08:30 09 Juli 2020
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    Die deutschen Christdemokraten müssen ihren Saarland-Bonus nutzen, wenn sie den Wahlkampf im Herbst gewinnen wollen, meint die russische Expertin des Zentrums für Deutschland-Studien, Ekaterina Timoschenkowa.

    Sie führt dabei die Ergebnisse einer Meinungsumfrage an, laut der die Wähler im Saarland für die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer der CDU gestimmt haben – dies sagten demnach 47 Prozent der Befragten. Die Partei von Angela Merkel bewerte nun diese lohnende Situation zu ihrem Vorteil, bemerkte die Expertin im Interview mit Sputnik Deutschland.

    „Für die CDU ist es profitabel, über die nützliche Wirkung auf Bundesebene zu sprechen. Wie sich herausstellte, hat der ‚Schulz-Effekt‘ seine Grenzen“, so die Expertin. „Angela Merkel erhielt eine Verschnaufpause und Beweise dafür, dass ihre Strategie richtig war. Sie ging nicht auf Distanz zur SPD und hat Martin Schulz nicht attackiert. Die Sozialdemokraten müssen sich korrigieren und weitere Optionen suchen.“

    Nach Erachten der Expertin haben die Wahlen im Saarland gezeigt, dass die SPD eine falsche Taktik gewählt hat, indem sie die Bildung einer rot-roten Koalition mit der Linkspartei nicht ausschloss, was sogar der Linke Oskar Lafontaine bestätigte. Inzwischen sind laut Umfragen 57 Prozent der Saarländer gegen eine regierende Linke.

    „Da der deutsche Wähler keine rot-rote Koalition will, bleibt die Große Koalition. Und Martin Schulz muss nun beweisen, dass die Sozialdemokraten im Bestand der Großen Koalition besser arbeiten würden als die Christdemokraten unter Angela Merkel“, so Timoschenkowa.

    Die Expertin will festgestellt haben, dass die SPD die zweitstärkste Partei in Deutschland wird. Was die kleinen Parteien betrifft, so hätten die Grünen mit ihren ökologischen Themen Wähler verloren, weil im Saarland die Themen der sozialen Gerechtigkeit und der neuen Arbeitsplätze dominierten.

    „Die Grünen und die Freie Demokratische Partei müssen ihre Wahlkampagne aggressiver führen, um in den Bundestag gewählt zu werden. Auch 6,2 Prozent bei Alternative für Deutschland im Saarland sind nicht genug, um das erklärte Ziel – die Absetzung von Bundeskanzlerin Merkel — zu erreichen. Und obwohl die AfD in 11 von 16 Ländern vertreten ist und sich als eine Oppositionspartei positioniert, funktioniert es nicht mehr, Punkte nur dafür zu erhalten, dass sie kritisch ist“, so die Expertin.

    Im Vergleich zu Schulz bleibe Merkel für die Wähler überzeugender, meint sei. Deswegen ist zu vermuten, dass der Wahlkampf in Deutschland Ende September auf der Gegenüberstellung dieser beiden Persönlichkeiten basieren werde.

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    Tags:
    Jekaterina Timoschenkowa, SPD, CDU, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland