06:38 24 Oktober 2018
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    „Neuer Punkt des Gleichgewichts“ veranlasst Staatschefs zu Gesprächen mit Moskau

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    Gleich mehrere einflussreiche Staats- und Regierungschefs wollen demnächst Russland besuchen – einer nach dem anderen. Warum sind sie ausgerechnet jetzt an einer Kommunikation mit dem Kreml interessiert? Die russische Onlinezeitung vz.ru bietet eine Erklärung an.

    Wie vz.ru schreibt, wird der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Ende April in Moskau erwartet. Am 2. Mai kommt Angela Merkel. Am nächsten Tag folgt ihr der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Am 11. Mai soll Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Russland eintreffen. Außerdem soll der chinesische Außenminister Wang Yi demnächst kommen – im Zuge der Vorbereitungen auf den Russland-Besuch von Xi Jinping.

    Die Vielzahl der Besuche sehe als kein bloßer Zusammenfall aus: „Dies lässt über die Ursachen nachdenken, warum West und Ost an einer Kommunikation mit Moskau so interessiert sind. Abgesehen von zahlreichen bilateralen ‚Spezialien‘ scheint es eine Reihe gemeinsamer globaler Umstände zu geben, die die einflussreichen Menschen des Planeten eben zu einer Kommunikation bewegen.“

    Der wichtigste Umstand bestehe wohl darin, dass die Phase von Ungewissheit in einigen maßgeblich wichtigen Ländern der Welt zu Ende gehe. Die politische Weltordnung werde nun neugestaltet – im Hinblick auf die vollzogenen Veränderungen. Insbesondere die überraschenden Abstimmungsergebnisse beim Brexit-Referendum und bei der US-Präsidentenwahl seien ein Beleg für die Krise des bisherigen Systems, hieß es.

    Doch mittlerweile gebe es Klarheit über die wichtigsten Themen und Fragen: „Der Siegeszug der ‚Nicht-Systemgebundenen‘ wurde gestoppt. Die erste Station war die österreichische Wahl. Das wichtigste Ereignis ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo Emmanuel Macron praktisch unvermeidlich gewinnen wird. Es besteht auch fast kein Zweifel an einer nächsten Amtszeit für Kanzlerin Angela Merkel.“

    Unterdessen habe Großbritannien mit praktischen Vorbereitungen auf seinen EU-Ausstieg begonnen. Dies bedeute ebenfalls ein Ende von Unklarheit. Denn bisher habe die Wahrscheinlichkeit bestanden, dass das Ergebnis des Volksentscheids ignoriert oder aufgehoben werden könne. Mehr Klarheit gebe es auch in Bezug darauf, was von US-Präsident Donald Trump zu erwarten sei, hieß es weiter.

    All dies bedeute keineswegs, dass die einstige Routine wieder da sei: „Im Gegenteil: Seit einem Jahr haben sich groß angelegte und tiefgreifende Änderungen vollzogen. Mehr noch: Instabilität wird faktisch zu einem ständigen Kennzeichen jedes beliebigen Systems.“

    „Wir dem auch sei, die Phase von dichtem Nebel in den internationalen Beziehungen ist vorbei. Das System hat einen neuen Punkt des Gleichgewichts erreicht. Es kommt also Zeit für einen Uhrenvergleich und für neue Vereinbarungen im Hinblick auf die veränderten Realitäten. Dass Staats- und Regierungschefs nach Moskau kommen und nicht umgekehrt, deutet an: Sie haben einen größeren Bedarf daran als Russland“, schreibt vz.ru zum Schluss.

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Moskau-Besuch, Donald Trump, Shinzo Abe, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Wladimir Putin, Türkei, Japan, Deutschland, USA, Russland