Widgets Magazine
14:55 14 Oktober 2019
SNA Radio
    Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump beim gemeinsamen Treffen in Washington

    Warum Deutschland trotz allem im Fahrwasser der USA bleibt

    © AP Photo / Pablo Martinez Monsivais
    Politik
    Zum Kurzlink
    151484
    Abonnieren

    Trotz ihrer Differenzen brauchen die USA und Deutschland einander – allerdings aus verschiedenen Gründen. Russische Experten, die von der Onlinezeitung lenta.ru befragt wurden, klären auf.

    „Trump hat absolut offen den Brexit begrüßt, gegen den sich Deutschland als stärkstes EU-Land aktiv einsetzte. In Deutschland befürchtet man, dass sich die USA für einen Zerfall der Europäischen Union einsetzen würden. Die Deutschen verstehen nicht, inwieweit die USA an Europa interessiert bleiben“, sagte Alexander Kokejew, Experte des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Timofej Bordatschow, Europa-Experte an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, kommentierte: „Nach dem Brexit wird Berlin zum souveränen Spitzenreiter der EU. Es braucht die Unterstützung Washingtons, um mit anderen europäischen Hauptstädten effizienter zusammenzuwirken und mit London über die Bedingungen der Trennung sicher zu verhandeln.“

    Fjodor Lukjanow, Chef der russischen Denkfabrik Council on Foreign and Defense Policy, sagte: „Man verdächtigt die Deutschen des Wunsches, der Hegemon der Europäischen Union zu werden. Dies erschreckt viele EU-Mitgliedsländer. Wenn Berlin aber seine Treue zu den Prinzipien des Atlantismus demonstriert, aber auch die Bereitschaft, sich im Fahrwasser der USA fortzubewegen, erscheint diesen Ländern die Situation nicht mehr so beängstigend.“

    „Dass die Deutschen bei den USA für die Verteidigung verschuldet seien, hat sich nicht Trump ausgedacht. Er hat dies bloß in seiner Manier – hart und lautstark – zum Ausdruck gebracht. Die Zahlen, die er angeblich Merkel vorgelegt hat, sind aus der Luft gegriffen (…) Niemand nimmt das natürlich ernst“, so Lukjanow. Die „Sunday Times“ hatte zuvor berichtet, Trump habe Berlins angebliche Verteidigungs-Schulden gegenüber der Nato auf 375 Milliarden Dollar beziffert.

    Lenta.ru schreibt, die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA seien aber trotz aller Differenzen stabil, denn die beiden Länder bräuchten einander: „Für Deutschland sind die USA nach wie vor ein Garant der Stabilität. Während ihres Aufenthalts unter dem Nato-Schirm haben es die Deutschen völlig verlernt, ihre Verteidigung zu gewährleisten. Außerdem will Berlin seine Militärausgaben nicht erhöhen. Dabei ist es nur auf eine Weise möglich, Geld in diesem Bereich zu sparen, und zwar durch eine Übertragung der meisten Sicherheitsfragen an die Amerikaner.“

    Bordatschow sagte: „Die USA brauchen eine EU, die entsprechend den amerikanischen Wirtschaftsinteressen funktionieren würde. Am einfachsten ließe sich dies bei einer Vermittlung Berlins gewährleisten.“

    Die USA und Deutschland seien allerdings nicht gleichermaßen an einer Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zueinander interessiert, so Bordatschow weiter: „Die europäischen Partner brauchen Amerika deutlich mehr als Amerika selbst diese Partner braucht. Washington kann wählen, mit wem in der EU es zusammenarbeiten soll. Die Europäer haben dagegen niemanden, um die USA zu ersetzen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Merkel antwortet auf Trumps Worte über deutsche Schulden vor USA und Nato
    Deutsche befürchten: Trump macht die Welt unsicherer
    Ivanka Trump will von Deutschland lernen
    „Sehr gefährliche Zeiten“ – Rahr: Im Fall Trump setzen Eliten auf Deutschland
    Tags:
    Internationale Beziehungen, Partnerschaft, EU, Donald Trump, Angela Merkel, Deutschland, USA