15:49 18 Dezember 2017
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    Eine der Verletzten nach der Explosion in der U-Bahn von Sankt Petersburg

    "Kann man nur gemeinsam bekämpfen": Kubicki für Anti-Terror-Front zusammen mit Moskau

    © Sputnik/ Alexander Tarassenkow
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    Im Kampf gegen den Terror muss Berlin "die Zusammenarbeit mit Russland wieder intensivieren", ist sich Wolfgang Kubicki sicher. Der Terroranschlag in Sankt Petersburg ist für den stellvertretenden FDP-Chef ein Zeichen, dass das notwendig ist. Er findet die Reaktion des Berliner Senats auf das Attentat "sehr traurig und peinlich".

    Herr Kubicki, alles spricht für einen Selbstmordanschlag in Sankt Petersburg. Was waren Ihre ersten Gedanken nach dem Terrorakt?

    Zunächst einmal, dass der Terror jeden überall erwischen kann. Und ich habe großes Bedauern mit den Opfern, die ja nur in der Metro waren, um nach Hause zu fahren oder um Freundinnen und Freunde zu besuchen. Und nun sind sie Opfer eines so brutalen Anschlags geworden.

    Was bedeutet dieses Attentat für die internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus?

    Wir müssen diese Zusammenarbeit definitiv verstärken – und zwar über die nationalen Grenzen hinaus. Denn es gibt einen gemeinsamen Feind, egal in welchem Land Europas wir uns bewegen. Die Tatsache, dass Menschen aus religiösen oder anderen Gründen glauben, das Recht zu haben, einfach unbeteiligte Dritte in die Luft zu sprengen, dem muss eine entsprechende Antwort entgegengesetzt werden. Das geht wirklich nur mit internationaler Zusammenarbeit.

    Heißt das, die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Moskau sollte wieder intensiviert werden?

    Terror macht vor Russland nicht halt, vor Deutschland nicht, vor Frankreich nicht und auch vor der Türkei nicht. Das ist die gleiche Form des Terrors, der Menschen verunsichern und beeinträchtigen will. Da muss man Informationen austauschen und vielleicht auch zusammenarbeiten. Denn Terrorismus ist grenzüberschreitend, die Terroristen bewegen sich ja auch über Grenzen hinweg. Das kann man nur gemeinsam bekämpfen. Deshalb appelliere ich auch, die Zusammenarbeit mit Russland wieder zu intensivieren – trotz aller Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig haben. Aber wir haben einen gemeinsamen Gegner, einen gemeinsamen Feind. 

    In Berlin werden zahlreiche Blumen vor der russischen Botschaft niedergelegt. Auf das Anstrahlen des Brandenburger Tors in den Farben Russlands wurde aber seitens des Berliner Senats verzichtet. Wird da manchmal immer noch mit zweierlei Maß gemessen?

    Das hat mich sehr traurig gemacht und ich finde es auch sehr peinlich. Vor allem die Begründung, man mache das nur bei Partnerstädten, ist ja definitiv falsch. Ich hätte es als angemessen empfunden, das Brandenburger Tor mit den russischen Nationalfarben anzustrahlen. Denn die Solidarität gilt ja nicht einer Regierung, sondern dem ganzen Land, den Menschen und vor allen Dingen den Opfern und ihren Angehörigen. Das wäre eine würdige Antwort auf den Terrorismus gewesen – stattdessen hat man darauf verzichtet.

    Interview: Marcel Joppa

     

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    Tags:
    Kooperation, Kampf, Terrorismus, FDP, Wolfgang Kubicki, Russland, Deutschland
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