20:27 15 Dezember 2017
SNA Radio
    Irakische Armee in Mossul

    Mossul: Ein Sturm, der stockt

    © REUTERS/ Andres Martinez Casares
    Politik
    Zum Kurzlink
    5950

    Ein Jahr ist vergangen, seitdem Bagdads Armee eine Offensive auf Mossul gestartet hatte. Eine Befreiung der Millionenstadt ist nicht in Sicht. Indes nehmen die Verluste unter der Zivilbevölkerung in der Stadt drastisch zu. Die westlichen Medien kümmert das offensichtlich wenig, schreibt die russische Zeitschrift „Expert“.

    Die nordirakische Millionenstadt wurde im Juni 2014 in nur sechs Tagen von den IS-Terroristen besetzt. Um die Rückeroberung Mossuls zu versuchen, musste ein Heer aus Regierungstruppen, schiitischen Milizen, Kurden und Freiwilligen aller Art aufgestellt werden –  zwischen 150.000 200.000 Mann sind es insgesamt. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Arabischen Emirate und die Türkei unterstützen die Offensive aus der Luft.

    Ein halbes Jahr hatte die Koalition gebraucht, um die Millionenstadt zu umzingeln, bevor im November 2016 dann endlich die aktive Sturmphase begann. Die Obama-Administration wollte unbedingt Erfolge im Kampf gegen den islamistischen Terror vorweisen, den sie laut Trump durch ihre eigene sinnlose Politik selbst hervorgebracht hatte. Doch Mossul einzunehmen, ist der internationalen Koalition bis heute nicht gelungen.

    Befreit sind bislang der Ostteil der Stadt und rund ein Drittel ihrer Westbezirke, obwohl in Mossul derzeit nur knapp 4000 Terroristen kämpfen. Diese setzen häufig Selbstmordattentäter in sprengstoffbeladenen Lastwagen gegen die Koalitionstruppen ein. Außerdem kennt sich die Terrormiliz in der Stadt bestens aus: Für sie ist es ein Kinderspiel, die anrückenden Einheiten aus dem Hinterhalt anzugreifen. Das Ergebnis dieser IS-Taktik sind Dutzende tote und verletzte Koalitionssoldaten auf einen toten Terroristen.

    Sollte die irakische Armee den Großteil ihrer ausgebildeten und kampffähigen Einheiten bei der Mossul-Offensive verlieren, wird die Terroristen nichts mehr daran hindern, andere Städte im Irak einzunehmen. Dann wird es niemanden mehr geben, der sie rückerobern könnte.

    Das Einzige, was die Regierungstruppen vor katastrophalen Verlusten bewahren könne, so das Blatt, seien Luftangriffe im Vorfeld der Sturmangriffe auf jene Stadtteile, die befreit werden sollen. Und wenn die Kampfjets und die Artillerie der Koalition diese Stadtteile dem Erdboden gleichmachen würden, dann gingen die Verluste der Iraker ganz auf null zurück, schreibt das Magazin. Da passe es gut, dass die westliche Presse – anders als in Aleppo – sich nur wenig für das Schicksal der Zivilisten in Mossul interessiert und nicht dazu aufruft, jemanden vor dem Kriegsverbrechertribunal anzuklagen.

    Doch nun sei die Uno auf die Lage in der irakischen Metropole aufmerksam geworden: Farhan Haq, Vize-Sprecher des UN-Generalsekretärs, sagte laut dem Blatt, die Vereinten Nationen seien besorgt über Informationen, wonach unter Mossuls friedlichen Einwohnern infolge der Luftangriffe riesige Opferzahlen zu verzeichnen sind. Die irakische Armee sei gezwungen gewesen, die Offensive wegen hoher Opferraten in der zivilen Bevölkerung vorerst anzuhalten. Die US-Amerikaner, die die meisten Luftangriffe fliegen, würden sich indes kaum zu einer Bodenoperation in Mossul entschließen, schreibt das Magazin. Stattdessen werden die USA höchstwahrscheinlich weiterhin aus der Luft angreifen.

    Zum Thema:

    West-Mossul: Setzt IS schon weibliche Scharfschützen ein?
    Mossul: IS schießt fliehenden Zivilisten in Rücken
    Dadurch unterscheidet sich Vorgehen Russlands in Aleppo und der USA in Mossul
    Irakische Regierungskräfte zu Befreiungstaktik in Altstadt von Mossul
    Tags:
    Arme, Islamisten, Krieg, Terrormiliz Daesh, USA, Mossul, Irak
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren