11:08 14 Dezember 2019
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    Demo in Skopje, Mazedonien (Archivbild)

    Albanischer Faktor wird in Mazedonien und auf Balkan gegen Russland genutzt

    © AP Photo / Boris Grdanoski
    Politik
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    Der „albanische Faktor“ wurde zum Instrument bei der Umsetzung westlicher Interessen auf dem Balkan – so war er 1999 während der Bombenangriffe auf Jugoslawien, so bleibt er auch heute, wenn man mit seiner Hilfe Mazedonien beibringen will, wie seine Wahl aussehen und wer das Land regieren soll.

    Die politische Krise in Mazedonien dauert seit Dezember 2016 an. Obwohl bei der vorgezogenen Parlamentswahl die Partei VMRO-DPMNE des Premiers Nikola Gruevski gewann, stellte sich der Westen auf die Seite des Chefs der Oppositionspartei SDSM, Zoran Zaev, indem er sich in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates einmischt. Hochrangige Vertreter der EU und der Nato fordern vom Präsidenten Mazedoniens, George Ivanov, direkt die Übergabe des Mandats für die Bildung der Regierung, der den albanischen Parteien zuvor die Umsetzung der so genannten „Tiraner Plattform“, eines Dokumentes, versprochen hatte, das unter Teilnahme der Behörden des Nachbarn ausgearbeitet wurde und laut Präsident Ivanov die territoriale Integrität bedroht und die Verfassungsgrundlagen Mazedoniens untergräbt.

    Der mazedonische Politologe Branko Djordevski sagte in einem Interview mit Sputnik, dass der Westen Gruevski mit allen möglichen Mitteln ablösen wolle, weil er „gehorsame“ Anführer brauche. Er äußerte ebenfalls, dass der Westen die Erweiterung des russischen Einflusses auf dem Balkan verhindern wolle.

    Dem Experten stimmte auch der serbische Politologe Dragomir Andjelkovic zu. Ihm zufolge stellt jedes Land, das einen konstruktiven Dialog mit Russland entwickeln will, ein Problem für den Westen dar. Gruevski geriet in Ungnade, als er beschlossen hatte, die russisch-mazedonische Kooperation im Energiebereich zu intensivieren.

    „Als Gruevski verstand, dass die russische Gaspipeline über Mazedonien eine große Chance für die Entwicklung des Landes ist und Mazedonien zum Teilnehmer des Turkish Stream bzw. der erneuerten Version von South Stream werden soll, begann der Prozess seines Sturzes – es kam zu Zusammenstößen zwischen den albanischen Extremisten und den Kräften des Innenministeriums in Kumanowo, es kam zu ernsthaften Finanzspritzen für die Opposition, wonach sich die Popularitätswerte Zaevs den Werten Gruevskis annäherten, obwohl der Oppositionelle noch vor kurzem keine große Unterstützung der Mazedonier genoss“, so der Experte.

    Der Vorsitzende der Demokratischen Partei der Serben in Mazedonien, Ivan Stolikovic, sagte im Gespräch mit Sputnik, dass der Westen den albanischen Faktor nutze, um die Ereignisse im Lande direkt zu beeinflussen:

    „Wenn man berücksichtigt, dass die EU und der Rest der alten US-Administration darauf beharren, dass SDSM und Zoran Zaev die Regierung fast mit allen albanischen Parteien in Mazedonien bilden sollen, stellt sich heraus, dass versucht wird, die mazedonische Politik in Abhängigkeit von diesen albanischen Parteien zu bringen. Damit wird die Grundlage für die Entfernung Mazedoniens von Serbien und zugleich das Verdrängen Russlands geschafft — angesichts der Tatsache, dass Moskau in den letzten einigen Jahren ein bedeutender Wirtschaftspartner Skopjes wurde“, sagte Stoilkovic, der die Parlamentskommission für die Kooperation mit der Staatsduma Russlands leitet.

    Sowohl Gruevski als auch Zaev sind für den Beitritt zur EU und zur Nato, doch Zaev tut dies absolut rückhaltlos, ohne über die wichtigsten Interessen Mazedoniens nachzudenken.

