21:47 21 November 2019
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    US-Matrosen auf der Militärparade (Archivbild)

    Wer ist der Herr im Haus? - Trumps Syrien-Signale an China

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    Politik
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    Es war laut russischen Experten ein wichtiges Zeichen, dass der jüngste US-Raketenangriff auf die syrische Luftwaffenbasis Schairat zeitlich mit den Gesprächen zwischen Donald Trump und Xi Jinping zusammenfiel. Die Onlinezeitung vz.ru beschäftigt sich mit dem Thema.

    Wie vz.ru schreibt, hat der US-Präsident seine Gespräche mit dem chinesischen Amtskollegen in Florida als „herrlich“ gelobt: „Trump sagte, sein Treffen mit Xi Jinping habe ermöglicht, die Beziehungen zwischen Washington und Peking zu fördern. Im Vorfeld hatte Trump dieses Treffen allerdings als sehr kompliziert bezeichnet. Unmittelbar vor Xis Ankunft in Florida machten die USA eine Liste ihrer harten Forderungen an China publik – sowohl im wirtschaftlichen als auch im politischen Bereich. Insbesondere gab die Regierung in Washington im Voraus zu verstehen, dass sie nicht auf die Raketenabwehr-Stationierung in Südkorea verzichtet, was die Chinesen äußerst nervt. Die Attacke auf Syrien, die mit Trumps Abendessen mit Xi zeitlich zusammenfiel, kam zupass.“

    Andrej Ostrowski, Vizechef des russischen Fernost-Instituts, sagte der Onlinezeitung: „Trump versuchte zu zeigen, dass die USA an ihren Positionen festhalten. Die Frage besteht darin, ob jener Raketenangriff absichtlich an das Treffen mit Xi Jinping geknüpft war oder es andere Gründe gab.“

    Laut Ostrowski gab Trump dem chinesischen Staatschef zu verstehen, „wer der Herr im Haus ist“, um bei den Gesprächen seine Bedingungen zu diktieren und Hürden für Chinas Ansprüche zu schaffen. Der Experte verglich das Vorgehen von Trump mit dem von Harry Truman, der im Jahr 1945 den sowjetischen Spitzenvertreter Josef Stalin über Abwurf einer Atombombe auf Hiroshima informiert hatte. 

    Alexej Maslow, Professor an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, vertritt eine andere Meinung: „Trump zeigte seinen Respekt gegenüber China, indem er eben dem chinesischen Staatschef die Nachricht mitteilte und nicht dem Staatschef eines verbündeten Landes.“

    Trumps Botschaft an China soll laut Maslow im Zusammenhang mit der US-Politik in ganz Asien betrachtet werden – nicht nur im Nahen Osten. Wie der russische Experte erläuterte, will Trump China dazu bewegen, Nordkorea stärker unter Druck zu setzen. Maslow bezog sich auf Trumps jüngste Äußerung, wonach der US-Präsident in Sachen Nordkorea mit Chinas Hilfe rechne, aber auch zu einem „unilateralen“ Vorgehen gegen Pjöngjang bereit wäre.

    Mit ihrem Raketenangriff in Syrien wollen die USA nach Ansicht von Maslow zeigen, dass etwas Ähnliches auch in Ostasien geschehen könnte: „Deshalb benachrichtigte Trump ausgerechnet Xi Jinping als Ersten.“

    Die Position Russlands habe der US-Präsident dabei kaum berücksichtigt: „Die Vorstellung, dass Trump einen Keil zwischen Russland und China treiben oder China an die USA ‚heranziehen‘ wolle, ist etwas vereinfacht.“

    Das Thema Russland sei für Trump im Moment nicht besonders wichtig oder zumindest nicht vorrangig. Wichtiger sei die chinesische Agenda. Als zentrale Frage bei ihren Beziehungen mit China betrachte die US-Regierung eine Abgrenzung der Verantwortungsbereiche in der Welt – sowohl militärisch als auch in Sachen Handel, so Maslow.

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    Tags:
    Raketenangriff, Internationale Beziehungen, Diplomatie, Donald Trump, Xi Jinping, Syrien, USA, China