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06:36 18 Juli 2019
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    von Ankara unterstützte Freie Syrische Armee im Einsatz

    Syrien: Vier Karten zum Interessenkonflikt

    © AFP 2019 / Nazeer Al-Khahtib
    Politik
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    Die Website zerohedge.com hat unter Berufung auf die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Öl- und Gaskonflikt im Nahen Osten erklärt. In diesen Konflikt gibt es viele Seiten, darunter die USA, Russland, die Sunniten und Schiiten usw., berichtet der russische Fernsehsender vestifinance.ru.

    Bei diesem Konflikt handelt es sich um den Kampf um die Kontrolle über verschiedene Regionen Syriens.

    Westliche Medien debattieren weiterhin darüber, was am 4. April in der syrischen Provinz Idlib passierte. Laut dem russischen Verteidigungsministerium hatte die syrische Luftwaffe Betriebe vernichtet, in denen die Terroristen Munition mit Giftstoffen hergestellt hatten.

    Verschiedene Interessen prallen beim Bau von Öl- und Gasleitungen nach Europa aufeinander.

    Russland ist aktuell der größte Öl- und Gaslieferant Europas. Aber auch der Iran (sprich die Schiiten) will seinen Marktanteil aufstocken.

    Katar ist ein sunnitischer Staat, der ebenfalls an neuen Gaslieferungen interessiert ist. Und Saudi-Arabien, wo ebenfalls die Sunniten an der Macht stehen, will der größte Öllieferant werden.

    Doch das saudi-arabische Öl und das katarische Gas werden nach Europa durch Syrien befördert. Gerade deshalb nutzen die USA und ihre sunnitischen Verbündeten die al-Qaida und andere dschihadistische Organisationen, damit sie möglichst größere Teile des syrischen Territoriums erobern, so dass US-Unternehmen wie beispielsweise Halliburton dort ihre Pipelines bauen könnten, durch die Rohstoffe nach Europa transportiert werden – ebenfalls durch US-Unternehmen wie beispielsweise Exxon.

    Auch der Iran will sein Gas durch Syrien nach Europa liefern und tritt auf der Seite der syrischen Regierung Baschar al-Assads auf, um diese vor den USA, Saudi-Arabien, Katar und den Dschihadisten zu schützen.

    Hier mehrere Informationskarten, die für das Verstehen des Nahost-Konflikts hilfreich sind.

    Die erste Karte zeigt, wie etliche Länder gegen den IS kämpfen und versuchen, ihn aus dem irakischen Mossul zu verdrängen.

    Da ist folgende Bemerkung auf dieser Karte erwähnenswert: Für den IS wird ein Evakuierungskorridor eingerichtet, durch den seine Kämpfer die Stadt verlassen können.

    Wie die Autoren des Beitrags glauben, bedeutet das, dass das Team „USA-Saudi-Arabien-Katar“ daran interessiert ist, dass die sich in Mossul befindenden Dschihadisten nach Syrien ziehen und der Nato helfen werden, Assad zu stürzen.

    Die zweite Karte zeigt die Versuche der ägyptischen Regierung zur Unterstützung der syrischen Regierung im Kampf gegen die Saudis, Amerikaner und Katar in Aleppo, wo die syrische al-Qaida-Vertretung versucht, einen Teil der Stadt unter ihrer Kontrolle zu behalten.

    Riad versucht seinerseits, die ägyptische Regierung zu bestrafen, denn Kairo hatte den von Russland in den UN-Sicherheitsrat eingebrachten Resolutionsentwurf bezüglich Aleppos unterstützt. Das löste eine Konfrontation zwischen Riad und Kairo aus.

    Das saudi-arabische Unternehmen ARAMCO verkündete die Einstellung der Hilfen für Ägypten, in deren Rahmen dieses Land, dem es an Bargeld mangelt, mit Benzin versorgt wurde.

    Dieser Konflikt führte zu einem Skandal in Medien und sozialen Netzwerken. Jetzt werfen einige saudi-arabische Medien Ägypten vor, „Mithelfer des Assad-Regimes“ zu sein – neben Russland und dem Iran.

    Und auf dieser Karte ist die von Russland initiierte Pipeline zu sehen, dank der es seine Abhängigkeit vom Transit durch die Ukraine teilweise überwinden könnte.

    Schema der Gaslieferungen aus dem Nahen Osten (rote Linie für das russische Projekt der Pipeline,blau für USA)
    Schema der Gaslieferungen aus dem Nahen Osten (rote Linie für das russische Projekt der Pipeline,blau für USA)

    Wie die Autoren hervorheben, hat der damalige US-Präsident Barack Obama im Februar 2014 den Staatsstreich in der Ukraine vorangebracht und den legitimen Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt.

