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09:45 19 Juli 2019
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    Doping-Doppelstandards: Jamaika „unschuldig“ trotz Positiv-Tests

    Doping-Doppelstandards: Jamaika „unschuldig“ trotz Positiv-Tests – ARD

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
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    Der Leiter der Medizinabteilung des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Richard Budgett, hat laut einem ARD-Bericht eine Zusatzuntersuchung der Proben jamaikanischer Läufer von den Olympischen Spielen 2008 blockiert, obwohl erste Analysen Spuren des Dopingmittels Clenbuterol ergeben hatten.

    Demnach beauftragte Budgett 2016 ein Dopingkontrolllabor in Lausanne damit, Proben aus Jamaika zu untersuchen, untersagte es jedoch, positive Ergebnisse ohne vorläufige Beratung formal zu bestätigen.

    „Nachdem die jamaikanischen Proben im Laborscreening positive Befunde ergeben hatten, ließ Budgett die Bestätigung dieser Befunde nicht zu“, heißt es in dem ARD-Bericht. Dabei sei sich die Welt-Anti-Doping-Agentur der Situation mit den jamaikanischen Sportlern bewusst gewesen, habe aber ein Disziplinarverfahren ausgeschlossen.

    „Mir ist bekannt, dass es jamaikanische Fälle mit sehr geringen Clenbuterol-Mengen gibt“, sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli gegenüber ARD.

    Ihm zufolge hätte der verbotene Stoff durch kontaminierte Fleischprodukte in die Athletenkörper gelangen können: Der Wirkstoff wurde einst in China als Tiermastmittel benutzt. Dabei wäre der Clenbuterol-Wert unwesentlich, sodass ein Verfahren gegen Athleten nur geringe Erfolgsaussichten hätte, meint Niggli.

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    Das IOC bestätigte gegenüber der ARD, dass im Fall der Clenbuterol-Funde kein Stein ins Rollen gebracht wurde. Bei Nachtests seien bei „Athleten aus mehreren Ländern und mehreren Sportarten sehr geringe Clenbuterolwerte“ im Urin gefunden worden. Die Sportler seien aber „unschuldig“, meint das IOC.

    Der mexikanische Trainer Angel Heredia, der laut ARD mehrere Spitzensportler mit verbotenen Mitteln versorgte, gestand gegenüber dem TV-Sender Kontakte mit dem Jamaika-Team vor den Peking-Spielen.

    „Trainer aus Jamaika haben mich kontaktiert und mich gefragt, ob Clenbuterol für Sprinter geeignet sei", sagte Heredia.

    Clenbuterol ist ein hochwirksames Mittel, das auf der Dopingliste steht.

    Der berühmte Läufer aus Jamajka, Usain Bolt, hatte bei den Olympischen Spielen 2008, 2012 und 2016 mehrere Wettkämpfe über einhundert Meter und zweihundert Meter gewonnen. Seine Kolleginnen Shelly-Ann Fraser und Veronica Campbell-Brown brachten Jamaika ebenso Goldmedaillen. Dagegen musste das jamaikanische Team die Preise für die 4x100-m-Staffel abgeben, weil der Doping-Test des Läufers Nesta Carter sich als positiv erwiesen hatte.

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    Dopingskandal, Doping-Probe, Dopingliste, Doping, ARD, Welt-Antidoping-Agentur (WADA), WADA, IOC, Richard Budgett, Olivier Niggli, Jamaica