17:52 16 Dezember 2017
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    Hubschrauber der Montenegros Armee

    Montenegro vor Nato-Beitritt: „Wir haben nie Probleme mit Moskau gewollt“

    © AP Photo/ Darko Vojinovic
    Politik
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    Trotz des baldigen Nato-Beitritts will Montenegro nach Angaben der russischen Onlinezeitung gazeta.ru auch weiterhin gute Beziehungen mit Russland haben. Die Bevölkerung des Balkanlandes ist laut Experten eher gegen die Mitgliedschaft in der Allianz, seine Armee ist sehr klein. Wozu braucht die Nato überhaupt ein solches Mitglied?

    Nach Ansicht des montenegrinischen Außenministers Srdjan Darmanović wird sein Land auch nach dem geplanten Nato-Beitritt gute Beziehungen mit Russland aufrechterhalten. „Wir haben nie Probleme mit Moskau gewollt. Wir haben freundschaftliche Beziehungen, wir arbeiten in den unterschiedlichsten Fragen zusammen. Hoffentlich wird Russland die Tatsache realistisch und ruhig betrachten, dass ein kleines Land der Nato beitritt“, sagte Darmanović gegenüber gazeta.ru.

    „Unseren Beitritt zu diesem Bündnis haben wir nie als Anfang einer Fehde mit jemandem betrachtet. Dies entspricht bloß unseren nationalen Interessen. Dabei möchten wir aber mit allen gute Beziehungen behalten“, beteuerte der Außenminister.

    Montenegro erwäge nicht einmal die Einführung einer Visapflicht für Urlauber aus Russland: „Kürzlich haben wir die visafreie Aufenthaltsfrist für russische Touristen auf drei Monate verlängert. Zu uns kommen sehr viele Touristen aus Russland – das ist sehr gut für unsere Reisebranche im Besonderen und für die Wirtschaft im Allgemeinen.“

    Pro-Russische Demo in Kosovo (Archivbild)
    © AFP 2017/ Daniel Mihailescu
    Ende März hatte der US-Senat das Protokoll über den Nato-Beitritt des balkanischen Balkanstaates ratifiziert. Der Generalsekretär der Allianz, Jens Stoltenberg, kommentierte: „Der Einstieg Montenegros in die demokratische Nato-Familie soll zur Stabilität der Region und ganz Europas beitragen. Ich erwarte, dass alle Mitgliedstaaten die Ratifizierung im Juni zu Ende bringen.“

    Die montenegrinische Führung beschloss nach Angaben von gazeta.ru, kein Referendum über den Nato-Beitritt auszuschreiben. Stattdessen soll der Vertrag nun durch das Parlament des Landes gebilligt werden.

    Der russische Politik-Experte Alexander Gussew kommentierte für sputniknews: „Was das montenegrinische Volk betrifft, ist die Gesellschaft gespalten. Dies ist auch im Parlament zu beobachten (…). Im Falle eines Referendums würden die Montenegriner nein sagen.“

    Gazeta.ru kommentiert: „Im 20. Jahrhundert war Montenegro Teil des Staates Jugoslawien gewesen – und erlebte im Jahr 1999 die Angriffe des Nordatlantischen Bündnisses. Nato-Kampfjets bombardierten insbesondere die montenegrinische Hauptstadt Podgorica.“

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    „Von Jugoslawien hat Montenegro mehr als 6.000 Mann starke Streitkräfte geerbt. Diese wurden jedoch reduziert und zählen mittlerweile knapp 2.000 Soldaten (…). Im Moment stellen die montenegrinischen Streitkräfte faktisch eine vollwertige Heeresbrigade dar, die zu Kampfeinsätzen fähig ist“, heißt es im Kommentar von gazeta.ru.

    Der russische Nato-Botschafter Alexander Gruschko hatte kurz zuvor in einem Interview mit sputniknews gesagt: „Die Versuche, Montenegro in die Nato hineinzuziehen, sind nichts weiter als der Wunsch zu zeigen, dass die Politik der offenen Tür immer noch lebendig ist (…). Das ist eine pure Geopolitik, die bedauerlicherweise darauf gerichtet ist, die eigenen geopolitischen Interessen – wie sie von der Nato verstanden werden – über die gesamteuropäischen Interessen zu stellen.“

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    Tags:
    NATO-Beitritt, NATO, Srdjan Darmanović, Alexander Gussew, Alexander Gruschko, Montenegro, USA, Russland
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