    „Gruevski und VMRO-DPMNE konnten den Druck bewältigen und führten keine Sanktionen gegen Russland kein. Die Regierung Gruevskis hatte keine ideologischen Vorurteile, als es sich um die Wirtschaftskooperation mit Russland, China und anderen östlichen Partner handelte“, so Stoilkovic.

    Symptomatisch ist, dass Mazedonien im vergangenen Jahr den Export nach Russland um 39,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015 ausbaute, so die Angaben der Mazedonisch-russischen Handels- und Industriekammer.

    ​Laut dem serbischen Politologen Aleksandar Pavic wird der albanische Faktor in Mazedonien zur Verhinderung der Umsetzung der Projekte nicht nur mit Russland, sondern auch mit allen geopolitischen Rivalen der USA genutzt. So kann sich „im Visier“ das chinesische Projekt zum Bau der Schnelleisenbahnstrecke Thessaloniki-Budapest erweisen.

    „Die Instabilität in Mazedonien untergräbt die beiden Projekte. Die Allianz will, dass in Mazedonien möglichst schnell die antimazedonische Regierung gebildet wird, wobei die Albaner ein Garant für die Umsetzung der Interessen Washingtons sind, das die neue Administration vor die Tatsache in möglichst allen Regionen stellen will“, so Pavic.

    Der russische Balkan-Experte Alexander Safonow meint, dass die Albaner traditionell loyal gegenüber der Nato sind – wegen der Hilfe bei der Schaffung der selbstausgerufenen Republik Kosovo, die es ohne die Bombenangriffe auf Jugoslawien nicht gegeben hätte, und wegen der Tatsache, dass Albanien selbst ein Nato-Mitglied ist.  Es sei logisch, dass dieses Instrument zur Erweiterung des Einflusses der Allianz genutzt werde, so der Experte.

    „Das ist am besten in Montenegro zu erkennen, wo gerade die albanische Minderheit zum wichtigsten Verbündeten Dukanovics bei der Annäherung an die Nato wurde. Es geht darum, dass die Albaner die Integration in die Allianz als Möglichkeit wahrnehmen, die Grenzen zwischen den Staaten zu verwischen, in denen sie wohnen“, so Safonow.

    Was Kosovo betrifft, wurde das Wort „russisch“ in der Rhetorik der örtlichen Politiker seit langem ein Synonym für das Wort „negativ“. Die Behörden warfen Moskau die Vorbereitung eines Plans der Teilung Kosovos nach dem Vorbild der Krim, die Bewaffnung Serbiens und die Bedrohung der Sicherheit der Region vor. Man folgt also dem „Hinter allem steckt Russland“-Konzept. Allerdings geht Pristina manchmal zu weit:

    Die Idee der Wirtschaftsintegration und der Schaffung eines gemeinsamen Marktes des westlichen Balkans, die vor kurzem vom serbischen Premier Vucic geäußert und vom EU-Kommissar Johannes Hahn unterstützt wurde, löste negative Reaktion der kosovarischen Spitze aus. Der Außenminister Kosovos Enver Hoxhaj bezeichnete diese Idee als „prorussisch, die den europäischen Ideen widerspricht“, obwohl Hahn zuvor gerade von der Bedeutung der Wirtschaftsintegration der Länder der Region für ihren anschließenden Beitritt zur EU sprach.

    Der Politologe aus Pristina Nexhmedin Spahiu sagte in Bezug auf die Äußerung des kosovarischen Außenministers, dass die kosovarischen Politiker von der Schmeichelei gegenüber dem Westen besessen sind.

    „Sie versuchen, es dem Westen recht zu machen, indem man Russland kritisiert, doch das ist nicht klug. Die Idee des Premiers Vucic kann zwar einigen gefallen, den anderen nicht, doch sie ist im Sinne der europäischen Integration. Kosovarische Politiker neigen eher dazu, patriotische Gesten zu machen, als etwas Patriotisches zu tun, beispielsweise eine Politik der guten Nachbarschaft zu entwickeln“, sagte der Experte.

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    Tags:
    Macht, Russophobie, Destabilisierung, Nikola Gruevski, USA, Balkan, Albanien, Mazedonien, Russland