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07:14 16 Oktober 2019
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    Afd-Proteste

    Bunter Protest gegen AfD-Parteitag – Kölner Stolz auf Toleranz und Offenheit

    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Politik
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    Menschen aller Generationen und verschiedener Herkunft demonstrieren in Köln gegen den Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD). Eine bunte Mischung sorgt für Stimmung, aber auch für friedlichen Protest. Und nebenan geht das Leben ganz normal weiter. Ein Bericht.

    Die Antifa sei nicht so ihr Ding, erzählt mir die fröhliche Rentnerin, die schon am frühen Morgen auf dem Heumarkt steht.  Die vermummten, schwarz gekleideten Aktivisten machen ihr Angst. Sie möge es nicht, wenn alles gesperrt ist und gewaltbereite Menschen unterwegs seien. Aber demonstrieren ist ihr trotzdem wichtig. Knallrote Haare hat sie und eine grüne Jacke an – je mehr Farbe, desto besser, findet die Frau.

    Als waschechter Kölnerin ist ihr das bunte Treiben eine Herzensangelegenheit, erzählt sie, während wir den Karnevalisten zuhören, welche die sich langsam sammelnde Menge mit auf die AfD umgedichteten Liedern in Stimmung zu bringen versuchen. „Das politische Bewusstsein ist aber nicht mehr wie früher“ stellt sie fest. „In den 80ern, da war richtig was los.“

    Trotz Regens und niedriger Temperaturen werden es immer mehr Demonstrierende in der Stadt am Rhein. Schon gegen 10 Uhr wird es merklich eng auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt. Viele kreative Plakate sind zu lesen – „Petri heil“ solle ein Fischerspruch bleiben und Ähnliches. „Alerta,alerta, Antifascista“ ist zu hören und dass es keine Toleranz für Nazi-Propaganda geben dürfe. Im Hintergrund werden Protestsongs gespielt, das Spektrum reicht vom Karnevalslied bis Punk.

    Kochtöpfe spontan zu Trommeln umfunktioniert

    Ich treffe einen anderen Fotojournalisten. Er hat schon viele Demonstrationen in Köln begleitet, er kennt sich aus. Die Antifa hat etwas dagegen, dass man sie fotografiert oder filmt, stellen wir beide fest. Und dass es langsam richtig eng wird und wir beide die Hoffnung haben, dass der Protest friedlich bleibt.

    Einige sind auch tatsächlich etwas mürrisch gegenüber den Reportern, die meisten aber einfach motiviert und von der Sache überzeugt. Man könne die AfD nicht einfach so schalten und walten lassen, ihr Parteitag müsse gestört werden, höre ich. Die Menge ist bunt gemischt, von Schülern bis zu Rentnern, von Grünen, Linken, SPDlern über Gewerkschafter, Antifa-Aktivisten, Punks bis hin zu feministischen Vereinen und Karnevalisten in Clownskostümen. Der Protest gegen die AfD scheint sie, zumindest für heute, alle vereint zu haben.

    Während der anschließenden Demonstration sind viele Anwohner zu sehen, die das Treiben von Fenstern und Balkonen aus beobachten. Restaurantbesitzer entschließen sich spontan, auf die Straße herauszukommen und die Kochtöpfe mal zweckentfremdet als Trommeln zu verwenden. Kölner und Kölnerinnen seien sie, höre ich. Und sie seien stolz darauf, auch auf das Bunte, die Toleranz und die Offenheit. Hier und da wird den begleitenden Polizisten zwar zugerufen „Haut ab!“, aber insgesamt bleibt es friedlich. Und diejenigen, die sich nur ein, zwei Straßen weiter verirren, finden einen scheinbar völlig normalen, entspannten Samstag in der Kölner Altstadt vor. So leicht bringe ihn nichts aus der Fassung, höre ich von einem Kneipenwirt.

     

     

    Live aus Köln: Ilona Pfeffer

     

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    Tags:
    Toleranz, Polizisten, Demonstration, Proteste, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Köln