14:17 23 November 2017
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    Champs Elysees nach Attentat

    „Die Welt“ bezeichnet Pariser Anschlag als „Geschenk“ – Netz in Rage

    © REUTERS/ Christian Hartmann
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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées sind gestern Schüsse gefallen, bei denen ein Polizist ums Leben kam und zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Touristin verletzt wurden. Laut der „Welt“ ist diese Tragödie ein „mörderisches Geschenk“, das der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen in die Hände spiele.

    Police seal off the Champs Elysees avenue in Paris, France, after a fatal shooting in which a police officer was killed along with an attacker, Thursday, April 20, 2017. French media are reporting that two police officers were shot Thursday on the famed shopping boulevard.
    © AP Photo/ Kamil Zihnioglu
    „Was immer den mörderischen Attentäter getrieben hat, der an diesem Abend auf den Champs-Élysées um sich geschossen hat, er hat Marine Le Pen vermutlich das größtmögliche Wahlkampfgeschenk gemacht“, schrieb „Welt“-Journalist Sascha Lehnartz am Freitagnachmittag in seinem Artikel mit dem entsprechenden Titel „Ein mörderisches Geschenk für Marine Le Pen“.

    Nicht, dass dies gänzlich unwahr wäre – bei Wahlkämpfen erörtert ja jeder Kandidat in jedem Land weltweit aktuelle Themen und Probleme, wobei nach einem Terroranschlag genauso wie bei jeder anderen Herausforderung gepunktet werden kann – so funktioniert Politik eben, und zwar schon seit ihrem Bestehen.

    Zwischen den Zeilen lässt sich jedoch lesen, dass der „Welt“-Journalist auf eine solche Weise wohl nahebringen wollte, dass im Falle von Le Pen es keine Politik, sondern purer Populismus sei, bei dem man sich ja bekanntlich auch Tragödien zunutze mache. Dies soll wohl auch die grobschlächtige Wortwahl und den für viele völlig daneben liegenden Geschenk-Vergleich relativieren – tut es aber nach Meinung zahlreicher Leser des Artikels nicht. So löste der auf Facebook veröffentlichte Link zum Beitrag eine ganze Welle von Kritik aus.

    „Ist das wirklich eure größte Sorge??? Nicht die 15.000 weiteren bekannten radikalen Islamisten in Frankreich???“, schrieb Michael Czechan und kassierte mit seinem Kommentar über 250 Likes. 

    „Die Welt“ erwiderte jedoch, dass es nicht „ihre größte“ Sorge sei, sondern „lediglich eine Einordnung“ im Zusammenhang mit der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich.

    „Nach dieser ‚Einordnung‘ der Welt war dann Fukushima mit den vielen Toten ein Geschenk für die Grünen? Geht´s eigentlich noch bei Euch oder ward Ihr wieder am Kottbusser Tor einkaufen?“, kommentierte der User Heiko Granzin.

    Die Userin Joana Jamine äußert jedoch ihre Besorgnis: „Dieser Anschlag spielt leider den Radikalen Parteien in die Hände. Viele unentschlossene könnten für FN stimmen, da es jetzt verstärkt ins Bewusstsein gerufen wird“, schreibt sie.

    Andere User entgegneten jedoch, dass man Marine Le Pen als potentielle Präsidentin und Terrorismus nicht auf eine Stufe stellen dürfe.

    „Alles ist eben schlimmer, als Le Pen… wenn man weiter schön im lilalinken Panda-Land schwelgen möchte. Die Frau ist eben einfach zu ätzend mit ihrem Genörgel von wegen islamischem Terror und so. Also am liebsten weg-schreiben versuchen“, scherzt Antonio Andreano.

    Am späten Donnerstagabend hatte ein Mann eine Polizeipatrouille auf dem Boulevard Champs-Élysées angegriffen. Ein Polizist wurde getötet. Daraufhin lief der Schütze weiter und schoss auf weitere Beamte. Zwei von ihnen wurden schwer verletzt. Der Angreifer wurde erschossen. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, auch Daesh) bekannte sich später zu dem Anschlag.

    Themen:
    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
    Tags:
    Terror, Schießerei, Terrormiliz Daesh, Die Welt, Marine Le Pen, Paris
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