10:44 28 Juli 2017
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    Ein Nato-Kampfjet über einer Autobahn (Archivbild)

    „Sensation“: Deutsche Autobahnen sind „getarnte“ Flugplätze für Kriegsfall

    © AFP 2017/ BORIS HORVAT
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    Im Falle eines Krieges wird Deutschland seine Autobahnen als provisorische Fliegerhorste nutzen, berichtet das australische Nachrichtenportal news.com.au, gefolgt vom britischen „The Sun“ und der US-amerikanischen „New York Post“.

    „Sie sind als übliche Autobahnen getarnt, aber wenn ein Krieg erklärt wird, werden diese Straßen ihre wahre Bestimmung offenbaren“ —  so vielversprechend beginnt der Artikel des australischen Portals.

    Auch die A44 sei nicht „das, was sie zu sein scheint“, heißt es weiter.  Demnach sei die Schnellstraße nämlich bewusst so projektiert worden, dass sie sich in der Nähe von der Kleinstadt Buren verbreitert, um somit als „geheime Militärlandebahn“ zu dienen. Illustriert wird alles mit der A 29, die im Jahr 1984 während der Nato-Übung „Highway 84“ als Behelfsflugplatz eingerichtet wurde, jetzt jedoch längst umgebaut wurde.

    ​„Für ein ungeübtes Auge bietet die  A44 im Zentrum Deutschlands an sich nichts Bemerkenswertes. Eine Autobahn, die die industrielle und dicht besiedelte Rhein-Ruhr-Region des Landes mit dem Kernland verbindet“, so das Portal.

    Ein Buckelwal vor Antarktis
    © AFP 2017/ Eitan Abramovich
    So weit, so gut – die Deutschen haben also vorgesorgt und sind jederzeit für einen Krieg bereit, liest es sich zwischen den Zeilen. Im Grunde ist dies jedoch eine Sensation, die seit dutzenden Jahren keine mehr ist: Denn schon zu Zeiten der Dritten Reiches wurden die von der Nazi-Propaganda als „Straßen des Führers“ bezeichneten ersten deutschen Autobahnen als Flugplätze genutzt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Zahl der funktionstüchtigen Landebahnen immer weiter sank, starteten Junkers- und Messerschmitt-Maschinen dann immer öfter von Schnellstraßen.

    Auch nach dem Fall des Nazi-Reichs, als Deutschland aufgeteilt wurde, ließ man weder in Westdeutschland noch in der DDR von diesen Ideen ab. So hatte es zu DDR-Zeiten und sogar ein paar Jahre nach der Wende auf der A13  zwischen Ruhland und Frauendorf einen militärischen Behelfsflugplatz gegeben, wo im Notfall sowjetische und NVA-Jets starten, landen und geparkt werden konnten.

    ​Auch im Westen gab es bis zu 30 sogenannter NLPs — „Notlandeplätze“, die im Fall eines bewaffneten Konflikts Nato-Flugzeugen als Basis dienen sollten – zum Beispiel die A1 von Delmenhorst-Ost nach Wildeshausen-Nord. Allein sechs waren auch in die A1 eingebaut. Mittlerweile werden aber die meisten provisorischen Flugplätze eher als Relikte des Kalten Krieges betrachtet – zwar besitzen manche Stellen immer noch eine geeignete bauliche Beschaffenheit, die für eine militärische Nutzung allerdings generalüberholt werden müsste.

    Eines der heute am besten erhaltenen Relikte ist auf der A7 bei Schleswig aufzufinden, doch auch hier würde den landenden Jets ein Rastplatz im Weg stehen.

    Im Grunde könnte man sicherlich in nur wenigen Tagen oder sogar Stunden eine Autobahn in einen  Fliegerhorst umwandeln, was jedoch entgegen dem australischen Bericht wohl kaum dem „wahren Zweck“ dieser Straßen entsprechen würde. Anderenfalls wäre ja die wahre Bestimmung eines Waldes ein Partisanenversteck und die eines Landhauses – als Rastplatz für Soldaten zu dienen. Und das wollen wir sicher nicht noch einmal erleben.  

    Bericht: Philipp Laiko

    Tags:
    Autobahn, Militär, NATO, DDR, UdSSR, Deutschland
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