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    Donald Trump

    Wie Trumps Instinkte die Syrien-Politik der USA gestalten

    © REUTERS / Carlos Barria
    Politik
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    Die inhaltliche Seite der Außenpolitik scheint für Donald Trump zweitrangig zu sein. Er will um jeden Preis den Eindruck vermeiden, dass er Schwäche zeigen könnte. Dies soll auch in seinen Beziehungen mit Russland berücksichtigt werden, mahnt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow im Hinblick auf die Syrien-Krise.

    In einem Gastbeitrag für das Magazin „Ogonjok“ schreibt Lukjanow mit Blick auf den jüngsten US-Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis: „Was Präsident Obama noch im Jahr 2013 versprochen, aber nicht getan hatte, verwirklichte Trump schnell und ohne Umschweife, obwohl die Situation in Syrien mittlerweile eine völlig andere ist: Nun sind dort russische Soldaten präsent, während Assad faktisch unter Moskaus Schutz steht – nicht nur politisch, sondern auch militärisch.“

    Vor diesem Hintergrund seien Besorgnisse aufgekommen, inwieweit das Weiße Haus unter Trump jene Linien verstehe, die nicht überschritten werden dürfen, wenn man die Gefahr eines Zusammenstoßes mit einer Atommacht vermeiden will: „Zumal Erklärungen und Tweets, von denen die Krise begleitet wurde, nur mehr Öl ins Feuer gossen: Trump und seine Sprecher nahmen gegenüber Russland, Iran und Syrien kein Blatt vor den Mund.“

    Selbst im Vergleich zum ziemlich undeutlichen Syrien-Kurs von Obama sehe Trumps Ansatz systemlos aus – zumindest aus Sicht der außenpolitischen Tradition im Bereich der internationalen Konfliktregelung.

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    US-Präsident Donald Trump
    © REUTERS / Kevin Lamarque
    Es sehe allerdings danach aus, dass sich klassische diplomatische Richtmaße gegenüber Trumps Ansatz überhaupt nicht anwenden lassen:

    „Trump ist ein Mensch von Instinkten, die sich in jenem ständigen Überlebenskampf eingeschliffen hatten, der dem großen Business eigen ist.“

    Lukjanow postuliert: „Für den derzeitigen US-Präsidenten ist die inhaltliche Seite der Außenpolitik offensichtlich zweitrangig. Die Rhetorik diametral zu ändern, scheint ihm überhaupt kein Problem zu sein. Er ist in einer anderen Hinsicht überempfindlich – gottbehüte wird jemand auf den Gedanken kommen, dass Trump Schwäche zeige und sich von der ‚Man muss uns respektieren‘-Stellung zurückziehe.“

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    Der Sinn der jüngsten Attacke auf Syrien sei aus diesem Grund „qualitativ anders“ als bei den bisherigen US-Militäreinsätzen. Von Bedeutung sei diesmal die Anwendung von Gewalt als solche: „Niemand darf Zweifel daran haben, dass die USA immer bereit wären, auf jeden einzudreschen, wenn sie es für nötig halten“, so Lukjanow. „Trump ist davon überzeugt, dass eine Demonstration der Stärke kein Instrument ist, sondern eine Aufgabe an sich.“

    Was könnte man einem Akteur wie Trump entgegensetzen? Lukjanow mahnt, man dürfe keinem Druck nachgeben, müsse aber auch äußerst umsichtig und akkurat sein: „Die Frage, wie sich dies vereinbaren lässt, wird wohl den zentralen Inhalt der russischen Außenpolitik in den nächsten Monaten oder Jahren ausmachen.“

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    Tags:
    Krise, Politik, Donald Trump, Russland, Syrien, USA