23:28 18 Dezember 2017
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    Das Brandenburger Tor in Berlin

    Berliner Wahrzeichen blieb farblos – Wie diese Taktlosigkeit wettzumachen wäre

    © AFP 2017/ John Macdougall
    Politik
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    Berlin kann die peinliche Taktlosigkeit, das Brandenburger Tor nicht in den russischen Nationalfarben anzustrahlen, wettmachen. Was der deutschen Hauptstadt bisher im Wege stehen mag, sich zu diesem Schritt zu entschließen – das kann gemeinsam ausgeräumt werden.

    Die Ausrede aus dem Roten Rathaus, das Berliner Wahrzeichen sei nicht farbig beleuchtet worden, weil Sankt Petersburg keine Partnerstadt sei, ist selbst den deutschen Mainstream-Medien fadenscheinig erschienen.  Sind uns aber Russen nicht mal die Farbe wert? Sind uns Terroropfer in einer russischen Stadt weniger wichtig als jene Anschlagsopfer in westlichen Städten? Liegt die Antwort darauf etwa in den ewigen Vorurteilen gegenüber den Russen, die angeblich nie zu Europa gehörten?

    Wurzelt darin etwa auch die betörende Angst vor den Russen, die die Nato dazu zwingt, ihre Panzer an Russlands Grenzen zu schicken? Immerhin stehen sie heute nur 150 Kilometer vor Sankt Petersburg entfernt, wo sich der – wohl so gut wie sicher islamistisch gefärbte – Terrorakt ereignet hat. Wäre nicht allein schon die Tatsache, dass Russland der gleichen Bedrohung ausgesetzt ist wie Deutschland, Großbritannien und Belgien, ein Anstoß zum Umdenken für die europäischen Politiker?

    UMFRAGE: Sollte Ihrer Meinung nach das Brandenburger Tor nach dem Anschlag in der St. Petersburger U-Bahn in den russischen Nationalfarben aus Solidarität angestrahlt werden?

    Wir haben einen Vorschlag: Berlin informiert Moskau, dass es als Zeichen der Trauer und für eine bessere Verständigung die Bundeswehrpanzer zurückruft. Es wäre auch an Zeichen für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der aus der Stadt an der Newa kommt. Es wäre ein Zeichen dafür, dass es darum geht, die aktuelle Konfrontation abzulösen durch neue Kooperation – auch im Kampf gegen den Terror, der vor keiner Grenze halt macht.

    Und es wäre ein Symbol dafür, dass auch in Deutschland nicht nur von den Lehren der Geschichte geredet wird, sondern nach ihnen gehandelt.

    Es gibt aber wenig Hoffnung auf eine solche Rückrufaktion oder Ähnliches. Bis die führenden Köpfe in der Nato und der EU begreifen, dass die eigentliche Konfrontation nicht mehr zwischen West und Ost besteht, sondern woanders stattfindet, muss wohl etwas noch Furchtbareres geschehen? Muss sich etwa die Geschichte wiederholen, die sich bereits Mitte vorigen Jahrhunderts unter Teilnahme deutscher Panzer abgespielt hat – und zwar ebenfalls im Raum von Sankt Petersburg – damals Leningrad? Muss es wirklich soweit kommen?

    Eins ist sicher: Die drohenden Kriege in Folge der Konfrontation sind eine viel größere Gefahr als alle Terroranschläge zusammen. Beides kann nur zusammen vermieden werden.

    Tilo Gräser

     

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    Tags:
    Farben, Flagge, Berlin, St. Petersburg, Russland
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