12:41 20 November 2019
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    Großbrand in einem Flüchtlingslager in der nordfranzösischen Kommune Grande-Synthe

    Brand in Flüchtlingscamp in Frankreich: Politiker nennt mögliche Ursachen und Folgen

    © REUTERS / Pascal Rossignol
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    Claude Nicolet, Ratsmitglied der französischen Region Nord-Pas-de-Calais und linksrepublikanischer Politiker, hat in einem Sputnik-Gespräch zu dem Großbrand in einem Flüchtlingslager in der nordfranzösischen Kommune Grande-Synthe Stellung bezogen.

    „Die verbrecherische Absicht ist hier offensichtlich. Im Laufe der unlängst aufgenommenen Ermittlungen wird noch geklärt, wer wie dies getan hat“, sagte Nicolet von der französischen „Staatsbürgerlich-republikanischen Bewegung“.

    ​Er tritt dafür auf, dass das Flüchtlingslager in Grande-Synthe wie schon das umstrittene Flüchtlingscamp „Dschungel von Calais“ geräumt werden sollte. Laut Nicolet hat der Abriss vom Camp in Calais nämlich dazu geführt, dass ein Teil der Flüchtlinge von dort ins 30 Kilometer entfernte Grande-Synthe geflohen sei. Eine solch kurze Stecke sei für jene, die auf dem Weg nach Großbritannien bereits mehrere tausend Kilometer zurückgelegt hätten, eine Nichtigkeit.

    Die Folgen des Brandes kommentierte der französische Politiker nur sehr vorsichtig, was vermutlich auf den Erfolg des Front National (FN) bei den Regionalwahlen im Jahr 2015 in Pas-de-Calais zurückzuführen ist. Damals soll der FN auf ganze 40 Prozent gekommen sein.

    „Derartige Ereignisse können immer von politischen Parteien zu eigenen Zwecken genutzt werden, weil sie davon profitieren wollen. Ich möchte daran erinnern, dass es sich hierbei um Männer und Frauen, Kinder, lebende Menschen handelt. Gerade dies soll vor allem in Betracht gezogen werden“, so der Nicolet.

    ​Unter anderem sollten ihm zufolge eventuelle Versuche politischer Manipulationen nach den Ereignissen aufmerksam beobachtet werden.

    Auch die Volontärin Klaaktje, die eigenen Angaben nach bereits lange Zeit in der humanitären Organisation „Utopia 56“ tätig ist, äußerte sich zu dem Brand im Flüchtlingslager in Grande-Synthe.

    „Das Problem besteht darin, dass die Behörden die Moduls, also Holzhütten, wo die Migranten gelebt hatten, räumten, während die Zahl der Flüchtlinge rasant anstieg. Die Menschen waren gezwungen,  beinahe auf den Köpfen anderer zu leben, was zu Konflikten führte“, sagte sie gegenüber Sputnik.

    Afghanen bewegen sich zurzeit nach Calais. Wir denken, dass es etwa 400 Menschen sind. Wir versuchen zu klären, wo sich andere Flüchtlinge befinden könnten. Ihr Ziel ist es, nach Großbritannien zu gelangen. Ihr Ziel bleibt also unverändert – nur ein neuer Ort, von wo aus sie ihre Reise antreten, wird gewählt“.

    Die Errichtung des am Montagabend zu 70 Prozent ausgebrannten Flüchtlingslagers in der nordfranzösischen Kommune Grande-Synthe  vor einem Jahr hatte drei Millionen Euro gekostet und war von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ finanziert worden. Die Stadtverwaltungen von Grande-Synthe und Dunkerque hatten jeweils 500.00 Euro dafür bereitgestellt. Mehrere dort untergebrachte Flüchtlinge stammten dabei aus den Lagern von Calais, welche aufgrund wilder Umstände in der Vergangenheit für Aufsehen sorgten.

    Wie die französische Zeitung „Parisien“ berichtet hatte, sollen mindestens zehn Migranten Verletzungen bei dem Großbrand in Grand-Synthe erlitten haben. Es werde angenommen, dass eine Auseinandersetzung zwischen irakischen Kurden und Afghanen zu dem Brand geführt haben könnte. Dabei sei es der Zeitung nach zuerst zu einer Schlägerei zwischen Kurden und Afghanen in diesem Flüchtlingslager gekommen, die später in eine Messerstecherei mündete. Nach Behördenangaben wurden dabei sechs Menschen verletzt.

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