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    Russlands Präsident Wladimir Putin

    Wie die Europäer „in Putins Klauen fallen“ sollen

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    Politik
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    2221010

    Die neue US-Regierung will nicht mehr darauf aufpassen, wie Europa am antirussischen Kurs festhält. Dabei gibt es niemanden, der sie auf dieser „Wache“ ablösen könnte. Darauf weist die russische Onlinezeitung vz.ru in einem Kommentar hin.

    Die Onlinezeitung beschäftigt sich mit der für den kommenden Mai geplanten Europa-Reise von Donald Trump. Dieser soll zunächst am Nato-Gipfel in Brüssel teilnehmen und dann mit den G7-Spitzenvertretern in Italien verhandeln.

    „Von Trump wird man gleich mehrere Dinge erwarten. Neben dem (eigentlich schon gelieferten) Bekenntnis zu einem unverbrüchlichen Weiterbestehen der atlantischen Welt wird Trump die US-Haltung zur Ukraine erklären sollen“, schreibt vz.ru.

    Zum Zeitpunkt dieser Gipfeltreffen werde es nicht mehr möglich sein, die Tatsache zu verheimlichen, dass die Ukraine Trumps Team eigentlich egal sei. Washington setzte die europäischen Länder nicht mehr unter Druck, damit diese die Sanktionen gegen Russland immer wieder verlängern: „Washington wird damit aufhören, wachsam zu beobachten, wie die Europäer am antirussischen Modus festhalten.“

    „Es gibt niemanden, der Washington auf der antirussischen Wache ablösen könnte. Angela Merkel ist der Rolle einer Aufseherin nicht gewachsen – erst recht im Vorfeld der Wahlen. Großbritannien ist mit dem Brexit beschäftigt. Frankreich (selbst mit Macron an der Spitze) wird keine Lust darauf haben, mit Russland weiter zu streiten“, kommentiert die russische Onlinezeitung.

    Sie postuliert: „Die Konsequenzen lassen sich leicht prognostizieren. Sobald die Europäer begreifen, dass sie niemandem mehr Rede und Antwort stehen, werden sie ‚in Putins Klauen fallen‘, das heißt dem Druck ihrer eigenen Geschäftseliten gerne nachgeben, die schon müde davon sind, auf ein Ende des Sanktionskrieges gegen Russland geduldig zu warten.“ 

    Der US-Präsident werde versuchen, seine Europa-Reise zu einem Sieg zu machen: „Zwar wird Trump die europäischen Länder nicht öffentlich auffordern, dem britischen Beispiel zu folgen (stattdessen wird er die von seiner Wahlrhetorik beängstigten europäischen Staats- und Regierungschefs beschwichtigen und ihre Aufmerksamkeit einschläfern). Doch er wird trotzdem nicht auf seine Anti-EU-Ansichten verzichten. Für die proatlantischen Eliten Europas wird er also jedenfalls ein Fremdling bleiben, der nicht ‚die richtigen USA‘ vertritt.“  

    Die EU werde nicht in der Lage sein, dem neuen US-Präsidenten etwas Wirksames entgegenzusetzen, denn sie stecke in einer tiefen Krise: „In Europa gibt es keine Kraft, die Trump daran hindern könnte, das zu tun, was er will. Seine Hauptgegner befinden sich in den USA, doch ihre Schläge wehrt er jetzt ziemlich erfolgreich ab.“

    Dann werde er kontern – darunter auch in Sachen Außenpolitik: „Eine der außenpolitischen Hauptaufgaben von Trump besteht darin, eine selbständige Politik zu starten, um die Positionen der USA als Nationalstaat zu stärken. Für diese Zwecke muss er aus sinnlosen und schädlichen Operationen aussteigen und günstigere Einigungen über die US-Beteiligung an anderen ‚Deals‘ zu erzielen. Damit wird er sich in nächster Zeit beschäftigen – durch die Aufnahme persönlicher Kontakte mit den wichtigsten Akteuren der Welt, mit jenen also, die eine (von ihm auch angestrebte) Selbstständigkeit genießen. In erster Linie mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und mit Wladimir Putin. Es wäre für Trump derzeit äußerst wichtig, ausgerechnet mit ihnen zusammenzutreffen.“

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    Tags:
    Brexit, G7, Wladimir Putin, Donald Trump, USA, Russland