16:16 20 November 2018
SNA Radio
    Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Abwehrstrategie der Eliten: „Merkel zum letzten Bollwerk der freien Welt erklärt“

    © REUTERS / Fabrizio Bensch
    Politik
    Zum Kurzlink
    4625711

    Als Reaktion auf die Unzufriedenheit der Bevölkerung beklagen die Eliten im Westen feindliche Umtriebe und prangern ihre Opponenten als Populisten an. Darauf weist Konstantin Kossatschow hin, Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus).

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Kossatschow, im Westen sei eine Unzufriedenheit mit der regierenden Elite aufgekommen, die sich immer mehr von der Bevölkerung entfremde. Anstatt das System vorbeugend zu transformieren, habe die Elite jedoch in einer ziemlich autoritären Weise reagiert.

    „Erstens wittert sie hinter dem, was geschieht, Umtriebe von äußeren Feinden. Zweitens dämonisiert sie extrem diejenigen, die sich ihr entgegensetzen, indem sie sie als ‚neue Diktatoren‘ hinstellt. Drittens wirft sie den Völkern vor, vom Populismus verführt worden zu sein, obwohl das, was als Populismus bezeichnet wird, in Wirklichkeit als Versuch von Politikern gelten darf, auf die Stimme des Volkes (nicht der Eliten) zu reagieren“, so Kossatschow.

    „Nicht zum ersten Mal entsteht der Eindruck, dass die Demokratie die ‚Demokraten‘ stört. Die etablierten Eliten im Westen sind längst von realen Alternativen in der Innenpolitik abgerückt – in Richtung eines Systems, wo gleiche liberale Parteien mit verschiedenen Namen einander an der Staatsspitze ablösen. Es entstand deshalb ein richtiger Schock, als diejenigen stärker wurden, die etwas weiter ‚als es sich gehört‘ rechts oder links gelegen sind“, heißt es im Kommentar. 

    „Kanzlerin Merkel wurde zum letzten Bollwerk der ‚freien Welt‘ erklärt. In ganz Europa hat man den österreichischen, den niederländischen und nun auch den französischen Wahlkampf ins Visier genommen und sich kräftig Mühe gegeben, um den ‚Nicht-Systemgebundenen‘ Einhalt zu gebieten“, kritisiert Kossatschow.

    „Allem Anschein nach wird der ‚Europäische Frühling‘ in Form einer Revolution von unten ausbleiben“, so die Prognose. Es sei den globalen liberalen Eliten gelungen, sich vom Schock zu erholen. Donald Trumps Initiativen seien in den USA durch den Widerstand im Kongress und Medien blockiert worden.

    „In Europa (Frankreich, Großbritannien, Deutschland) werden Vertreter des Systems wahrscheinlich die Wahlen gewinnen – nicht zuletzt dadurch, dass Medien mit ihrem gefügigen Einklang die öffentliche Meinung manipulieren“, so Kossatschow weiter.

    Hoffentlich werde sich die Elite im Westen beruhigen, wenn sie sich nicht mehr in einem „sinkenden Boot“ sehe. Dann gehe auch die Intensität der Kampagnen gegen die äußeren „Feinde der europäischen Werte“ hoffentlich zurück. Als ein solcher Feind werde ja ausgerechnet Russland eingestuft, hieß es.

    Wie soll Russland auf all dies reagieren? Kossatschow schreibt: „Ich glaube, wir sollten ungefähr so vorgehen, wie der Westen selbst einst in seinen Beziehungen zu der ideologisierten Sowjetunion vorgegangen war. Wir sollten also einen pragmatischen Dialog unterhalten, ohne uns in ideologische Diskussionen einzulassen, aus denen die Opponenten die einzige Konsequenz ziehen, wonach man sich angeblich an ihren Werten vergreift. Wir sollten uns auch in die multipolare Welt weiter integrieren – als gleichberechtigtes Mitglied, das andere Völker beachtet.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Plakate von Le Pen in ausländischen Wahllokalen nicht zugelassen – aus bizarrem Grund
    "Manipulation und Meinungsmache" - Petry und Wagenknecht attackieren BILD & Co
    Lafontaine greift zu „Rund-um-Schlag“ – gegen Merkel und Krieg, fürs Völkerrecht
    Last-Minute-Wahlkampf: Macron auf der Überholspur – dank US-Imageberatern
    Tags:
    Mangel, Populisten, Manipulationen, Demokratie, Medien, Wahlen, Brexit-Referendum, En Marche, Front National, Marine Le Pen, Konstantin Kossatschow, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Großbritannien, Deutschland, Frankreich