14:57 17 Dezember 2017
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    Angela Merkel

    Schlechte Karten für Merkel bei russlanddeutscher Wählerschaft – Experten

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    Politik
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    Russlanddeutsche haben aus Dankbarkeit die CDU unter Helmut Kohl gewählt, mit dessen Nachfolgerin Angela Merkel sind sie unzufrieden. Darauf haben zwei Politologen in einer Sputnik-Videokonferenz aufmerksam gemacht. Sie sehen Chancen der Alternative für Deutschland (AfD) bei dieser Wählergruppe, während Linke und SPD kein Konzept für sie haben.

    Viele der aus Russland stammenden und in Deutschland lebenden Menschen haben in den letzten Jahren CDU gewählt. Daran erinnerte Erhard Crome während einer von Sputnik veranstalteten Videokonferenz Berlin-Moskau. Der  Politikwissenschaftler und Mitbegründer der Zeitschrift „WeltTrends“ rechnet nicht damit, dass die Wahlstrategen der etablierten Parteien speziell auf die russischstämmige Bevölkerung setzen.

    In etlichen Stadtbezirken Berlins mit einem großen Anteil aus Russland stammender Menschen deutscher Staatsangehörigkeit sei der Stimmenanteil der AfD gewachsen, berichtete der Experte. Das habe mit der innenpolitischen Situation sowie der Zuwanderung und Migration zu tun.

    Der Politologe Alexander Rahr, Programmdirektor des Deutsch-Russischen Forums, erläuterte in der Videokonferenz: „Mehrheitlich haben die aus der einstigen Sowjetunion emigrierten Russlanddeutschen und Juden in den letzten Jahrzehnten aus Dankbarkeit immer CDU gewählt, weil Helmut Kohl ihnen die Einreise erlaubt hat. Und sie hängen der CDU in vielerlei Sicht nach, weil das eine sehr konservative Wählerschaft ist.“

    Sie seien aber jetzt aufgrund der Flüchtlingskrise gegen Merkel eingestellt, behauptete der Russlandexperte. Er kenne niemanden bzw. nur wenige Vertreter der russischen Diaspora in Berlin, München oder Köln, „der das für gut halten, was Merkel getan hat“. Rahr weiter: „Und bei sehr vielen Russlanddeutschen und anderen Vertretern der russischen Diaspora kommt jetzt der Wunsch hoch, dass jemand anderes als Merkel Deutschland regiert.“

    Ob diese Klientel bereit sei, die AfD zu wählen, sei fraglich, so der Politologe. „Teile davon vielleicht ja. Das war aber vor einem Jahr der Fall. Inzwischen sieht man, dass die Flüchtlingskrise doch nicht zu großen Konflikten in der Gesellschaft geführt hat. Sie ebbt langsam ab – und wenn diese Krise weiter abebbt bis zu den Wahlen, dann wird die AfD nicht diesen Zulauf seitens der russischen Diaspora bekommen.“

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    SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hätte nach Meinung des Experten eine Chance, wenn er sich an diese Menschen wenden würde. Aber die SPD habe dafür kein Konzept. „Die Linken könnten auch das tun. Viele Russlanddeutsche und Vertreter der Diaspora leben in den Gegenden, wo die Linke nicht so schwach ist – in Berlin, Köln oder Düsseldorf. Man muss aber diese Leute überzeugen. Sie sind in ihrer Mentalität europäisch konservativ“, fügte Rahr hinzu.

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Experten, Politik, CDU, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Rahr, Martin Schulz, Angela Merkel, Köln, Düsseldorf, München, Berlin, Deutschland, Moskau, Russland
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