12:25 13 Dezember 2019
SNA Radio
    US-Marinekorps

    „US-Kriegskurs ist offener und brutaler geworden“ - Ex-White-House-Reporter

    © Foto : U.S. Marine Corp/Christopher R. Rye
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    4863
    Abonnieren

    Die Friedensbewegung in Deutschland wird totgeschwiegen oder verleumdet, meint Horst Schäfer, der unter anderem von 1975 bis 1987 als Korrespondent der DDR-Nachrichtenagentur ADN aus Washington berichtet hat. Dabei sei sie angesichts der neuesten Zuspitzung der internationalen Lage mehr als je gefragt.

    Mit dem heute 87-jährigen sprach Sputnik-Korrespondent Tilo Gräser beim Berliner Ostermarsch am 15. April.

    Herr Schäfer, warum machen Sie beim Ostermarsch 2017 mit?

    Ich bin dabei, weil es nötiger denn je ist, dabei zu sein. Weil die Situation sich auf eine Art zugespitzt hat, die kreuzgefährlich geworden ist – durch die Politik der Bundesregierung, durch die Politik der USA, durch die Politik der Nato. Und durch das, was wir in der letzten Zeit erlebt haben: den Raketeneinsatz in Syrien, das große US-Geschwader, das auf Korea zusteuert, oder den Abwurf dieser „Mother of all bombs“. Das ist eine ganz schlimme Zuspitzung. Wenn wir uns da nicht wehren, dann werden die mit uns machen, was sie wollen. Da kann dann nur Krieg rauskommen. Auch wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass wir hier im Verhältnis zu diesen Kräften ein relativ kleines Häufchen sind: Aber wir sind eine Handvoll Sandkörner im Getriebe der kapitalistischen Kriegswirtschaft. Das wollen wir sein! Deshalb sind wir heute hier.

    Sie waren während des Kalten Krieges in Washington. Erinnert Sie die jetzige Situation an damals? Ist das heute anders oder ist es genauso?

    Es ist nicht genauso. Es hat sich schon Einiges verändert: Der Kriegskurs ist offener geworden, brutaler. Damals gab es noch ein strategisches Gleichgewicht. Damals gab es noch das „Rote Telefon“, wo man sich ausgetauscht hat. Damals hat man noch Sorge gehabt, dass, wenn man selbst etwas macht, der andere zurückschlägt.

    Aber auch damals gab es zahlreiche Aggressionen. Ich erinnere an die Staatsstreiche in Guatemala und im Iran damals. Ich erinnere an Vietnam, den Zwischenfall von Tonkin. Später dann der Irak-Krieg, der ja Hundertausende, wenn nicht eine Million Menschenleben gefordert hat – und das alles, um angeblich Saddam Hussein wegzukriegen. Die Politik hat sich schon zugespitzt. Aber auch damals war es nicht so, dass das eine friedfertige Politik gewesen ist, die von der US-Regierung betrieben wurde.

    Ist die Gefahr heute größer oder gleich groß?

    Das ist schwer zu beurteilen für mich. Wenn wir in der Friedensbewegung mehr werden würden, wäre die Gefahr nicht größer. Solange wir noch nicht eine richtige Mehrheit sind, solange wir noch zum Teil totgeschwiegen oder verleumdet werden, ist es eine schwierige Geschichte. Sie ist dann nicht größer, wenn wir mehr werden, wenn wir uns dagegen wehren. Dann kriegen wir auch die Gefahr in den Griff. Die Kriegspolitik hat sich aber nur in Facetten geändert.

    Das Interview zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Wir haben keine Wahl – Trump zu US-Armee
    US-Armee geht Munition aus
    US-Armee die stärkste, aber Russlands stärker als jeder mögliche Aggressor - Putin
    Militärische Pläne des Pentagons bleiben unverändert
    Tags:
    harter, Kurs, Kursänderung, Militarisierung, Pentagon, James Mattis, Donald Trump, Deutschland, USA