10:22 25 April 2018
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    Russlands Präsident Wladimir Putin

    Trump hat Putin nichts zu bieten und meidet deshalb Kontakte mit Kreml – Experten

    © Sputnik / Alexey Nikolsky
    Politik
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    US-Präsident Donald Trump hat derzeit wenig Interesse an Russland, meint der „Trump-Skeptiker“ Alexej Muchin, Generaldirektor des Zentrums für politische Information in Moskau. Trump hat derzeit vor allem innenpolitische Probleme, sieht Andrei Sidorow, Politologe an der Lomonossow-Universität. Beide meinen: Der Druck in Washington ist zu groß.

    Politikwissenschaftler Muchin zeigte sich bei einem Rundtischgespräch in der Zentrale der  Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya skeptisch, ob der US-Präsident gegenwärtig etwas tun werde, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern. Trump stehe unter einem nie dagewesenen Druck des ihn ablehnenden Establishments und der Medien. Hinzu komme, dass Russland weiter dämonisiert werde.

    Die europäischen und die US-amerikanischen Wähler seien von ihren politischen Eliten höchst enttäuscht, stellte Muchin fest. „Das kommt etwa im österreichischen Parlament oft zur Sprache. Die Bevölkerung sagt: Wir wünschen uns einen wie Putin. Die Krise der etablierten Politiker in Europa und den USA liegt auf der Hand. Dies beschwört aber ein gefährliches Chaos herauf, das in unkontrollierte Zusammenbrüche des politischen Systems einmünden kann.“

    Reale Gefahr einer militärischen Konfrontation

    Das etablierte US-amerikanische politische System habe sich während der jüngsten Wahlen als hinfällig erwiesen, so der Politologe weiter. Sein Rat an Moskau: „In diesem Zusammenhang muss Russland Europa und die USA ein wenig unterstützen, damit sie nicht in diesem Chaos versinken, das mit hoher Wahrscheinlichkeit eine militärische Auseinandersetzung fördern kann. Denn die militärische Konfrontation zwischen Russland und der Nato ist im Moment so real wie nie zuvor. Das ist zu verhindern.“

    Der Politikwissenschaftler bezweifelte, dass Trump ein Verbündeter Russlands sein kann, wenn er sich als schwach erweise. Laut Muchin habe gerade Russlands unnachgiebige Haltung gegenüber der Politik der USA die russisch-US-amerikanischen Beziehungen verschlechtert. „In den 1990er Jahren haben die USA ihre Präsenz im postsowjetischen Raum aufgestockt, während Russlands Präsenz dort schrumpfte. In den 2000er Jahren hat sich die Situation von Grund auf verändert, und das führte zu einer Krise in den Beziehungen.“

    Russischer Widerstand gegen US-amerikanische Politik

    Der Experte beschrieb folgende Situation: „Die USA sagten zu Russland:,Ihr müsst eure Niederlage im Kalten Krieg zugeben und künftig kleinere Brötchen backen‘. Einerseits neckte Obamas Team Russland und bezeichnete es als Regionalmacht und,Tankstelle‘. Andererseits tat es sein Bestes, um Russland aus dem europäischen Markt zu verdrängen. Während wir Ersteres lächelnd hinnahmen, war Letzteres für Russland empfindlich und stieß bei ihm auf ernsthaften Widerstand. Dieser äußerte sich im Aufbau grundsätzlich neuer Mechanismen der Zusammenarbeit mit China, Indien und anderen Ländern, was Russland erlaubte, sich doch als einen geopolitischen Spieler zu positionieren.“

    Aus der Sicht des Politologen gibt es drei Probleme, vor denen die USA jetzt stehen: In der Wirtschaft würden sie ihre Schulden begleichen und die Außenfinanzierung kürzen müssen, was den Einfluss der USA in verschiedenen Ländern, darunter auch in Europa, zunichtemachen werde. In der Politik könnten die USA nicht mehr allein handeln, wie es in den 90er Jahren der Fall war. Sie müsste nun gemeinsam mit China, der EU und Russland gestalten. Muchin ist sich sicher, dass diese komplizierte Konstruktion dem US-amerikanischen Establishment Schwierigkeiten bereite.

    „Trump ist unfähig, diese Aufgabe zu lösen. Jedenfalls würde es eines neuen amerikanischen Wunders bedürfen, damit die USA ihre Positionen in der Welt zurückerobern, was Trump vor den Wahlen versprochen hat. Was die militärische Zusammenarbeit angeht, haben die USA ihre komplette Unfähigkeit bewiesen, selbst mit ihren europäischen Verbündeten übereinzukommen. Also können die USA heutzutage nicht mehr der ausschließliche geopolitische Gigant sein.“

    Irrtümer Trumps und Druck durch US-Establishment

    Trump habe mit einem solchen Widerstand gegen seine Innen- und Außenpolitik nicht gerechnet. So schätzte es Andrej Sidorow, Leiter des Lehrstuhls für internationale Organisationen und internationale politische Prozesse der Moskauer Lomonossow-Universität,  in der Runde ein. Dem US-Präsidenten falle es deshalb gegenwärtig schwer, sich über Russland zu äußern. Zudem habe er China für den Hauptgegner gehalten. „Daran war auch seine außenpolitische Konzeption orientiert. Anders gesagt stellte er die Frage, ob denn die Nato für die Bekämpfung Chinas nötig sei. Die Allianz ist für andere Ziele ausgelegt worden.“

    Es sei völlig klar, so Sidorow, dass „es nicht gelungen ist, Russland zu unterwerfen und zu einem mehr oder weniger pro-US-amerikanischen Regimewechsel zu zwingen, womit man China in eine verzwickte Lage gebracht hätte“. Daher habe Trump versucht, „Russland zu verzaubern oder ihm gewisse Zugeständnisse abzuhandeln, etwa hinsichtlich des Iran oder der Ukraine, der Aufhebung der Sanktionen usw. Im Moment gelingt ihm das nicht wegen der innenpolitischen Probleme.“

    Die Schlussfolgerung der Experten lautet: Zurzeit lohnt es sich für Trump nicht, sich mit Wladimir Putin zu treffen, da er Russlands Präsidenten nichts zu bieten hat.

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Kontakte, Wladimir Putin, Donald Trump, China, Washington, Moskau, Russland, USA
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