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05:55 20 Juli 2019
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    Bundeswehr-Soldat bei einem Nato-Programm in Oberviechtach

    Ex-Offizier: „Höchstgefährliche Konflikteskalation“ statt konstruktiver Initiativen

    © AP Photo / Matthias Schrader
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    In Moskau wird der Einsatz von Russisch-Statisten bei US-Militärübungen in Deutschland nicht als Zeichen der Entspannung wahrgenommen. Darauf macht Jürgen Rose, Oberstleutnant a. D. der Bundeswehr, aufmerksam. Er warnt vor einem „Zeichen der Stärke“. Er hält es für höchstgefährlich, den Konflikt mit Russland weiter zuzuspitzen.

    Herr Rose, die U.S. Army Europe hat über eine Firma eine Stellenanzeige geschaltet, in der Statisten für eine Truppenübung hier in Deutschland gesucht werden. Die Statisten sollen Zivilbevölkerung mimen. In der Ausschreibung steht, sie sollten möglichst Russisch-, Polnisch- oder Tschechisch-Kenntnisse vorweisen können. Was meinen Sie, worauf bereitet sich da die US-Armee vor?

    Das liegt ja nun auf der Hand. Es ist auch nicht das erste Mal, dass derartige Übungsszenarien gespielt werden. In der Vergangenheit hat man Leute angeheuert, die in langen Gewändern und Turbanen eingesetzt werden sollten – für das Szenario, in dem man sich gewähnt hat. Wenn man jetzt Leute anheuert, die Ostbevölkerung darstellen sollen,  dann ist auch klar, worauf das abzielt. Man bereitet sich offenbar auf Konflikte an der Ostgrenze der Nato vor. Höchstwahrscheinlich weht der Wind aus dem Baltikum: Die Nato sitzt da und man schlottert vor Angst vor den bösen Russen. Auch zur Beruhigung ihrer baltischen Verbündeten übt die Nato offenbar die Abwehr des Feindes, der da im Osten steht.

    Das heißt, Russland als Feindbild wird hier bewusst geübt?

    Das ist ja auch nicht überraschend. Wenn man sich die Aussagen anschaut, was nach dem Beitritt der Krim zur Russischen Föderation und der Aufnahme der bürgerkriegsähnlichen Kämpfe in der Ostukraine passierte, dann wurde da ja ganz klar Russland als Gegner benannt – als der Drahtzieher, die böse Macht im Hintergrund. Das hat sich nicht geändert.

    Wenn man sich die Berichterstattung in Deutschland ansieht, zum Beispiel beim „Spiegel“, so wird relativ unkritisch über diese Ausschreibung berichtet. Es wird unterschlagen, dass Leute gesucht werden, die Russisch sprechen. Es wird eher von einer Art Abenteuerurlaub ohne WLAN geschrieben, wo man mal etwas Anderes erleben kann. Wie bewerten Sie das?

    Wir haben eine Medienlandschaft, die sehr transatlantisch geprägt ist. Ein Sprachrohr der Transatlantiker – nicht nur der Spiegel, sondern auch die Zeit, die Süddeutsche und viele andere. Dem ist diese Form der Berichterstattung geschuldet.

    Was mich besorgt macht, ist, mit welcher Nonchalance, mit welcher Unbekümmertheit und Unreflektiertheit man derartige Szenarien anfängt, auch im militärischen Kontext zu üben, ohne zu berücksichtigen, was die Folge sein kann. Es ist sicherlich nicht so, dass das in Moskau und andernorts als eine Maßnahme der Entspannung und der Konflikteindämmung wahrgenommen wird, sondern als Konflikteskalation.

    Man will da ein Zeichen der Stärke setzen: Man ist bereit. Wir kennen das aus dem Kalten Krieg. Ich denke, das Wichtigste wäre, da dagegen zu halten, darauf aufmerksam zu machen, was für Erfahrungen wir im Kalten Krieg gemacht haben. Und dass man endlich konstruktive Initiativen startet, um das Verhältnis zu Russland wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Denn es hat keinen Sinn und ist höchstgefährlich, wenn man so weiter agiert. Die Folge könnte natürlich irgendwann aufgrund einer Fehlperzeption ein tatsächlicher bewaffneter Konflikt sein.

    Diese Übung soll in Hohenfels, zwischen Nürnberg und Regensburg, stattfinden. Warum gerade da, warum überhaupt in Deutschland?

    In Deutschland unterhält die US Army ihre wichtigste Militär- und Logistikbasis, auch viele ihrer Abhöreinrichtungen befinden sich hier, die Nachrichtendienste.  Die BRD ist auf dem großen europäischen Flugzeugträger die wichtigste Basis für die Machtprojektion der Vereinigten Staaten von Amerika nach Osten und auch in den Nahen und Mittleren Osten. In Hohenfels unterhält die US Army ein hochwertiges Übungszentrum und das wurde und wird für Militärübungen dieser Form genutzt.

    Interview: Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Feindbild, Jürgen Rose, USA, Russland, Deutschland