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    Figuren der französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron, Francois Fillon und Marine Le Pen (v.l.n.r.)

    Wahlen in Frankreich: Kandidaten bereit zu Dialog mit Russland – nur nicht Macron

    © REUTERS / Eric Gaillard
    Politik
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    Am Dienstag sind in der Nationalversammlung Frankreichs (Parlamentsunterhaus) auf Initiative der Assoziation für den französisch-russischen Dialog sieben der elf Präsidentschaftskandidaten zusammengetroffen. Wie sie die Zukunft der Beziehungen zu Russland und der antirussischen Sanktionen sehen, berichtet Sputnik Frankreich.

    Durch Abwesenheit glänzten demnach aus unterschiedlichen Gründen vier Kandidaten: Nathalie Arthaud von der Lutte Ouvrière (zu Dt.: Arbeiterkampf), Philippe Poutou von der Nouveau Parti anticapitaliste (Neue Antikapitalistische Partei), Jean Lassalle (parteilos) sowie Emmanuel Macron von der eigens gegründeten Partei En Marche (zu Dt.: Vorwärts). Letzterer hat laut Angaben der Veranstalter des Treffens „auf unhöfliche Art gesagt, dass es ihn nicht interessiere und er nicht kommen werde“. 

    Die Nicht-Teilnahme Macrons kam umso überraschender, da Benoit Hamon, der gegenüber Russland und dem russischen Staatschef Wladimir Putin deutlich kritischer eingestellt ist, dennoch einen Vertreter zu dem Treffen schickte: Pascal Cherki, Abgeordneter der Sozialistischen Partei. Ihm zufolge haben die Beziehungen zwischen den beiden „multikulturellen“ Ländern eine lange Geschichte und Russland spiele eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Stabilität in der Welt und in Europa. Das sei schon so unter Napoleon sowie auch im Zweiten Weltkrieg gewesen. Dabei hob er die „enormen Opfer“ der russischen Bevölkerung für die Befreiung des Kontinents hervor. Dennoch sagte er: „Wir sind der Ansicht, dass keine Meinungsverschiedenheiten eine Annexion eines Teile des Territoriums anderer Länder im 21. Jahrhundert rechtfertigen können.“

    Diese Aussage steht völlig im Kontrast zu der Äußerung von Nicolas Dupont-Aignan von der Partei Debout la France (zu Dt. etwa: Steh‘ auf Frankreich) hinsichtlich der Frage des Moderators der Gespräche, ob er als Staatschef dem Theater auf der Krim ein Ende setzen werde – er antwortete mit einem klaren „Ja!“.

    Antirussische Sanktionen

    David Rachline, Vertreter des Front National und dessen Kandidatin Marine Le Pen sagte laut Sputnik Frankreich im Hinblick auf die von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen: „Aus unserer Sicht ist alles einfach und verständlich: Wir fordern von der Europäischen Union die Aufhebung der Sanktionen, die diese verhängt hatte. Im Falle einer Weigerung heben wir sie einseitig selbst auf!“

    „Russland erinnert uns an die Relevanz, die eigene Identität zu schützen, und die Globalisten zwingen dazu, genau dafür zu bezahlen“, sagte er ferner.

    Ähnlich äußerte sich auch Djordje Kuzmanovic von der La France insoumise (zu Dt.: Das aufständische Frankreich), der den Kandidaten Jean-Luc Mélenchon vertrat.

    „Russland als geopolitisches Gebilde ist das, was uns interessiert, sowie es auch einige frühere Oberhäupter in Frankreich interessierte: von Napoleon und Jules Ferry bis De Gaulle. Jean-Luc Mélenchon wird als französischer Präsident auf genau diese Weise die herzlichen Beziehungen mit Präsident Putin bzw. mit jedem anderen Präsidenten, den die Russen wählen, unterstützen.“

    Er verwies auch auf die Einflussnahme seitens der USA auf die Wahlen in Frankreich.

    „Der Westen sollte sich weniger in die Wahlen anderer Staaten einmischen, wie das in Russland im Jahr 1996 passierte, als er Jelzin zum Wahlsieg verhalf, obwohl jener im Oktober 1993 aus seinem eigenen Parlament ausgeschlossen wurde.“

    Einen Bezug zur Geschichte stellte auch Alex Poniatowski, Vertreter der Republikanischen Partei und deren Kandidat Francois Fillon, her.

    „Es ist ein historisches Paradox: Etwa 15 Jahre nach der Wahl von Georg Bush in den USA finden wir ausgerechnet in den Reihen der französischen Sozialisten die letzten Neokonservativen, die jeglichen Dialog mit Russland blockieren“, so der Politiker.

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    Tags:
    Beziehungen, Dialog, Sanktionen, Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich, Wladimir Putin, Benoit Hamon, Nicolas Dupont-Aignan, François Fillon, Jean-Luc Mélenchon, Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Krim, Frankreich, Russland