11:50 26 April 2017
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    Frauke Petry mit Jörg Meuthen

    War Petry zu machtgierig? Medien spekulieren über jüngste Überraschung an AfD-Spitze

    © REUTERS/ Axel Schmidt
    Politik
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    Der Verzicht von AfD-Chefin Frauke Petry auf die Spitzenkandidatur bei den bevorstehenden Bundestagswahlen hat eine Welle von Spekulationen, Kommentaren und Prognosen ausgelöst. Sputnik hat einige Medienstimmen zusammengetragen.

    Wie die „Frankfurter Rundschau“ erfahren haben will, hatte Petry auf dem für dieses Wochenende anberaumten Parteitag einen Strategiewechsel vor, was von ihren älteren Kollegen als Kampfansage betrachtet worden sei: entweder sie oder die.  Somit habe sich Petry als eine kühle Strategin verrechnet, weil die Wende doch nicht zustande käme.

    Die „FAZ“ sieht gewaltige Meinungsunterschiede zwischen Georg Pazderski und seinem AfD-Kollegen aus Sachsen-Anhalt André Poggenburg.  Der eine plädiere für die Partei sogar „ohne Spitzenkandidaten oder Spitzenteam“, der andere sieht die AfD ohne Spitzenteam überhaupt nicht. Die Streitigkeit bezieht sich auch auf die Grundsatzstrategie der Partei am Parteitag: ob es eine bereits ausgearbeitet werden soll oder erst die Weichen für die Bundestagswahl gestellt werden sollen.

    „Handelsblatt“ verweist auf  das zerstörte Vertrauen und Uneinigkeit in der Partei. Petry sei machtgierig, und der kommende Parteitag würde zu einem persönlichen Debakel Petrys, wie es der Essener Parteitag 2015 für ihren damaligen Vorstandskollegen Bernd Lucke war.

    FOCUS Online zitiert den Parteienforscher Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin: „Es gibt ja Gerüchte, wonach ihre Gegner schon konkrete Pläne schmieden, um Petry zu verhindern. Sowohl der AfD-Vorstand als auch die Parteibasis in einer Mitgliederbefragung haben klar für ein Spitzenteam an Kandidaten anstelle einer alleinigen Kandidatur gestimmt. Die Vermutung ist, dass Petry sich nicht in ein Team einordnen wollte. Das ist ja auch das, was ihr sogar viele Freunde in der Partei vorwerfen: Dass sie einen autoritären Führungsstil pflegt und gerne im Vordergrund stehen will.“

    Zudem betonte Experte, dass der Höcke-Flügel die Partei noch mehr beeinflussen würde, was der AfD nur schaden könne. Als mögliches Spitzenteam der AfD sieht Niedermayer ein Team aus Alice Weidel und Alexander Gauland: Weidel als jung-dynamische, wirtschaftsliberale Unternehmensberaterin aus Baden-Württemberg und Gauland als bekanntes rechtskonservatives Gesicht. Was Petry angeht, so bleibe sie die Vorsitzende der Partei. Im Wahlkampf jedoch stünde sie nur in der zweiten Reihe. Jedoch schließt der Experte ihr Engagement in der AfD nach der Wahl nicht aus, ohne dabei in der Bundesebene eine wichtige Rolle zu spielen, denn sie bleibt sicherlich ein AfD-Gesicht noch für eine lange Zeit.

    Wie der „Spiegel“ behauptet, war der Ko-Vorsitzende der Partei, Jörg Meuthen, von Petrys Verzicht, bei der Bundestagswahl zu kandidieren, völlig überrascht. Er habe weder von einer Videobotschaft noch von ihren Plänen gewusst. Jedoch ist Meuthen sicher, dass die Partei ein Spitzenkandidatenteam in Kürze aufstellen würde. Zudem geht er davon aus, dass die Partei im Zuge der jüngsten Änderungen nicht nach rechts rücken würde.

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    Rückzug, Kommentar, Medien, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, Deutschland
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