12:13 21 November 2019
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    Solidarität mit London: Das Brandenburger Tor ist  in den Farben der britischen Flagge angestrahlt

    „Aus den Ghettos kommt der Terror“ – Experte: Soziale Lage führt zu neuen Anschlägen

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    Anschläge wie der jüngste in London lassen sich nicht verhindern. Das meint zumindest Fidelis Cloer, Sicherheitsexperte und Chef der in Bagdad ansässigen Firma German Service Center for Armored Vehicles (GSCAV). „Das ist eine Gewissheit“, ist er sich sicher. Im Interview mit Sputnik beschreibt er Möglichkeiten, damit umzugehen.

    „Wir müssen das einfach hinnehmen, dass es diese Anschläge jetzt auch immer mehr geben wird“, so Cloer im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „Es wird Nachahmer geben. Oder es gibt vielleicht noch weitere Täter, die jetzt kurzfristig auch noch einmal zuschlagen werden. Das kann man nicht verhindern. Es sei denn, man würde jetzt jeden potentiellen Angreifer festsetzen und rund um die Uhr überwachen.“ Das sei aber unrealistisch.

    Der Sicherheitsfachmann befürchtet, dass die Waffenausbildung der deutschen Polizisten für eine Situation hierzulande wie die in London am 22. März nicht ausreichen würde. Sie würden wahrscheinlich zu lange zögern, vermutete er. „Das hat ja dieser Polizist in England, der dann den Angreifer schließlich getötet hat, ohne zu zögern getan."

    Cloer meinte, dass es zwar auch in Deutschland sogenannte Gefährder gebe, „500 sollen es sein“. Aber er ergänzte: „Wir haben nicht diese Mengen an Gefährdern, die Belgien, Frankreich oder England haben. Wir haben vor allem nicht diese Gefährder, die in unseren Ländern aufgewachsen sind, die am Rand der Gesellschaft stehen und die keine Zukunft für sich sehen, so wie es in den Vorstädten von Paris zum Beispiel ist. In England ist es nicht anders.“

    Bürger auf Anschlagssituationen vorbereiten

    Er setze zum einen auf Aufklärung. Zum anderen schlug er vor, darüber nachzudenken: „Gibt es Areas, Bereiche, die man für Fahrzeuge komplett schließen soll, wie zum Beispiel vor der Britischen Botschaft in Berlin?“ Die Straße vor der Botschaft in Berlins Mitte sei immer gesperrt. „Das sind Beeinträchtigungen, die wir akzeptieren müssen.“ Außerdem hält der Sicherheitsexperte es für notwendig, „dass wir Bürger uns besser auf so etwas vorbereiten müssen“. Menschen, die als Erste einen Ort wie den eines Anschlages erreichten, sollten in der Lage sein, mit der Situation und möglichen Verletzungen der Opfer umzugehen.

    „Israel ist ein gutes Beispiel. Ich war im Oktober 2015 in Jerusalem, als dort die große Anschlagswelle mit Fahrzeugen und Messern stattfand. Aber es ist dann immer so, dass sofort Menschen zur Stelle sind, die genau wissen, was zu tun ist, um ein Leben retten zu können.“

    Soziale Situation „komplett entglitten“

    Cloer beantwortete die Frage nach der Verantwortung auch der deutschen Politik, wie solche Anschläge verhindert werden könnten, damit: „Wir müssten die Zeit zurückdrehen können und dann überlegen, was wir schon vor zehn, 20 Jahren falsch gemacht haben.“ Er verwies auf Frankreich, England und Belgien. Dort gebe es heute „eine Situation, die komplett entglitten ist“. So sei Frankreich zum Beispiel „inzwischen ein Land ohne richtige Identität“, meinte der Experte – „das ist ja nicht mehr das, was es mal war“.

    Er ging aber weiter und verwies auf die sozialen Ursachen: „Die muslimischen oder generell die ausländischen Mitbürger sind isoliert. Sie werden nicht integriert. Sie haben keine Chance bei der Jobsuche. Damit hat man sich einfach abgefunden. Die leben jetzt in Ghettos und genau dort brodelt es und von dort kommt der Terror.“

     

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