalten geben, was die Prognosen entsprechend verfälsche. Die beiden Soziologen stellen auch fest: „Daneben erschweren aber auch prinzipielle Antwortverweigerungen und der schwierige demoskopische Umgang mit Protestwählern die Vorhersagen der AfD-Ergebnisse.“

    Nehmen AfD-Wähler Rücksicht auf gesellschaftliche Stimmung?

    In jüngsten Umfragen liegt die AfD im Saarland zwischen sechs und sieben Prozent. „Die Welt“ vermutet, dass sich das beschrieben Wählerverhalten hier „besonders stark auswirken“ könne. Das heißt, die rechte Partei könnte am Sonntag noch mehr mit ihrem Wahlergebnis überraschen, als ihr das bei den letzten Landtagswahlen gelang. Die saarländische AfD gelte als besonders rechtslastig und sei selbst von Bundesvorstand der Partei einer Kooperation mit der NPD verdächtigt worden.

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    Die AfD-Anhänger würden sich aber viel weniger als rechts sehen, als sie von der Gesellschaft eingeordnet werden, schreibt das Blatt. „Sie finden sich und ihre Partei keineswegs extrem, merken aber, dass die restliche Gesellschaft dazu neigt.“ In Ostdeutschland sei das aber weniger ausgeprägt als in den westdeutschen Bundesländern. Entsprechend seien die Prognosen bei den letzten ostdeutschen Wahlen näher an den realen AfD-Ergebnissen gewesen. Das „könnte darin liegen, dass im Osten die Wahl der AfD als etwas völlig „Normales“ angesehen wird“, wird aus der IW-Studie zitiert. „Dementsprechend fällt es leicht, sich dazu zu bekennen.“

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    Die Zeitung zitiert außerdem Michael Kunert, Geschäftsführer von Infratest Dimap. Der sagte bei AfD-Wählern sei zu berücksichtigen, dass „sehr viele von ihnen die Partei aus Protest und Unzufriedenheit mit anderen Parteien wählen“. Sie würden vor Wahlen nur angeben, dass sie unzufrieden sind und sich noch nicht für eine Partei entschieden hätten. Deshalb lasse sich „ein Teil potenzieller AfD-Wähler nicht erfassen“.

    Der Ausgang der Wahl im Saarland wird mit Spannung erwartet, da aktuellen Umfragen zufolge die SPD vom „Schulz-Effekt“ profitiere. Bei der jüngsten „Sonntagsfrage“ der Forschungsgruppe Wahlen lag die CDU mit 37 Prozent vor der SPD (32 Prozent). Die Linkspartei käme danach auf zwölf und die AfD auf sieben Prozent, während Grüne und FDP die Fünf-Prozent-Hürde nicht überwinden würden. Beobachter halten eine „rot-rote Koalition“ zumindest rechnerisch für möglich. Aber laut Forschungsgruppe Wahlen findet nur eine große Koalition aus CDU und SPD die Zustimmung einer Mehrheit im Saarland: „Eine mögliche Regierung aus SPD und Linke finden 57 Prozent nicht gut und nur 28 Prozent gut“, so die Wahlforscher.

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    Tags:
    Die Welt, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Michael Kunert, Knut Bergmann, Matthias Diermeier, Saarland, Deutschland