    Und hier ist eine Karte von der Website oil-price.com: Darauf ist die Konkurrenz zwischen den Schiiten und Sunniten um die Gaslieferungen nach Europa sehr deutlich zu sehen.

    Es bestehen mehrere Theorien bezüglich der Nahost-Kriege, an denen sich die USA beteiligen. Es gibt beispielsweise die so genannte „Pipeline-Theorie“, laut der alle Kriege im Nahen Osten sich vor allem auf den Kampf um die Bodenschätze – Öl und Gas – sowie um den Bau von Leitungen zurückführen lassen.

    Dennoch glauben einige Experten, dass der wichtigste Grund, warum sich die USA in die Nahost-Konflikte ständig einmischen, darin besteht, dass Washington seinen militärischen Einfluss in der Region aufrechterhalten will.

    Doch diese Theorie ignoriert die Frage, warum die Amerikaner eigentlich die Region unter ihrer Kontrolle halten wollen. Und die Kontrolle über die Bodenschätze scheint ein durchaus glaubwürdiger Grund zu sein.

    Der Ex-US-Präsident Barack Obama erklärte vor Absolventen der Militärakademie West Point:

    Die USA haben insgesamt 59 Tomahawk-Raketen abgefeuert, aber später wurde bekannt, dass mehr als die Hälfte von ihnen das Ziel verfehlte. Und wo diese ‚restlichen‘ Raketen sind, ist unbekannt. Laut Berichten verfehlten insgesamt 36 Raketen ihr Ziel.

    „Die russische Aggression gegenüber den früheren Sowjetrepubliken reizt die europäischen Länder, und Chinas Wirtschaftswachstum und Ausbau der militärischen Stärke rufen Besorgnisse bei seinen Nachbarn hervor.

    Von Brasilien bis Indien konkurriert die dortige wachsende Mittelklasse mit uns, und ihre Regierungen bemühen sich um Einflusskraft in internationalen Organisationen.

    Und selbst wenn die Schwellenländer demokratischer werden und permanent die Marktwirtschaft entwickeln – dank Massenmedien und sozialer Netzwerke —, wird es unmöglich sein, weitere interkonfessionelle Konflikte und den Verfall von Staaten sowie Volksproteste zu ignorieren, die noch vor einigen Jahrzehnten unbemerkt blieben.

    Gerade Ihre Generation muss eine Antwort für diese neue Welt finden. Die Frage, mit der jeder von Ihnen konfrontiert wird, besteht nicht darin, ob Amerika die Führungsrolle spielen wird, sondern darin, wie genau wir die Führungsrolle spielen werden, wobei wir nicht nur unseren Frieden und unser Gedeihen garantieren, sondern auch Frieden und Gedeihen weltweit verbreiten werden.“

    Außerdem sprach er darüber, dass die US-Armee amerikanischen internationalen Organisationen in ihrem Kampf gegen Korporationen aus Russland, Brasilien, China, Indien und anderen Ländern helfe, „wo die Mittelklasse mit uns konkurriert“.

    Einige Experten bezeichnen diese Länder als „Amerikas Feinde“. Mit anderen Worten, gelten wirtschaftliche Konkurrenten als Feinde.

    So denkt Obama, und viele progressive Journalisten denken genauso. Damit dient die Armee den Interessen der staatlichen Korporationen – und zugleich den Interessen der US-Regierung.

    Viele finden, dass Syrien zum Schauplatz eines neuen „Pipeline-Kriegs“ geworden ist.

    Aber gleichzeitig stimmen sie auch der Meinung zu, dass die US-Verteidigungs- (genauer gesagt, Tötungs-) —Industrie (beispielsweise solche Unternehmen wie Lockheed Martin) nicht nur den Interessen der US-Regierung dient.

    Bei der militärischen Dominanz der USA in der Nahost-Region geht es auch um den Schutz eines riesigen Marktes, auf dem die Amerikaner ihre Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Rüstungsindustrie vertreiben.

    Damit profitieren davon nicht nur die Öl- und Gasunternehmen Amerikas, sondern auch Unternehmen, die in der Rüstungsindustrie tätig sind.

    Solange die Behörden und die Öffentlichkeit dieser Auffassung bleiben, solange die Armee und ausländische Einsätze den Interessen der US-Korporationen dienen werden, wird sich diese höllische Situation in Syrien und auch in anderen Ländern nicht verändern, schlussfolgern die Autoren.

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Ölexport, Konfliktlösung, Pipeline, Gaslieferung, aramco, Terrormiliz Daesh, Al-Qaida, Lockheed Martin, Hassan Rouhani, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Baschar al-Assad, Barack Obama, Wladimir Putin, Aleppo, Europa, Ägypten, Türkei, Iran, Saudi-Arabien, Syrien, Irak, USA, Russland