22:43 20 Juli 2017
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    Das Smolensk-Flugzeugunglück, bei dem 2010 mehrere polnische Spitzenpolitiker und Präsident Lech Kaczynski ums Leben kamen

    Smolensk-Absturz: Fakten sprechen für russische Fluglotsen

    © RIA Novosti. Oleg Mineev
    Politik
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    Polnische Präsidentenmaschine bei Smolensk abgestürzt (169)
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    Polens Generalstaatsanwälte haben auf ihrer jüngsten Pressekonferenz zum Absturz der polnischen Regierungsmaschine bei Smolensk russische Fluglotsen beschuldigt, die Katastrophe absichtlich provoziert zu haben. Der polnische Journalist Andrzej Rozenek erklärt in einem Sputnik-Interview, welche Motive hinter den schweren Vorwürfen stecken.

    Vorsichtig tastet sich der Publizist und Politikexperte Andrzej Rozenek an den wahren Kern der Schuldzuweisungen polnischer Staatsanwälte heran: Selbst Antoni Macierewicz, Polens amtierender Verteidigungsminister, habe nicht belegen können, dass die Regierungsmaschine infolge eines Anschlages abgestürzt sei, sagt Rozenek. Dabei habe der Minister ein hochdotiertes Gremium eingesetzt, um die Tragödie zu untersuchen.

    Dann wird der Experte deutlicher: „In so einer Situation braucht man einen Schuldigen, jemanden, der die Verantwortung für die Katastrophe übernimmt. Es ist besser, wenn das keine Polen sind. Also wird die Schuld auf die Russen abgewälzt.“

    Eines steht laut Rozenek außer Frage. Nämlich, dass die Fluglotsen im Kontrolltower auch Fehler machen können. Das bestätigt auch der Untersuchungsbericht des Internationalen Luftfahrtkomitees IAC und des ehemaligen polnischen Innenministers Jerzy Miller. Doch „zwischen möglichen Fehlern und dem absichtlichen Herbeiführen einer Katastrophe besteht ein grundsätzlicher Unterschied“, betont der polnische Journalist. Tatsache sei nun einmal, dass alle an Bord der polnischen Maschine gewusst hätten, in welchem Zustand sich der Flughafen von Smolensk damals befunden habe.

    Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk
    © AP Photo/ Geert Vanden Wijngaert
    Die Flugsicherung jedenfalls habe die polnischen Piloten nicht zur Landung aufgefordert. Die polnische Regierungsdelegation habe bewusst die Entscheidung getroffen, an einem bedenklichen Ort zu landen. „Dann begingen die Piloten eine Reihe von Fehlern, die in die Katastrophe führten“, sagt Rozenek.

    Sind die Schuldzuweisungen der Ermittler und der polnischen Regierungsmitglieder also auf politische Motive zurückzuführen?

    Diese Annahme müsse man genauer unter die Lupe nehmen, sagt der Politikexperte. Es habe ja eine ganze Reihe von Versionen gegeben, wonach es einen Anschlag auf die Regierungsmaschine und deren Passagiere gegeben haben soll. „Jede dieser Versionen sollte die absolute Wahrheit sein und die Tragödie ein für alle Mal aufklären. Das zeigt, dass Antoni Macierewicz nicht unbedingt darum bemüht ist, die Katastrophe wirklich aufzuklären“, erklärt der Beobachter. „Für den Verteidigungsminister ist die Tragödie von Smolensk eine Art Waffe im innenpolitischen Kampf. Doch inzwischen wird sie zu einer Waffe nach Außen“, betont er.

    Eben deshalb komme es nicht auf die Erklärungen des polnischen Verteidigungsministers an, sondern darauf, „was die Blackbox, die Untersuchungsberichte und die Experten sagen“, unterstreicht Rozenek. „Und die bestätigen alle, dass ein Unglück passiert ist.“ Unter jenen, die damals Fehler gemacht hätten, seien auch die Fluglotsen. „Das ist aber nur eine Teilschuld. Von einem Vorsatz kann keine Rede sein“, so der polnische Journalist.

    Vor diesem Hintergrund sei auch klar, dass Moskau die Vorwürfe der polnischen Staatsanwälte zurückweise: „Die Fakten sprechen für die Fluglotsen ebenso wie die Untersuchungsberichte des IAC und des Innenministers Miller“, resümiert der Experte.

    Themen:
    Polnische Präsidentenmaschine bei Smolensk abgestürzt (169)
    Tags:
    Fluglotsen, Lech Kaczynski, Smolensk, Russland, Polen
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